Bigamie-Vorwurf : Warum ein Syrer seine Zweitfrau nachholen darf

Kreissprecher Oliver Carstens weist diesen Vorwurf zurück: „Im Kreis Pinneberg werden bigamische Ehen nicht gefördert.“

Kreissprecher Oliver Carstens weist diesen Vorwurf zurück: „Im Kreis Pinneberg werden bigamische Ehen nicht gefördert.“

Ein syrischer Flüchtling soll über den Familiennachzug auch seine zweite Ehefrau in den Kreis Pinneberg geholt haben. Die Wählergemeinschaft wirft dem Kreis Unterstützung von Bigamie vor.

shz.de von
27. Januar 2018, 11:36 Uhr

Pinneberg | Der Vorwurf ist heftig: „Die Pinneberger Kreisverwaltung fördert Bigamie“, wettert Burghard Schalhorn, Kreistagsabgeordneter und Vorsitzender der Kreiswählergemeinschaft Pinneberg (KWGP). Die Verwaltung weist den Vorwurf empört zurück. Fakt ist allerdings, dass es im Kreis Pinneberg mindestens fünf Fälle gibt, bei denen der Ehemann noch eine Zweitfrau hat. Es handelt sich dabei ausnahmslos um Flüchtlinge.

Ein syrisches Ehepaar mit vier Kindern sei etwa nach Deutschland geflüchtet und im Kreis Pinneberg untergebracht worden. Der Vater habe allerdings in seiner Heimat mit einer weiteren Ehefrau ebenfalls vier Kinder gehabt. Diese habe er nachgeholt. Anschließend habe auch die Zweitfrau des Mannes, die Mutter der nachgeholten vier Kinder, einreisen dürfen. Dem „Hamburger Abendblatt“ zufolge soll es mindestens einen vergleichbaren Fall im Kreis Pinneberg geben. „Das ist Förderung der Bigamie“, meint Schalhorn.

Kreissprecher Oliver Carstens weist diesen Vorwurf zurück: „Im Kreis Pinneberg werden bigamische Ehen nicht gefördert.“ Darüber hinaus, so Carstens, geht es bei Familienzusammenführungen auch „überhaupt nicht um Bigamie beziehungsweise darum, mehrere Ehefrauen nach Deutschland zu holen, sondern es geht primär um das Wohl der Kinder.“ Denn einem sich noch im Ausland befindlichen minderjährigen Kind eines Ausländers könne ausnahmsweise eine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland erteilt werden, wenn dies im Einzelfall zur Vermeidung einer besonderen Härte erforderlich sei. Hierbei sei das Kindeswohl besonders zu berücksichtigen. „Dies ist aber keine pauschale Regelung, sondern immer eine sorgfältige Einzelfallprüfung“, betont Carstens. Die KWGP fordert dennoch eine rechtliche Klärung des Falles.

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