Versatel-Massenentlassungen: "Das ist einfach nur schrecklich!"

Die Entlassungen der Versatel sorgen nicht nur in der Fördestadt für besorgte Mienen. Viele der Mitarbeiter kommen aus der umgebenden Region.

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20. Februar 2011, 12:05 Uhr

Flensburg | Auch in Nordfriesland und Schleswig-Flensburg schaut man skeptisch auf die Massenentlassungen bei Versatel in Flensburg."Das ist einfach nur schrecklich", sagt Dr. Wolfgang Buschmann, Bürgermeister der Nachbargemeinde Harrislee. Es sei eine traurige Ironie: Gerade die im Grenzgebiet zahlreich vertretenen Call-Center würden eine hervorragende Infrastruktur vorhalten, um komplette Versatel-Leistungspakete kostengünstig auszulagern.
"Das betrifft uns natürlich auch", sagt Hans-Martin Slopianka, Sprecher des Kreises Nordfriesland. "Wir sehen das mit Sorge und Unruhe." Der Kreis Nordfriesland ist Kunde der Versatel - und gehört damit zu denen, die von der tief einschneidenden Umstrukturierung des Telekommunikationsdienstleisters profitieren soll: Weg vom Privatkunden, bei dem es im Flatrate-Zeitalter nichts mehr zu verdienen gibt - hin zum Geschäftskunden, der große Datenmengen bewegt.
Weg vom Privatkunden, bei dem es nichts mehr zu verdienen gibt
Da ist die Versatel gut aufgestellt. Neben Nordfriesland gehören beispielsweise der Kreis Schleswig-Flensburg und die Stadt Flensburg zum Kundenstamm. Das Kraftfahrt-Bundesamt hat einen Vertrag mit den Düsseldorfern, die Diako als größter Flensburger Arbeitgeber, die Stadtwerke und auch die schleswig-holsteinische Landesverwaltung wickeln den größten Teil ihres Datenverkehrs mit der Firma ab, die ihre im Norden so starke Position einer patenten Idee aus Flensburg verdankt: der KomTel, die 1997 als Tochter der Stadtwerke in der Region beispiellose Beliebtheitswerte erreichte. Dieses Kapital wird gerade aufgezehrt - auch wenn die politischen Einflussmöglichkeiten im Norden sehr begrenzt sind. "Wir sind an Ausschreibungsrichtlinien gebunden", sagt - einer für alle - Hans-Martin Slopianka. Es gebe lediglich minimale Spielräume, die Verpflichtung den "wirtschaftlichsten" Anbieter zu nehmen etwa, lasse eine gewisse Interpretationsmöglichkeit zu. Aber Versatel für eine Massenentlassung abzustrafen? Das wäre ein zweischneidiges Schwert. Wenigstens und immerhin seien auch nach den Entlassungen noch über 200 Menschen bei der Versatel in Lohn und Brot.
Das sagt Torsten Borchers als Sprecher des Finanzministeriums, das zur Zeit vor der Frage steht, ob es den Vertrag mit dem Düsseldorfer Unternehmen verlängert oder neu ausschreibt. Die gesamte Landesverwaltung - Polizei, Gerichte, sämtliche Behörden - telefoniert über die Versatel. Natürlich wird sich auch das Finanzministerium, das die Verträge aushandelt, an die Richtlinien halten. "Wir schauen nur auf die Wirtschaftlichkeit. Das Paket muss stimmen."
Oberbürgermeister Faber will kämpfen
Immerhin: Über das Paket muss noch gesprochen werden, ehe der lukrative Millionen-Auftrag in trockenen Tüchern ist. Freilich geht es dabei nicht um 186 verlorene Arbeitsplätze in Flensburg. Jedenfalls nicht vordergründig. Kiel ist verärgert durch die gravierenden Versatel-Störungen, die Ende letzten Jahres das Land lahm legten. Bis April muss eine Entscheidung fallen, was zu welchen Konditionen im Paket enthalten ist. Vorher aber hat Flensburgs Oberbürgermeister Simon Faber den ersten Aufschlag im Kampf um die Arbeitsplätze. Er sitzt heute um 10 Uhr mit der Geschäftsführung zu einem Gespräch zusammen.
(ho, shz)

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