Job-Abbau bei Senvion : Vom Winde verweht: Der Energiewende fehlt das Wirtschaftsmodell

<p>Rotoren-Hersteller Senvion schließt sein Werk in Husum.</p>

Rotoren-Hersteller Senvion schließt sein Werk in Husum.

SH feiert sich selbst als Vorreiter der Energiewende. Doch die Jobs entstehen anderswo, kommentiert Till H. Lorenz.

Till Lorenz ist Mitglied der Wirtschaftsredaktion. von
13. März 2017, 20:19 Uhr

Kiel/Husum | Einer der Begriffe, der immer wieder beim Thema Öko-Strom-Produktion fällt, lautet Nachhaltigkeit. Die ganze Idee der Energiewende baut auf diesem Begriff auf. Doch mit einem nachhaltigen Wirtschaftsmodell wurde die Energiewende in Schleswig-Holstein niemals hinterlegt. Die Wahrheit ist: Schleswig-Holstein zelebriert sich selbst seit Jahren als Vorreiter der Energiewende – doch Arbeitsplätze und Produktionsanlagen entstanden in all der Zeit vorrangig in anderen Teilen der Republik. Das wird nach der Hiobsbotschaft von Senvion am Montag, das Werk in Husum zu schließen, wieder deutlich.

Die Kieler Politik muss sich die Frage gefallen lassen, wie es sein kann, dass Schleswig-Holstein als Energiewende-Land und Vorreiter in Sachen Ökostrom und Windkraft beworben wird, wenn doch kein einziger der großen Anlagenbauer in Schleswig-Holstein seinen Sitz hat. Die Wurzeln von Senvion liegen fast ausnahmslos in Schleswig-Holstein, doch heute befindet sich der Hauptsitz in Hamburg, und der Mutterkonzern ist inzwischen eine luxemburgische Holding. Und so meerumschlungen der Norden auch ist, zum zentralen Standort für den Offshore-Ausbau hat er es dennoch nicht gebracht. Wundert es da wirklich, dass die internationale Windmesse inzwischen alle zwei Jahre in Hamburg veranstaltet wird und nicht in Schleswig-Holstein? Obwohl sich in Hamburg nur etwa 50 Anlagen drehen – in Schleswig-Holstein hingegen mehr als 3500?

Mit neuen Projekten will Schleswig-Holstein ausgehend von der bisherigen Energiewende neue industrielle Wertschöpfungsketten im Lande entstehen lassen – und damit Arbeitsplätze. Genau diese hat die Windkraftbranche im Norden bitter nötig. Denn jede Industrie ist darauf angewiesen, dass sie auf die Akzeptanz bei den Bürgern vor Ort trifft. Und das ist am ehesten der Fall, wenn diese Industrie Jobs schafft. Bis es soweit ist, bleibt der breiten Masse im Land nur der Blick auf verspargelte Landschaften und eine Stromrechnung, die höher ausfällt als in anderen Teilen der Republik.

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