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Gefährliche Bakterien und mehr : Vibrionen und Neunauge: Diese Gefahren lauern in der Ostsee

vom
Aus der Onlineredaktion

Nach dem Tod eines Schwimmers durch Vibrionen-Bakterien sind Badegäste verunsichert: Wie gefährlich ist die Ostsee und wie kann man sich schützen?

Flensburg | Ein Urlauber ist nach dem Baden in der Ostsee an einer Vibrionen-Infektion gestorben. Dies sei Ende Juli/Anfang August geschehen, sagte Anja Neutzling vom mecklenburg-vorpommerischen Landesamt für Gesundheit und Soziales am Wochenende in Rostock. Was sind das für Bakterien? Und welche Gefahren drohen noch aus der Ostsee?

Vibrionen

Vibrio vulnificus gehört zu einer Gruppe von Bakterien, den Vibrionen. Foto: Foto: Janice Carr/ Colorized by James Gathany/CDC
Vibrio vulnificus gehört zu einer Gruppe von Bakterien, den Vibrionen. Foto: Foto: Janice Carr/ Colorized by James Gathany/CDC

Mediziner nennen sie den „Fluch der Karibik“. Die vibrio vulnificus-Bakterien leben eigentlich in tropischen Gewässern. Durch die Erwärmung der Ostsee tauchen die Keime aber auch vor unseren Küsten auf – mit verheerenden Folgen: Durch kleinste Wunden, wie Abschürfungen oder Risse, dringen die Vibrionen in die Haut ein und verursachen zunächst eine Wundinfektion mit blutigen Hautblasen. Im schlimmsten Fall können Menschen sterben.

Die Gefahr besteht auch in Schleswig-Holstein, wie Birger Heinzow vom Landesamt für soziale Dienste, Abteilung Umweltbezogener Gesundheitsschutz erklärt: „Wir warnen ältere Patienten oder Immunschwache vor dem Baden in der Ostsee.“ Das Gesundheitsministerium mache außerdem die ortsansässigen Ärzte verstärkt auf die Symptome aufmerksam – beispielsweise durch Publikationen im Ärzteblatt.“ Es sei besonders wichtig, dass die Erkrankung schnell erkannt und entsprechend behandelt werde. Heinzow betont aber auch: „Vibrionen sind für gesunde Menschen harmlos.“

Blaualgen

Blaualgen können Haut und Schleimhäute reizen. Foto: Stefan Sauer
Blaualgen können Haut und Schleimhäute reizen. Foto: Stefan Sauer Foto: Stefan Sauer

Blaualgen sind eigentlich Bakterien (Cyanobakterien) und kommen natürlicherweise in der Ostsee vor. Sie vermehren sich bei längeren Schönwetterperioden massenhaft und können giftig sein. In einem Informationspapier des Gesundheitsministeriums heißt es: „Der Kontakt mit der Haut und die orale Aufnahme können zu verschiedensten Beschwerden wie zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Atemnot, Hautreizungen oder Quaddeln führen. Eine Giftwirkung kann sich steigern, wenn an mehreren Tagen hintereinander algenhaltiges Wasser geschluckt wird. Auch Hunde und andere warmblütige Tiere sind gefährdet. Das Gesundheitsministerium rät: „Wenn Sie bis zu den Knien im Wasser stehen und Ihre Füße nicht mehr erkennen können, ist das Baden vorsorglich zu unterlassen.“ Bei Kontakt mit stark algenhaltigem Wasser sollte man sich umgehend mit Seife abwaschen oder abduschen sowie die Badekleidung gut auswaschen.

Feuerquallen

Brennt fürchterlich:  Feuerqualle im flachen Ostsee-Wasser.
Berührungen mit Feuerquallen können sehr schmerzhaft sein. Foto: Staudt
 

Feuerquallen sind die gefährlichsten ihrer Art. Ihr starkes Nesselgift ist zwar nicht tödlich, kann aber zu starkem Hautausschlag, Schwindel und Erbrechen, Fieber sowie Atemnot führen. Wenn man im Wasser mit Feuerquallen in Kontakt kommt, sollte Ruhe bewahrt werden. „Sofern vorhanden, sollten die betroffenen Bereiche mit Speiseessig oder Rasierschaum behandelt werden“, rät der Naturschutzbund. Nesselfäden und Tentakeln sollten dann mit einem stumpfen Gegenstand abgeschabt oder mit Sand oder Salzwasser abgewischt werden. Auf keinen Fall mit Süßwasser oder Alkohol abwischen, da dann weitere Nesselkapseln platzen.

Petermännchen

Das Gift des Petermännchens kann allergische Reaktionen auslösen. Foto: Imago
Das Gift des Petermännchens kann allergische Reaktionen auslösen. Foto: Imago

Das Petermännchen ist der einzige Giftfisch, der in Norddeutschland vorkommt. Gelegentlich kommt es vor, dass sich Strandurlauber durch eine Berührung mit dem Fisch Vergiftungen zuziehen – meist, weil sie aus Versehen auf ein Tier treten. Die 15 bis 40 Zentimeter großen Fische zählen zur Ordnung der Stachelflosser und besitzen an der vorderen Rückenflosse mit Giftdrüsen versehene Stachel sowie einen giftigen Dorn am Kiemendeckel. Die Verletzungen sind zwar in der Regel nicht lebensgefährlich, das Gift kann aber heftige Schmerzen verursachen. Das Landesamt für Gesundheit rät: „Da es sich bei dem Gift überwiegend um hitzeempfindliche Eiweiße handelt, können diese durch eine Erhöhung der Temperatur im Einstichbereich zerstört und damit die Giftwirkungen inaktiviert werden.“ Stichverletzungen sind an den deutschen Küsten sehr selten. Das Giftinformationszentrum-Nord in Göttingen verzeichnete 20 Fälle in fünf Jahren.

Neunauge

Neunaugen werden auch
Neunaugen werden auch "Piranha der Ostsee" genannt. Foto: M. Buschmann, Schutzstation Wattenmeer
 

Als „Piranha der Ostsee“ werden die Neunaugen bezeichnet. Die bis zu 1,5 Meter langen aalartigen Fische saugen sich an ihrer Beute (meist Fische) fest und saugen das Blut ihrer Opfer. 2009 wurde in Damp auch ein Schwimmer angegriffen. "Der Fisch saugt sich an seinem Opfer fest und beißt Teile aus dem Angegriffenen heraus", so der damalige Wachleiter Wolfgang Wallmeier. Aus Expertensicht sind Neunaugen aber völlig ungefährlich. Wenn überhaupt, komme es zu Abschürfungen. Giftig ist der Fisch nicht.

Phosphor und andere Munitionsüberrste

Ein Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes kontrolliert am Strand von Niendorf an der Ostsee. Eine Spaziergängerin hatte hier Phosphorreste einer Bombe gefunden, die sie für Bernstein gehalten hatte. Foto: dpa
Ein Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes kontrolliert am Strand von Niendorf an der Ostsee. Eine Spaziergängerin hatte hier Phosphorreste einer Bombe gefunden, die sie für Bernstein gehalten hatte. Foto: dpa
 

Es sieht aus wie Bernstein, ist es aber nicht. An den Stränden Schleswig-Holsteins kann Phosphor angeschwemmt werden. Im Januar 2014 hatte ein 67-jähriger Spaziergänger bei Hohenfelde im Kreis Plön den vermeintlichen Bernstein in die Hosentasche gesteckt. Daraufhin entzündete sich seine Kleidung. Weißer Phosphor ist selbstentzündend, hochgiftig, im Meer unbegrenzt beständig und kann deshalb nicht mit Wasser gelöscht werden.

Phosphor an der Ostseeküste kann aus aus Weltkriegsmunition stammen. Auch andere verdächtige metallische Gegenstände am Strand sind laut Landeskriminalamt (LKA) mit Vorsicht genießen. Im Mai 2013 hatten Urlauber beispielsweise am Strand von Kalifornien Steine gesammelt, die tatsächlich Schießwolle waren. Das LKA warnt davor, unbekannte Gegenstände zu berühren und mitzunehmen.

Für Birger Heinzow ist die größte Gefahr beim Baden in der Ostsee allerdings eine andere: „Die meisten Opfer sind Badetote.“

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erstellt am 01.Sep.2014 | 16:23 Uhr

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