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Unesco-Weltkulturerbe : Von Helgoland nach Kiel: Drei Börteboote auf Mission

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Die Helgoländer wollen ihre Börteboote zum Weltkulturerbe machen. Den Antrag dafür überbringen sie persönlich.

shz.de von
erstellt am 05.Apr.2017 | 16:06 Uhr

 

Helgoland | Die traditionsreichen Börteboote, die praktisch jeder Helgolandtourist kennt, haben es nicht leicht. Das Ausbooten gilt nicht mehr als zeitgemäß. Um mehr Touristen anzulocken und das Übersetzen an Land barrierefrei zu gestalten, sollen neue Anlegemöglichkeiten entstehen. Das könnte das Ende für die Börteboote bedeuten.

Wer nach Helgoland fährt, kommt meist mit einem Schiff. Kurz vor dem Hafen müssen die Leute jedoch auf dem Wasser in die kleineren Börteboote umsteigen. Diese bringen, die Besucher dann an Land. Das Ganze wird Ausbooten oder Börte genannt. Dabei muss sich jeder an die Luke des Schiffes stellen. Kräftige Seeleute greifen ihm dann unter die Arme und heben ihn mit Schwung ins Börteboot. Der Grund für das Ausbooten: Im Sommer fahren viele Ausflugsdampfer nach Helgoland. Sie können nicht alle in dem kleinen Hafen anlegen.

Obwohl die Börte-Kapitäne selbst nicht so recht daran glaubten, dass diese Entwicklung aufzuhalten und die Tradition damit zu retten wäre, entstand im November das Vorhaben, das Ausbooten als immaterielles deutsches Kulturerbe schützen lassen. Damit erhoffen sich die Helgoländer das Kulturgut „Börte“ als ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal Helgolands auf Dauer zu erhalten. So sollen auch in Zukunft möglichst Traditionsfahrten mit dem Ausbooten der Bäderschiffe angeboten werden können.

Jetzt ist es so weit den Antrag zur Aufnahme der Dampferbörte in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes („Unesco-Weltkulturerbe“) beim Land Schleswig-Holstein einzureichen. Dafür hat sich der Helgoländer Anladedienst etwas Besonderes ausgedacht. Am Mittwoch machte sich eine zehnköpfige Delegation mit den drei Börtebooten „Claudia“, „Rasmus“ und „Boot Nr. 1“ auf den Weg nach Kiel.

Von Helgoland ging es am Mittwoch bereits um vier Uhr los. „Da wir so früh am Morgen gestartet sind, war es zu Beginn noch dunkel, kalt und nebelig. Aber sonst war die See ruhig und ohne Wellen", erzählt Stefan Pfeifer, der zur Besatzung gehört. Angst braucht man auf den Holzbooten auf offener See nicht zu haben: „Wir sind das gewohnt. Die Boote sind hochseetauglich und gerade außerhalb der Saison, im Winter und Frühjahr, sind wir zum Beispiel für die Fischerei mit ihnen draußen“.

<p>Unterwegs bei Nacht und Nebel.</p>

Unterwegs bei Nacht und Nebel.

Foto: Gemeinde Helgoland/Stefan Pfeifer

Für den Helgoländer Tourismusdirektor Klaus Furtmeier ist das Fahren auf den Börte-Booten dennoch ein besonderes Erlebnis: „Auf den Booten kann man ganz bei sich sein und hat Zeit zum Nachdenken. Das ist schon etwas anderes“. Auch er sagt, dass man keine Angst haben sollte: „Die drei Boote fahren immer in einem Pulk und passen gegenseitig aufeinander auf.“

<p>„Rasmus“ vor einem Frachter.</p>

„Rasmus“ vor einem Frachter.

Foto: Gemeinde Helgoland/Stefan Pfeifer

So kam die achtköpfige Besatzung, die aus einer Frau und sieben Männern besteht, nach ungefähr sieben Stunden Fahrtzeit gegen Mittag in Freiburg (Elbe) an. Hier werden sie die erste Nacht in einem Hotel verbringen, bevor es am Donnerstag auf dem Nord-Ostsee-Kanal in Begleitung weiterer Boote aus Freiburg weitergeht und nach ungefähr weiteren sieben Stunden der Museumshafen in Kiel erreicht wird.

<p>Bei der Ankunft in Freiburg (Elbe).</p>

Bei der Ankunft in Freiburg (Elbe).

Foto: Gemeinde Helgoland/Stefan Pfeifer

Am Freitag wird der Antrag dann um zwölf Uhr mittags dem Ministerpräsidenten Torsten Albig sowie Anke Spoorendonk (Ministerin für Justiz, Kultur und Europa) persönlich überreicht. Dafür fahren die Helgoländer mit den Booten direkt vor den Landtag, wo Albig über den Steg den Antrag entgegen nehmen wird.

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