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Teure Erziehungshilfe : Viele Eltern in SH sind überfordert

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Die Ausgaben für Heimplätze, Pflegefamilien und sozialpädagogische Betreuung sind immens hoch. In Schleswig-Holstein steigen die Kosten für Erziehungshilfe innerhalb von nur fünf Jahren um 38 Prozent.

shz.de von
erstellt am 13.12.2013 | 06:40 Uhr

Kiel | Der Staat springt immer öfter ein, damit Kinder und Jugendliche in geordneten Verhältnissen aufwachsen können. Folge: Die Kreise und kreisfreien Städte müssen immer mehr Geld für Erziehungshilfe aufbringen. Die Kosten sind in Schleswig-Holstein innerhalb von nur fünf Jahren um 38 Prozent gestiegen. Schlugen sie 2007 noch mit knapp 200 Millionen Euro zu Buche, waren es 2012 bereits 273 Millionen Euro, so das Statistikamt Nord.

Besonders hohe Ausgaben verursacht die Unterbringung in Heimen oder anderen betreuten Wohnformen. Hier kletterten die Kosten von 70 auf 93 Millionen Euro. Der Betrag für die Unterbringung in Pflegefamilien stieg von 35,8 auf 46,4 Millionen Euro. Deutlich häufiger schicken die Jugendämter Experten stundenweise zu überlasteten Eltern: Für sozialpädagogische Familienhelfer berappten die Kommunen 2007 noch 15 Millionen, 2012 waren es bereits 22,9 Millionen Euro. Vorläufige Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen zogen 2012 einen Aufwand von 8,6 Millionen nach sich. Fünf Jahre zuvor waren es 5,4 Millionen Euro.

Die Kreise betrachten die Entwicklung mit Sorge. Zwar seien sie aus Gründen des Kindeswohls zur Hilfe verpflichtet und auch bemüht, durch frühe Hilfe noch höhere Folgekosten zu vermeiden, erklärt der Vorsitzende des Landkreistags, Ostholsteins Landrat Reinhard Sager. Grundsätzlich meint er jedoch: „Es kann nicht angehen, dass es einen ungebremsten Anstieg von Ausgaben für Erziehungsleistungen gibt, die auch anders geleistet werden könnten – etwa von intakten Familien.“ Es gehe um „gewaltige Kostenblöcke“. Die erzieherischen Hilfen seien eine wesentliche Ursache für die überbordenden Sozialausgaben und damit die Verschuldung der Kreise.

Die Vorsitzende des Kinderschutzbundes, Irene Johns, zieht aus den Zahlen den Schluss, „dass Eltern sehr stark gefordert, zum Teil überfordert“ sind. Armut, sich auflösende Familienverbände, mehr Flexibilität im Beruf oder die Herausforderung, den Nachwuchs vor Spielsucht oder Komasaufen zu bewahren – das alles verlange Erziehungsberechtigten vieles ab. Dennoch gewinnt Johns den Mehrausgaben auch etwas Positives ab: „Darin bildet sich zu einem guten Stück eine Stärkung des Kinderschutzes ab.“ Heute werde konsequenter hingeschaut, wenn eine Gefährdung des Kindeswohls drohe. Die Kinderschutzgesetze sehen seit 2008 standardisierte Verfahren unter Beteiligung von Fachkräften vor. Sozialministeriumssprecher Christian Kohl bestätigt einen steigenden Bedarf an Hilfen zur Erziehung und nennt als Begründung ebenfalls eine „höhere Sensibilität“ beim Kindeswohl. Dazu hätten auch Medienberichte über Kindes-Dramen beigetragen.

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