VR-Banken im Norden: Die Fusion platzt erneut

Klare Zustimmung, aber immer noch nicht die nötige Dreiviertel-Mehrheit: Die Fusionskritiker unter den Vertretern der VR-Bank Niebüll eG haben den Zusammenschluss mit der VR-Bank Flensburg-Schleswig zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten verhindert - jedenfalls vorerst.

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16. Juli 2009, 06:25 Uhr

Niebüll/Schleswig | Die Vertreterversammlung der VR-Bank Niebüll hat erneut die Verschmelzung ihrer Genossenschaft mit der VR-Bank Flensburg-Schleswig abgelehnt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit stimmten 167 Vertreter für - und 72 gegen eine Fusion. Es gab eine ungültige Stimme und eine Enthaltung. Die damit erreichte Zustimmung von 69,9 Prozent ist zwar fast 9 Prozentpunkte besser als das erste Vertretervotum im Mai in Bredstedt. Die für eine Verschmelzung erforderliche Dreiviertel-Mehrheit ist dennoch erneut verfehlt worden.

Nach Angaben von Sitzungsteilnehmern hatte der Risum-Lindholmer Landwirt Hinrich Matthiesen (52) zunächst die Frage gestellt, ob man sich hier nach einigen Wochen wieder treffen werde, wenn ein Abstimmungsergebnis herauskomme, dass nicht gefällt. Kritik übten Vertreter demnach auch am Tempo, mit dem die Fusion in die zweite Runde gegangen war - kaum zwei Monate nach der Bredstedter Versammlung. Während der Diskussion vor dem Urnengang gab es von Vertretern in der Niebüller Stadthalle vor allem Kritik am Plan, den juristischen Sitz der verschmolzenen Bank nach Schleswig zu verlegen - und daran, dass die VR-Bank Flensburg-Schleswig formal das aufnehmende Institut sein soll. "Würden Sie einer Fusion zustimmen, wenn Niebüll die übernehmende Bank wäre", fragte Gunnar Kaletzke (41), Elektroniker aus Leck, den anwesenden Schleswiger Vorstand Michael Möller.

Der Niebüller Vorstandssprecher Klaus Sievers erklärte gestern in einer ersten Reaktion: "Die Fusionsbemühungen sind vorerst vom Tisch." Eine Diskussion über das Quorum der Dreiviertel-Mehrheit wollte er indes nicht führen. Sicher könne man sich theoretisch eine eigene Satzung geben, die von der 75-Prozent-Zustimmung abweicht: "Wir haben die Mustersatzung des Genossenschaftsverbandes, und wir wollen diese Dreiviertel-Mehrheit", sagte Sievers. Was am Dienstagabend in Niebüll den Ausschlag für das Verfehlen der notwendigen Mehrheit gegeben hatte, vermochte Sievers gestern nicht zu sagen.

Die VR-Bank Flensburg-Schleswig wollte die Situation nach dem zweiten vergeblichen Fusionsversuch mit der Niebüller Schwesterbank gestern Abend mit ihren Vertretern im Schleswiger Waldschlößchen beraten. Deren Bankvorstand Michael Möller wollte sich vor dieser Versammlung gestern nicht zum Votum der Niebüller Genossen äußern.

Die VR-Banken Niebüll und Flensburg-Schleswig planen bereits seit vergangenem Jahr den Zusammenschluss zur größten Genossenschaftsbank in Schleswig-Holstein - mit 1,4 Milliarden Euro Bilanzsumme, 540 Mitarbeitern, rund 29 000 Kunden, 28 Geschäftsstellen und einem Kreditvolumen von einer Milliarde Euro.
Standpunkt
Unterschätzt
von Carlo Jolly
Es sieht so aus, dass die VR-Bank-Vorstände die Stimmung an der nordfriesischen Basis falsch eingeschätzt haben. Wie sonst ist es zu erklären, dass ein Zusammenschluss, der praktisch in jeder Hinsicht Sinn ergibt, zum zweiten Mal binnen zwei Monaten scheitert? Als starker ländlicher Partner für die Finanzierung ehrgeiziger Projekte etwa auf dem Sektor der erneuerbaren Energien, als langfristiger Garant der genossenschaftlichen Präsenz in der Fläche mit 28 Standorten von der Nord- bis zur Ostsee und nicht zuletzt als Gegengewicht zur Nospa.
Mit dem Abschied vom alten Institut scheint manch ein Vertreter um ein Stück Heimat zu fürchten: Ob die juristische Frage des Sitzes oder die technische, wer auf wen fusioniert wird: Es ist das Emotionale und Symbolische, an dem diese Fusion zweimal gescheitert ist. Die Nordfriesen müssen ihre Vertreter überzeugen, dass der Zusammenschluss Vorteile für alle hat – für Kunden und Mitarbeiter. Eile hilft da nicht.

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