Wetter im Norden : Wann wird’s mal richtig Sommer?

Extreme Kälte, extreme Nässe und extrem wenig Sonnenschein: 2013 wird als besonderes Jahr in die Wettergeschichte eingehen. Foto: Fotolia
1 von 2
Extreme Kälte, extreme Nässe und extrem wenig Sonnenschein: 2013 wird als besonderes Jahr in die Wettergeschichte eingehen. Foto: Fotolia

Regendusche statt Sonnenbad: Der Sommer in Schleswig-Holstein lässt mal wieder auf sich warten. Kein gutes Zeichen: Auch der Siebenschläfer-Tag soll ins Wasser fallen.

Avatar_shz von
25. Juni 2013, 08:32 Uhr

Kiel | Ob es in diesem Jahr noch Sommer wird, könnte sich in dieser Woche klären. Ab Donnerstag schauen die Meteorologen ganz genau hin: Der Zeitraum vom Siebenschläfer-Tag (27. Juni) bis zum 7. Juli gilt als Indikator für den Sommer, verrät Sven Taxwedel von Wetterwelt in Kiel. War das Wetter in dieser Periode schlecht, blieb statistisch gesehen in 70 Prozent der Fälle auch der ganze Sommer ein Reinfall. "Zwar streckt in der kommenden Woche ein Azoren-Hoch seine Fühler in den Norden aus, aber insgesamt wird es kühl und wechselhaft mit Schauern", so die Prognose des Diplom-Meteorologen. Er zeigt sich deshalb pessimistisch: "Große Höhenflüge können wir in diesem Sommer wohl nicht erwarten".

Freie Hotelbetten

Ein schwacher Sommer bereitet vor allem den Touristikern im Land Sorgen. Mit Beginn der Sommerferien kommen die Buchungen in Schleswig-Holsteins Urlaubsorten nur langsam in Fahrt. "Zwei durch schlechtes Wetter geprägte vorangegangene Sommer und starke Kälte bis in diesen Mai hinein führen dazu, dass die Buchungslage für den Sommer im Augenblick noch nicht wirklich gut aussieht", sagt Andrea Simons von der Ostseefjord Schlei GmbH. Insgesamt liegen die Buchungen derzeit auf dem Niveau der vergangenen Hauptsaison. Diese stand mit einem Plus in Schleswig-Holstein von 0,2 Prozent 2012 schlechter da als der Bundesdurchschnitt. Deutschlandweit konnten die Urlaubsorte um drei Prozent bei den Besucherzahlen zulegen.

Wetterkapriolen

Extreme Kälte, extreme Nässe und extrem wenig Sonnenschein: 2013 wird als besonderes Jahr in die Wettergeschichte eingehen. "Es gab bisher kein Mittelding", sagt Taxwedel. Der März sei in Teilen Schleswig-Holsteins nicht nur der kälteste seit 130 Jahren, sondern auch der trockenste gewesen. Nur zehn Prozent der durchschnittlichen Niederschlagsmenge wurden in den Wetterstationen gemessen. So richtig Frühling wurde es dann auch im April nicht. Und der Wonnemonat Mai machte seinem Namen nur bedingt eine Ehre. Die Sonne ließ sich viel seltener blicken, als es für den Monat üblich sei, erklärt der Meteorologe. Hinzu kam heftiger Regen: im südlichen Landesteil das Zwei- bis Dreifache der durchschnittlichen Menge im Mai. Die Landeshauptstadt Kiel kam auf stolze 143 Liter pro Quadratmeter - 270 Prozent des Normwertes, wie der Wetter-Experte berichtet.

Unwetter gehören zum Sommer

Und auch der Juni zeigt sich durchwachsen. "Das richtige Sommerfeeling hat sich im Norden noch nicht eingestellt", bestätigt Taxwedel den gefühlten Eindruck vieler. In der vergangenen Woche verdarben Unwetter mit Orkanböen und heftigem Gewitter dem Sommer erneut den Auftritt. Beschert uns der Klimawandel diesen Wetterzirkus? "Solche Unwetter sind für diese Jahreszeit völlig normal", gibt Taxwedel Entwarnung. Generell sei das Vorkommen von Wetterextremen wie in diesem Jahr noch kein Beleg für einen Klimawandel. Erst die Häufung über einen längeren Zeitraum würde auf einen Zusammenhang deuten. Er räumt jedoch ein: "In den letzten Jahren beobachten wir eine Häufung von konsistenten Wetterlagen." Das bedeutet: Eine Wetterlage hält sich zunehmend über mehrere Wochen. Vor 2008 sei es im Großen und Ganzen viel wechselhafter gewesen.

Trockene Äcker im Frühjahr

Schleswig-Holsteins Landwirte schauen beruhigt auf die Wetterentwicklung der vergangenen Jahre. "Unterm Strich kommen die Bauern mit der Natur zurecht", sagt Klaus Dahmke, Pressesprecher des Bauernverbands Schleswig-Holstein. Lange Winter seien für die Landwirte weniger problematisch. Auffällig seien jedoch seit vier Jahren vermehrt auftretende Frühjahrstrockenheiten, durch die Bauern Auswinterungsschäden verzeichnen mussten. "Die Pflanzen wollen anfangen zu wachsen, ihnen fehlt aber die Feuchtigkeit. Dadurch verzögert sich das Wachstum", so Dahmke.

Ernte erschwert

Die Herausforderungen durch extremes Wetter sind für die Landwirte eher technischer Natur. "Regionen, in denen wir viele Niederschläge haben, sind teilweise unbefahrbar. Das macht die Ernte schwierig", erklärt der Sprecher. Die Elbüberflutung im Kreis Lauenburg sei für Schleswig-Holsteins Landwirte glimpflich abgelaufen. "Die Deiche hielten. In unserem Bereich haben wir keine Schäden festgestellt."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen