zur Navigation springen

Benzinpreise in SH : Vor Ostern: Abzocke an der Zapfsäule

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schon kurz vor Beginn der Ferien sind die Preise für Benzin und Diesel in den meisten Bundesländern spürbar gestiegen.

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2017 | 17:07 Uhr

Berlin | Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt will zumindest der Verstopfungsgefahr auf den Autobahnen vorbeugen, pocht vor der Reisewelle auf Anti-Stau-Maßnahmen und schickte einen Brief an die Länder: „Wir wollen, dass die Bürgerinnen und Bürger möglichst staufrei in die Oster- und Pfingstfeiertage starten können“, sagte der CSU-Politiker im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. In seinem Brief mahnte er an, „Baustellen nur im unbedingt notwendigen Umfang“ einzurichten und an Umleitungsstellen ganz auf Straßenbauarbeiten zu verzichten.

Zudem drängt Dobrindt die Länder, Schwertransporte von Gründonnerstag bis Dienstag nach Ostern möglichst nur in der Nacht fahren zu lassen und das Lkw-Fahrverbot an den Feiertagen besonders streng zu kontrollieren. „Bei dichtem Verkehr sollten auch, wo es geht, die Seitenstreifen auf Autobahnen freigegeben werden“, regt der Minister an.

Ob es helfen wird? Der ADAC ist skeptisch. „Urlauber und Ausflügler werden auch im diesjährigen Osterreiseverkehr viel Geduld und Verständnis aufbringen müssen“, sagte ein Sprecher des Automobilclubs auf Nachfrage. Im vergangenen Jahr gab es um Ostern herum 2300 Staus mit einer Gesamtlänge von 5300 Kilometern. Und die Zahl der Baustellen stieg gegenüber 2016 um zehn Prozent auf 387. Alarmstufe Rot gilt für den Gründonnerstag, der auch dieses Jahr wieder zu den staureichsten Tagen des Jahres gehören werde.

Zusätzlichen Ärger zur verplemperten Zeit bereiten die höheren Spritpreise. Schon in der Vorosterwoche ist ein Liter Super E10 um 2,3 Cent teurer geworden und kostet im Tagesmittel 1,351 Euro, teilte der ADAC mit. Diesel hat sich im Schnitt um 1,3 Cent auf 1,158 Euro verteuert. Zwar hängt das auch mit dem Anstieg der Rohölpreise zusammen, doch offenbar nicht nur.

„Das Bundeskartellamt hat in einer Untersuchung vor einigen Jahren schon festgestellt, dass es an Ostern zu erstaunlichen Preiserhöhungen kommt, die weder auf eine erhöhte Nachfrage noch auf gestiegene Rohölpreise zurückzuführen sind“, sagte Peter Ramsauer (CSU), Vorsitzender des Bundestags-Wirtschaftsausschusses, im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion.

Karin Binder, verbraucherpolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, kritisierte: „Die Mineralölwirtschaft legt den Verbrauchern auch dieses Jahr wieder ein faules Ei ins Nest.“ Die hohen Spritpreise pünktlich zum Osterfest „sind reine Abzocke. Das hat nichts mit Marktwirtschaft zu tun und muss durch ein starkes Kartellrecht untersagt werden“, sagte sie im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion.

Unionsfraktionsvize Michael Fuchs (CDU) mahnte hingegen zu Gelassenheit. „Historisch befinden wir uns heute auf einem sehr niedrigen Niveau“, sagte er mit Blick auf die Zapfsäulenpreise. Gefährlicher als der internationale Ölmarkt seien „Phantasien mancher roter und grüner Politiker in Deutschland, die Mineralölsteuer drastisch anzuheben, um die Menschen zur Elektromobilität zu zwingen“.

Für Frust sorgen auch die ständigen Schwankungen der Spritpreise im Tagesverlauf. Sie könne die Verärgerung der Menschen darüber gut verstehen, sagte die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Kirsten Lühmann, im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. „Nichtsdestotrotz ist dies Teil des freien Wettbewerbs.“

Die Politik habe bereits für Transparenz gesorgt, indem alle Tankstellen in Echtzeit die jeweiligen Preisänderungen melden müssten. CSU-Mann Ramsauer wirft hingegen den Tankstellenbetreibern vor, die Transparenzregeln zu missbrauchen, „um eine faktische Aushebelung des Wettbewerbs zu erzeugen“. Helfen könne den Verbrauchern nur der ständige Preisvergleich etwa über Handy-Apps.

Laut ADAC sind Benzin und Diesel in den späten Nachmittagsstunden und am Abend am günstigsten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen