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600 Silbermünzen aus Lübeck : Vom Münzschatz bis zur Moorleiche: Wichtige archäologische Funde in SH

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In Lübeck haben Altertumsexperten 600 Silbermünzen aus dem 16. Jahrhundert entdeckt. Das ist nur einer von wichtigen archäologischen Funden in SH. shz.de mit einer Auswahl.

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erstellt am 29.Jun.2015 | 18:13 Uhr

Bei einer archäologischen Grabung auf einem Privatgrundstück in Lübeck haben Altertumsexperten einen kleinen Münzschatz entdeckt. Die rund 600 Silbermünzen aus dem 16. Jahrhundert stünden an zweiter Stelle hinter dem Großen Lübecker Münzschatz, der 1984 bei den Bauarbeiten für die neue Lübecker Musikhochschule an der Obertrave entdeckt wurde, sagte der Leiter des Bereichs Archäologie und Denkmalpflege, Manfred Gläser. Die Münzen sollen einem Numismatiker zur Bewertung übergeben werden. Ob sie der Öffentlichkeit gezeigt werden, ist noch unklar. Dies ist nicht der einzige spektakuläre archäologische Fund in Schleswig-Holstein. shz.de mit einer Auswahl.

Moorleiche von Windeby

Um die Windebyer Moorleichen ranken sich viele Geschichten. Doch das Mädchen war wohl ein Junge, die Augenbinde könnte eine Mütze gewesen sein.
Um die Windebyer Moorleichen ranken sich viele Geschichten. Doch das Mädchen war wohl ein Junge, die Augenbinde könnte eine Mütze gewesen sein. Foto: dpa
 

1952 fanden Torf-Stecher in der Nähe des Gutes Windeby bei Eckernförde eine Moorleiche. Kurz danach wurde eine weitere Leiche in der Nähe gefunden. Lange Zeit nahm man an, dass es sich dabei um ein Paar handelte, das wegen einer Beziehung aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen und womöglich ermordet worden sei. Doch neuere Untersuchungen ergaben: Bei der einen Leiche handelte es sich nicht wie lange Zeit angenommen um ein Mädchen, sondern vermutlich um einen Jungen.

Die beiden Moorleichen sind im Archäologischen Landesmuseum Schloss Gottorf zu sehen.

Danewerk

Die Waldemarsmauer – ein wichtiger Teil des Flächendenkmals Danewerk.
Die Waldemarsmauer – ein wichtiger Teil des Flächendenkmals Danewerk. Foto: H. Harding
 

Das Danewerk ist ein 30 Kilometer langer Verteidigungswall, der die Grenze des dänischen Reiches befestigte. Er wurde zwischen 500 und 1200 zwischen der Eckernförder Bucht und Hollingstedt angelegt. Zunächst diente das Bauwerk als Schutz vor den Franken zur Zeit Karls des Großen. 1864 im Deutsch-Dänischen Krieg diente es den dänischen Streitkräften zunächst als Stellung, ehe sie sich nach Düppel zurückzogen.

Das Danewerk ist das größte archäologische Bodendenkmal in Nordeuropa und nach wie vor eine wichtige Ausgrabungsstätte.

Nach vier Jahren Grabungszeit standen 2014 archäologischen Untersuchungen am frühmittelalterlichen Befestigungswall vor dem Abschluss. Damit gehe „eine der wichtigsten Grabungen der letzten Jahre“ zu Ende, sagte Claus von Carnap-Bornheim, Leiter des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein.

Zuletzt wurden unter anderem Reste des Unterbaus einer Straße entdeckt. Dass das Holz sich so gut gehalten haben würde, „damit haben wir nicht gerechnet“, sagte die deutsche Grabungsleiterin Astrid Tummuscheit. Da die Straße vor der Toröffnung im Wall um das Jahr 1200 gebaut wurde, sei das Tor länger in Benutzung gewesen als bislang angenommen. „Das verändert das Bild, das wir uns die ganze Zeit gemacht haben - verändert das einigermaßen radikal.“

Die Forscher präsentierten die jüngsten Funde der von deutschen und dänischen Wissenschaftlern durchgeführten und insgesamt rund 800.000 Euro teuren Grabungen. Zu den Funden gehören gut erhaltene Holz-Spaten, darunter ein mindestens 800 Jahre altes Exemplar.

Schleswig-Holstein hat einen Antrag gestellt, damit das Danewerk in die Liste der Unesco-Welterbestätten aufgenommen wird.

Haithabu

Rekonstruierte Wikingerhäuser in Haithabu.
Rekonstruierte Wikingerhäuser in Haithabu. Foto: imago/imagebroker
 

Die Wikingerstadt Haithabu war vom 9. bis 11. Jahrhundert eines der bedeutendsten Handelszentren Nordeuropas. Wann und von wem die Stadt gegründet wurde, ist nicht mit Sicherheit bekannt. Vermutlich waren es friesische Kaufleute im 8. Jahrhundert. Schnell stieg Haithabu in seiner Bedeutung – schließlich kreuzten sich dort die wichtigsten Handelsrouten. Im 11. Jahrhundert verlor Haithabu seine wichtige Bedeutung an Schleswig. Heute ist Haithabu ein Ort, an dem die Geschichte lebendig wird. Auf Nachbauten historischer Schiffe können Interessierte mitsegeln.

Ebenso wie das Danewerk soll Haithabu nach dem Willen Schleswig-Holsteins zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt werden. Doch dazu muss erst einmal der Antrag nachgebessert werden. Mit einer Entscheidung ist im nächsten Jahr zu rechnen.

Unterwasserarchäologie

Ausgrabungsarbeiten am steinzeitlichen Fundplatz in Stohl, sechs meter unter der Wasseroberfläche.
Ausgrabungsarbeiten am steinzeitlichen Fundplatz in Stohl, sechs Meter unter der Wasseroberfläche. Foto: Florian Huber
 

Im Land zwischen den Meeren spielt die Unterwasserarchäologie eine besondere Rolle. Immer wieder erweist sich der Meeresgrund als wahre Schatztruhe für Archäologen. 2012 fanden Forscher bei Stohl in sechs Metern Tiefe Menschenknochen – und zwar nicht irgendwelche. Es sind die bisher ältesten Knochen im Land. Sie sind 7400 Jahre alt.

2008 fand ein Berufstaucher in der Nähe des Bülker Leuchtturms das Wrack des Kriegsschiffes der 1715 gesunkenen „Prinzessin Hedvig Sofia“ – die Erklärung dafür, dass seit 1970 immer wieder Kanonenkugeln und Geschütze entdeckt wurden.

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