Demo vor Landeshaus : Vorwurf der „Kuschelpädagogik“: Grundschullehrer machen gegen Karin Prien mobil

Berd sChauer (GEW): Der Begriff „Kuschelpädagogik“ sei falsch, weil er impliziere, dass die Lehrer nicht auf Leistung achten würden.
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Berd Schauer (GEW): Der Begriff „Kuschelpädagogik“ sei falsch, weil er impliziere, dass die Lehrer nicht auf Leistung achten würden.

Grundschullehrer fordern mehr Dialog mit der Bildungsministerin – und bessere Bezahlung.

Kay Müller von
30. Januar 2018, 20:23 Uhr

Kiel | Es wird kein Massenauflauf sein, der sich da am Mittwoch vor dem Landeshaus zu einer Protestkundgebung gegen Bildungsministerin Karin Prien (CDU) bilden wird. „Die meisten Kollegen haben genug zu tun, wir sind die Stellvertreter für eine ganze Reihe von Grundschullehrern, die sich von der Ministerin vor den Kopf gestoßen fühlen“, sagt der Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Bernd Schauer.

Es geht vor allem um die Aussage der Ministerin in einem Interview mit shz.de, in dem sie in Bezug auf die Grundschulen in Frage gestellt hat, ob die „Kuschelpädagogik der vergangenen Jahrzehnte“ immer richtig gewesen sei. Deswegen wollen die Lehrer vor dem Landtag einen symbolischen „Friedhof der Kuscheltiere“ aufbauen. Damit will die GEW auch dagegen protestieren, dass auf dem Bildungsforum, das am Nachmittag im Landeshaus zum Thema Grundschulbildung stattfindet keiner ihrer Vertreter auf dem Podium sitzt, sondern Forscher, Schriftsteller und Elternvertreter. „Man will offenbar nicht so gern mit uns reden, weil man Angst hat, dass da jemand dem Ministerium vom Podium aus in die Suppe spuckt“, sagt Schauer.

Karin Prien (52, CDU) stellt die Frage in den Raum, „ob die ‚Kuschelpädagogik‘ der vergangenen Jahrzehnte immer richtig war“.
Foto: Michael Staudt
Karin Prien (52, CDU) stellt die Frage in den Raum, „ob die ‚Kuschelpädagogik‘ der vergangenen Jahrzehnte immer richtig war“.
 

Es gebe „erhebliche Unruhe“ unter den Grundschullehrern, viele seien genervt und fühlten ihre Arbeit durch diese Vorfälle abgewertet, so Schauer weiter. Der Begriff „Kuschelpädagogik“ sei falsch, weil er impliziere, dass die Lehrer nicht auf Leistung achten würden. „Das tun wir aber, wollen aber auch auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler Rücksicht nehmen“, so Schauer. Und so schlecht könne der pädagogische Ansatz ja nicht sein, das belege schon das gute Abschneiden schleswig-holsteinischer Viertklässler in einer gerade veröffentlichten Bildungsstudie.

Karin Priens Sprecher Thomas Schunck sieht hinter dem ganzen „ein großes Missverständnis“. Selbstverständlich stehe die Ministerin für einen Dialog zur Verfügung. Leider habe die GEW persönliche Einladungen an einzelne Mitglieder zum ersten Forum einem breiten Kreis weitergeleitet, „obwohl die Auftaktveranstaltung als Einladungsveranstaltung für etwa 130 Experten angelegt war. Wir haben vor diesem Hintergrund die Zusagen bis auf das platzmäßig Äußerste ausgedehnt, so dass jetzt 150 Menschen teilnehmen werden. Die Veranstaltung am Mittwoch sei Auftakt zu einer Reihe von ähnlichen Terminen des Bildungsforums, zu der auch die Meinung der Lehrer gefragt seien. „Wir sehen die Grundschulen als ein gewichtiges Thema für die gesamte Legislatur an. Wir reden von der Grundschule 2030.“ Von „atmosphärischen Störungen“ hat Schunck nichts bemerkt.

Die GEW schon. Sie hat noch einen Kritikpunkt. Schon länger fordert die Gewerkschaft unter der Parole „A13 für alle“ die gleiche Entlohnung aller Lehrer – egal an welcher Schule sie unterrichten. „Die Regierung muss endlich handeln, zumal mit der FDP und der CDU zwei Parteien dafür sind“, sagt Schauer.

Schunck verweist darauf, dass der Norden hier keine Vorreiterrolle übernehmen könne, da Schleswig-Holstein als Nehmerland aus dem Finanzausgleich eine schwierige Position habe, dass die GEW aber bei Karin Prien Gehör finden werde. „Grundsätzlich ist die Ministerin sehr offen gegenüber dieser Forderung.“

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