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Schwächelnde Jahrmärkte : Warum Weihnachten die Schausteller in SH rettet

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gäbe es die Marktsaison zur Adventszeit nicht, stünden viele Betriebe vor dem Aus – die traditionellen Jahrmärkte werfen immer weniger ab.

shz.de von
erstellt am 16.Mär.2016 | 20:24 Uhr

Kiel | Mit dem Standort Heide in Dithmarschen ist sie seit dem Wochenende wieder eröffnet: die Saison der Jahrmärkte in Schleswig-Holstein. „Wir sind ja Berufsoptimisten – mit einem hängenden Gesichtsausdruck kannst du den Leuten keine Freude bringen“, motiviert Ludolf Fock, Vorsitzender des Schaustellerverbands Schleswig-Holstein, sich selbst. Allzu sehr ist dem für Fröhlichkeit zuständigen Gewerbe mit seinen landesweit 150 bis 200 Betrieben dennoch nicht zum Lachen zumute. Die Jahrmärkte allein ernähren kaum noch ihren Mann: „Wer keinen guten Weihnachtsmarkt hat, kann sich die Jahrmarktsaison kaum noch leisten“, sagt Fock.

In Schleswig ist bereits zweimal einer der jährlichen Jahrmarkt-Termine ausgefallen - das galt vielen in der Branche als Alarmsignal. Inzwischen findet der Rummel, etwas verkleinert, wieder statt. Das Schicksal ausfallender Märkte könnte künftig auch andere treffen.

Um die 30 Prozent des Jahresumsatzes mache das zusätzliche Standbein im Advent inzwischen schon aus. Frank Dörksen von der zweiten Branchen-Organisation, dem Landesverband der Schausteller und Marktkaufleute, geht sogar so weit zu sagen: „Die Weihnachtsmärkte halten uns am Leben. Für einige sind sie inzwischen schon das Hauptstandbein.“

Halte sich die Zahl der traditionellen Jahrmärkte in den letzten 20 Jahren nach Einschätzung beider noch einigermaßen stabil, sei die Zahl der einst ebenfalls wichtigen Schützenfeste mit Buden und Karussells massiv eingebrochen. Zwar gibt es als weitere Facette auch noch Stadtfeste und andere Groß-Events von der Flensburger Rumregatta über die Kieler Woche bis zum RSH-Kindertag. Dort aber seien die Standgebühren angesichts kommerzieller Veranstalter höher als bei den meist von Stadtverwaltungen organisierten Jahrmärkten, gibt Dörksen zu bedenken.

Überhaupt bleibe an Marge immer weniger übrig sagt er und zählt auf: Energiekosten, Anschlussgebühren für Strom und Wasser, genauere Arbeitszeitvorgaben durch den Mindestlohn. Das ziehe die Notwendigkeit nach sich, mehr Leute zu beschäftigen und für die dann auch Unterkünfte vorzuhalten. „Mit dem Ausgabeverhalten ging es seit der Euro-Einführung eigentlich nur bergab“, setzt Dörksen hinzu, sieht allerdings zumindest in diesem Punkt jetzt „die Talsohle erreicht und wieder eine leichte Aufwärtstendenz“.

Was sich nicht ändert, ist die stets steigende Konkurrenz anderer Freizeitmöglichkeiten. „Wir sind nur noch ein Angebot von vielen“, weiß Dörksen. „Die Erlebnisangebote in der virtuellen Welt kosten uns natürlich Umsatz“, gibt Ludolf Fock zu bedenken.

Umso mehr machen seinem Gewerbe Kosten zu schaffen, die behördliche Auflagen bringen. Eine davon ist eine EU-Norm, nach der auch bestehende Fahrgeschäfte neu zertifiziert werden müssen. So muss ein Kettenkarussell zum Beispiel auf Körpergewichte bis zu 100 Kilogramm ausgelegt sein statt wie bisher auf 75 Kilogramm. Schon die Prüfung durch den TÜV schlage mit 30.000 bis 50.000 Euro zu Buche, so die beiden Branchen-Vertreter.

Je nach Fall drohten daraufhin noch deutlich teurere Umbauten. Hinzu kommt laut Fock eine Neuberechnung der Windlastzonen durch die Behörden. Die Westküste sei von Zone 3 auf 4 mit entsprechend höheren Auflagen hochgruppiert worden. Deshalb müssten sich nun auch Fahrgeschäfte von teuren Experten neu begutachten lassen und gegebenenfalls ihre Statik etwa mit Wassertanks oder Sturmabstützstangen nachrüsten.

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