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Attacke in Neumünster : Warum Krähen-Angriffe auf Menschen zunehmen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Viele Menschen sprechen von Krähen-Plagen. Gerade erst wurde ein Kind in Neumünster von einer Krähe attackiert.

shz.de von
erstellt am 20.Mai.2016 | 20:04 Uhr

Neumünster | In Neumünster hat eine Krähe gerade ein kleines Kind angegriffen und verletzt, in Kiel wurde ein Mann auf einem Fahrrad von einem Exemplar attackiert – die Meldungen über Angriffe von Vögeln häufen sich. „Die Krähen rücken immer weiter in die Städte vor, weil es für sie sichere Plätze sind“, sagt der Artenschutzreferent beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) in Flintbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde), Rüdiger Albrecht. Denn in den Städten gebe es für die Tiere weniger Feinde, dazu sei dort leicht Nahrung verfügbar. Und auch die Gefahr durch Jäger sei für Rabenkrähen nicht so groß wie auf dem Land. Doch werden die Krähen auch immer aggressiver?

„Bislang ist uns darüber nichts bekannt“, sagt Albrecht. „Bei den Tieren, die Menschen angreifen, handelt es sich um Einzeltiere, die meist von Menschen angefüttert oder gar aufgezogen wurden – und deswegen keine Scheu haben, in deren Nähe zu kommen.“ Reagiere der Mensch dann für den Vogel ungewohnt – etwa in dem er sich erschrickt – könne das zu einem Zuhacken führen, wie offenbar in Neumünster geschehen. „In solchen Fällen werden wir dann natürlich tätig, versuchen das Tier zu fangen und der Natur zu entnehmen“, sagt Albrecht. Das soll zunächst mittels einer Lebendfalle geschehen. „Wir müssen aber den Täter finden, wir können nicht alle Tiere in Sippenhaft nehmen“, so der Artenschutzreferent. Denn aktuell gilt für die Rabenkrähe Schonzeit.

Der Bestand der Rabenkrähe ist laut LLUR in den vergangenen Jahrzehnten angestiegen, auf aktuell rund 13.000 Paare. „Alle Angriffe auf Menschen, die ich kenne, sind immer von Rabenkrähen verübt worden – nicht von Saatkrähen“, sagt Albrecht, der den Job seit 30 Jahren macht. Im Gegensatz zur Rabenkrähe darf die Saatkrähe nicht bejagt werden.

In Schleswig-Holstein lebt rund ein Drittel des deutschen Bestandes – allerdings nicht immer zur Freude der Menschen. Denn in vielen Teilen des Landes sprechen Anwohner bereits von einer Plage der Saatkrähen. In Schleswig klagen Anwohner darüber, dass sie nur noch mit Regenschirmen bestimmte Plätze aufsuchen können, weil sie sonst von herabfallendem Kot der Tiere getroffen werden. Auch in Segeberg, Bad Bramstedt und Kellinghusen gibt es große Bestände von Saatkrähen, die für Unmut sorgen. In Elmshorn bevölkern die Krähen schon Kinderspielplätze. Dort gibt es an zwei Plätzen in der Innenstadt Vergrämungsaktionen.

Die hat es auch schon öfter in Niebüll gegeben, wo Lärm und Dreck durch Krähen seit Jahrzehnten Anwohner ärgert. „Das Problem ist, dass man damit die Krähen von einem Ort vertreibt, sie sich aber an einem anderen in der Nähe wieder ansiedeln“, sagt Rüdiger Albrecht. „Das ist meist nur sinnvoll, wenn man sie an einem Ort unbedingt vertreiben will – wie etwa einem Krankenhaus, einem Kindergarten oder einem Friedhof.“ Auch das Entfernen von Nestern bringe nichts, weil die Tiere jedes Jahr neue bauten.

Der einzige Weg sei, das Nahrungsangebot einzuschränken. „Manche Leute füttern die Tiere, weil sie sie niedlich finden“, sagt Albrecht. Viele Kommunen raten dringend davon ab. Doch auch in Vogelhäusern oder Müllcontainern gibt es oft genug Nahrung für die Allesfresser.

Gegen den Dreck und den Lärm der Saatkrähen ist daher wenig zu machen. „Man kann ja auch die Tiere nicht einfach abschießen, nur weil sie Menschen stören“, sagt Albrecht. Und die Jagd auf den geschützten Vogel würde auch nichts bringen: „Denn selbst wenn man das tun würde, würde in der Brutzeit eine Schonzeit gelten – eben dann wenn Lärm und Dreck die Menschen besonders belasten“, so Albrecht. Für diese Brutsaison gebe es allerdings eine gute Nachricht: „Sie ist bald vorbei.“

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