zur Navigation springen

Unwetter, Großbrände oder Industrieunfälle : Warn-App: Sirene für die Hosentasche

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kreise und Land bringen Katastrophen-Warnungen per Handy-App auf die Zielgerade.

shz.de von
erstellt am 23.Jun.2017 | 19:37 Uhr

Kiel | Zieht ein extrem starkes Unwetter wie Donnerstag herauf – dann werden die Schleswig-Holsteiner bald auch vor lokal oder regional besonders gefährlichen Ausprägungen per Handy-App gewarnt. Bis Jahresende soll die Technologie dazu im ganzen Land funktionieren. Das erwartet der Geschäftsführer des Landkreistags, Sönke E. Schulz, nachdem die Vorbereitungen von Kreisen und Innenministerium für die „Sirene für die Hosentasche“ in ihre Endphase gegangen sind.

„Über klassische Kanäle erreicht man heute gar nicht mehr jeden“, sagt der Geschäftsführer des Landkreistags. Nicht alle Einwohner hörten ständig Radio; Sirenen seien nach dem Ende des Kalten Krieges weitgehend abgebaut worden.

Giftgaswolken aus Industriebetrieben, Großbrände oder Lkw-Unfälle mit gesundheitlich bedenklichen Stoffen sind weitere Beispiele für Einsatzfälle der App. Derzeit stattet das Land dazu sämtliche Rettungsleitstellen mit dem vom Bund entwickelten Modularen Warnsystem (Mowas) aus. Über eine Satellitensende- und Empfangsanlage kann es den Bürgern Alarmmeldungen direkt aufs Smartphone schicken – örtlich eingegrenzt auf die Gebiete, in denen sich die Betroffenen befinden. Denn das mobile Warnsystem erkennt, welche Handys in die Funkzellen des jeweiligen Areals eingeloggt sind.

Voraussetzung: Der Bürger hat sich dazu kostenlos die App „Nina“, kurz für „Notfall-Informations- und Nachrichten-App“, heruntergeladen. Die Anwendung ist vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe entwickelt worden. Nach längeren Diskussionen haben sich die Kreise und das Innenministerium auf den Einsatz dieser App geeinigt. Das Land hat dafür unlängst mit dem Bund eine Nutzungsvereinbarung abgeschlossen. Außen vor bleibt damit die vom Fraunhofer-Institut und der Versicherungswirtschaft programmierte App „Katwarn“, die beispielsweise in Rheinland-Pfalz landesweit im Einsatz ist. Für „Katwarn“ hätten die Kreise noch eigens Nutzungsverträge mit einem Privatanbieter eingehen müssen.

Die Kreise warten noch darauf, dass ihnen das Innenministerium als oberste Behörde für den Katastrophenschutz die Freigabe zur Nutzung von Mowas erteilt. Dazu ist es laut einem Ministeriumssprecher bisher noch nicht gekommen, weil das Land zunächst einheitliche Szenarien für Gefahrenwarnungen für ganz Schleswig-Holstein fertigstellen will. Das solle dazu dienen, alle Bürger im Land bei vergleichbaren Anlässen zu informieren. Zugleich prüfen die Behörden momentan, ob der Bestand der Einheiten des Katastrophenschutzes den aktuellen Bedarf tatsächlich deckt.

„Einige Kreise werden schon unruhig, dass es endlich losgehen kann“, sagt Schulz. „Ich stelle fest, dass das Thema im Ministerium jüngst wieder einen höheren Stellenwert bekommen hat.“ Dazu hat dem Vernehmen nach nicht nur die Angst vor Terror beigetragen, sondern auch die schwere, für viele Anwohner überraschende Ostseesturmflut Anfang des Jahres.

Bei einem landesweiten Katastrophenfall funktioniert eine Warnung per „Nina“ bereits heute. Die Leitstelle in Elmshorn ist schon mit „Mowas“ ausgestattet und kann gemeinsam mit dem Lagezentrum des Landes Alarme über die App absetzen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen