Schnee und Glätte in SH : Von Kiel nach Flensburg: Das Leiden einer Pendlerin

Wintereinbruch in SH – die einen kriechen über die Straßen, die anderen liegen im Graben.
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Wintereinbruch in SH – die einen kriechen über die Straßen, die anderen liegen im Graben.

Der Winter ist zurück und legt am Donnerstagmorgen den Verkehr in Schleswig-Holstein lahm. Eine Redakteurin kämpft sich durch das halbe Land zur Arbeit. Ein Erlebnisbericht.

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29. Januar 2015, 12:03 Uhr

Wenn lange Zeit auf der linken Spur einer deutschen Autobahn kein Fahrzeug fährt weiß ich, dass irgendetwas gar nicht gut ist. Am Donnerstagmorgen war die Ursache eindeutig: Schnee, Glätte, Graupel und Gewitter in Schleswig-Holstein legten im ganzen Land den Verkehr lahm. Die Folge: Staus, Verspätungen und Unfälle.

Ich war vorgewarnt. Mittwochabend im Radio kam bereits die Durchsage: In der Nacht zu Donnerstag Regen, Schneeregen und Temperaturen um die null Grad. Bei einer Pendlerin, die fünf Mal die Woche aus der Mitte Schleswig-Holsteins nach Flensburg zur Arbeit fährt, schrillten da die Alarmglocken. Also, früher aufstehen, früher losfahren.

Mir war klar, dass ich etwas länger brauchen würde als sonst. Normalerweise bin ich 45 bis 60 Minuten unterwegs. Heute waren es 140.

Ein Blick aus dem Fenster am Morgen ließ schon Böses ahnen. Und die Verkehrsmeldungen im Radio bestätigten leider meine Vermutungen. 21 Kilometer Stau Richtung Kiel war die schlimmste Meldung. Die Autofahrer, die im Stau stehen, tun mir leid. Man weiß ja wie es ist, man fühlt mit. Aber, ich muss zugeben, ein bisschen freut man sich auch, weil man selber nicht drin steht.

Schon auf der Auffahrt auf die A7 Richtung Rader Hochbrücke muss ich mir eingestehen: zu früh gefreut. Stillstand, dank dichtem Schneetreiben wenig Sicht. Die roten Bremslichter ziehen sich wie eine Schlange über die Straße. Im Verkehrsfunk gibt es keine Meldung für meinen Stau.

„Gott sei Dank war ich noch tanken“, denk ich mir. Im Gewitter und dichtem Schnee mit leerem Tank auf der Autobahn stranden - es gibt Witzigeres.

Ganz langsam geht es voran. Das Einfädeln auf die Autobahn ist schwer. Die rechte Spur komplett dicht, aber aus Kiel und Rendsburg drängen immer mehr Autos auf die A7. Zehn Minuten geht gar nichts.

Über die Rader Hochbrücke geht es im Schritttempo. Vom Kanal ist nichts zu sehen. Aber wenigstens ist die Sicht auf der Fahrbahn einigermaßen.

Überlegungen, hinter der Ratsstätte „Hüttener Berge“ auf die linke Spur zu wechseln, verwerfe ich ganz schnell, nachdem ich drei Mal gut ins Rutschen komme und Mühe habe, den Wagen in der Spur zu halten. Ich bleibe mit 50 Kilometern pro Stunde rechts.

Abstand halten auf der glatten Autobahn: Mit 50 Kilometer pro Stunde auf der rechten Spur kämpft man sich zur Arbeit.
Foto: Miriam Richter
Abstand halten auf der glatten Autobahn: Mit 50 Kilometer pro Stunde auf der rechten Spur kämpft man sich zur Arbeit.
 

Das sehen die meisten anderen Fahrer auch so. Ich bin positiv überrascht, denn fast alle passen ihre Fahrweise dem Wetter an. Nur ein Kleintransporter einer Sanitärfirma brettert mit geschätzten 110 Sachen links vorbei.

Zwischen Rendsburg und Schleswig ist es besonders schlimm. Schnee, Schneeregen und Graupel wechseln sich ab. Blitze zucken vom Himmel und stören mein Radio. Ich wusste gar nicht, dass es gleichzeitig gewittern und schneien kann. Die beiden Schleswiger Abfahrten sind dicht. Lastwagen sollen in die Gräben gerutscht sein und die Straßen blockieren.

A propos Radio: Ich vertreibe mir die Zeit mit Musik hören. Und singe laut mit, zum Beispiel bei „I’ve had the Time of my Life“. Die habe ich zwar gerade nicht, aber man freut sich ja auch über die kleinen Dinge im Leben.

Ab Tarp wird das Fahren einfacher. Die kleine Draufgängerin in mir kommt durch und ich fahre mutige 80 – auf der rechten Spur.

Nach einer gefühlten Ewigkeit komme ich in Flensburg an. Viel zu spät, aber gesund. In der Redaktion erfahre ich: Meine Kollegin, die ab 12 Uhr die Spätschicht betreut, kommt auch zu spät. Ich freue mich schon auf die Rückfahrt. Da werde ich schon einmal das Radio einschalten und den Wetterbericht für morgen hören.

In Schleswig-Holstein schneit es weiter. Fahren Sie vorsichtig! Aktuelle Verkehrsinformationen finden Sie unter shz.de/verkehr.

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