zur Navigation springen

Lübecker Bucht und Wismarer Bucht : Video: Delfine in der Ostsee gesichtet

vom

Seltener Besuch: Zwei Delfine schwimmen in der Ostsee. Fischkontrolleure filmen das Naturschauspiel. Die Überlebenschancen bezeichnen Meeresbiologen als „gut“.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2015 | 12:32 Uhr

Wismar | Zwei Delfine haben sich in die Ostsee verirrt. Vor der deutschen Küste sorgen sie für ein ungewöhnliches Naturschauspiel. Fischereikontrolleure hatten am Dienstag bei Wismar die Meeressäuger auf einer Kontrollfahrt in der Wismarer Bucht gesehen und gefilmt. „Die beiden Tiere haben uns begleitet, schwammen unter dem Boot durch und sprangen aus dem Wasser“, sagte Christian Schmiedeberg, einer der Kontrolleure, am Freitag.

Delfine in der Ostsee sind ein seltenes Naturschauspiel. Die großen Tümmler sind eigentlich in allen kalten und tropischen Meeren beheimatet. Denkbar ist, dass die Tiere über das Skagerrak und das Kattegat in die Ostsee gelangt sind.

Zuvor hatte die „Ostsee-Zeitung“ über die Sichtung der Tiere berichtet. Die Aufnahmen der Meeressäuger gingen an das Deutsche Meeresmuseum, wo Experten die Tiere als „Große Tümmler“ identifizierten. Große Tümmler, die eine Größe von zwei bis vier Meter erreichen können, gehören wie andere Delfinarten zu den Zahnwalen.

Die Delfine waren zuvor auch in der Lübecker Bucht bei Scharbeutz und Neustadt gesichtet worden. Die Lübecker Nachrichten haben ein Leservideo veröffentlicht, indem die Delfine vor Scharbeutz zu sehen sind.

„Die Tiere sind als Irrgast in die Ostsee gelangt“, sagte der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Harald Benke. Möglicherweise handele es sich sogar um die Tiere, die im Juni bei Fehmarn gesehen worden waren, wie Benke sagte. Das Geschlecht der Tiere konnten die Forscher nicht identifizieren.

„Der natürliche Lebensraum der Großen Tümmler sind die Nordsee und der Atlantik.“ Auf der Jagd nach Nahrung dringen sie gelegentlich in die Ostsee vor. Während vor der dänischen Ostseeküste häufiger Tümmler beobachtet würden, seien vor der deutschen Ostseeküste bislang nur fünf Beobachtungen beschrieben worden, sagte Benke. Ganz selten schwämmen die Tiere bis in den baltischen Raum vor Finnland oder Lettland.

Die erste Beobachtung in der deutschen Ostsee ist demnach für den 6. Mai 1842 vor Stralsund verzeichnet. Zehn Jahre später verirrte sich gar eine „Schule“ - also eine Gruppe - in den Greifswalder Bodden. Weitere Beobachtungen sind 1870 vor Kiel und 1882 für Lübeck verzeichnet. Zuletzt war 2007 ein totes, in der Ostsee treibendes Tier von einem Schiff auf der Fahrt nach Eckernförde in Schlepptau genommen worden.

Die Überlebenschancen für die Tümmler bezeichnete Benke als „gut“. Die Tiere seien in der Lage, große Strecken zurückzulegen. Mit den Heringen gebe es auch genügend Nahrung für die Delfine in der Ostsee. Auch seien die Tiere kalte Temperaturen gewohnt. Schwierig sei es nur, wenn in strengen Wintern Teile der Ostsee zufrieren. „Das ist für alle Lungenatmer ein Problem“, sagte Benke.

Bei den beiden Besuchern handelt es sich möglicherweise um „friendly dolphins“, also Tiere, die die Nähe des Menschen suchen. Schon in der Antike wurden diese Tiere beschrieben. Überliefert ist die Geschichte des Lyriker Arion, der sein Leben rettete, in dem er auf einem Delfinrücken schwamm.

Zwischen September und November hatten offenbar dieselben Tiere an Schwedens Ostküste für Aufsehen gesorgt. Sie wurden dort liebevoll „Selfie“ und „Delfine“ getauft. Über Facebook organisierte sich eine Gruppe mit 1400 Mitgliedern, die ihre Beobachtungen teilten. Letzmalig wurden die Tiere dort am 27. November gesehen. Möglicherweise handele es sich sogar um die Tiere, die im Juni bei Fehmarn gesehen worden waren, wie Benke sagte.

Große Tümmler können aber auch aggressiv werden. „Von der Population der Tümmler in der schottischen Nordsee bei Moray Firth wissen wir, dass sie Schweinswale attackieren und in die Luft werfen.“ Menschen sollten deshalb auch zu den beiden Irrgästen - mögen sie noch so neugierig und aufgeweckt wirken - eine respektvollen Abstand wahren, so die Empfehlung des Meeresbiologen. 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen