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Der Reiz des Vergessenen : Verlassene Orte in Schleswig-Holstein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der 24-Jährige Sebastian Krüger aus Lübeck hat eine Facebook-Seite über sein Hobby gegründet. Ihn faszinieren verlassene Orte und leerstehende Gebäude in SH. Das finden auch knapp 16.000 Fans seiner Seite, die ihm täglich hunderte Fotos schicken.

Flensburg/Lübeck | Alte Häuser, verlassene Orte oder leerstehende Fabrikhallen: Eines haben alle diese Orte gemein - sie sind ein Stück Zeitgeschichte. Auch in Schleswig-Holstein gibt es viele, längst vergessene Orte. Sie verfallen, sind einsturzgefährdet und dennoch sind sie für den ein oder anderen ein Relikt vergangener Tage.

Seit dem 12. Mai ist das soziale Netzwerk Facebook um eine Attraktion reicher: Eine Sammelbörse für Fotografien verlassener Gebäude aus Schleswig-Holstein und über die Landesgrenzen hinaus ist entstanden. Die Idee zu der Seite hatte der 24-jährige Sebastian Krüger aus Lübeck. Der Student hätte vermutlich nicht erwartet, dass er mit seiner Seite „Verlassene Orte Schleswig-Holstein” schon nach knapp zwei Wochen mehr als 16.000 begeisterte Facebook-Fans hinter sich versammeln kann.

„Auf die Idee für dieses Portal bin ich eigentlich bei einer Zugfahrt gekommen, als ich an einem verlassenen Bahnhof vorbeigefahren bin. Da dachte ich darüber nach, wie das hier wohl früher ausgesehen hat. Ich wollte dann mehr über solche Orte in meiner Umgebung erfahren.” Mit seiner Facebook-Seite hat er wohl den Nerv der Zeit getroffen. Hunderte Nutzer schicken dieser Tage ihre Bilder an Sebastian Krüger. Der 24-Jährige stellt die Bilder dann auf seiner Seite ein. Ebenso können die Fans ihre Bilder auch direkt in der Chronik teilen. „Ich bin alleine tätig, was es manchmal ganz schön stressig gestaltet. Mit so einer Resonanz hätte ich nicht gerechnet. Das Feedback ist fast ausschließlich positiv”, gibt der Lübecker zu.  

Warum so viele Menschen seine Leidenschaft teilen, ist auch dem Studenten nicht völlig klar. Für ihn ist die Vorstellung, wie Menschen an heute verlassenen Orten früher gelebt oder gearbeitet haben, besonders interessant. „Ich stelle mir bei solchen Ruinen immer die Frage, was Menschen dort wohl früher gemacht haben oder warum das für jemanden vor Jahrzehnten der perfekte Bauplatz für ein Haus gewesen ist. Wo doch drum herum nichts ist”, sagt der 24-Jährige.

Der Student hat bereits sämtliche Bunkeranlagen rund um die Hansestadt Lübeck besucht und war schon als Zehnjähriger in Fjordbunkern in Norwegen unterwegs. „Ich habe dort alles mögliche gefunden, sogar Helme oder Reste von Schuhen.” Jeder Ort hat für ihn seine eigenen Reize. Ein verlassenes Hotel hat eine ganz andere Wirkung als eine leere Bunkeranlage. Daher gibt es für den Lübecker auch keinen Lieblingsort. „Sie alle haben einen eigenen Charme und das macht es so interessant.”

Das Dokumentieren verlassener Orte überlässt der 24-Jährige aber lieber seiner Fangemeinde auf Facebook. „Ich halte mich nicht mal für einen Hobbyfotografen. Ich halte zwar fest, was mich reizt, gehe aber nicht extra mit der Kamera vor die Tür.” Die Zeugnisse der Zeit sollen mit dem Portal festgehalten werden. Viele der Gebäude werden in Zukunft abgerissen, modernisiert oder ihrem Schicksal überlassen. Wieder andere leerstehende Gemäuer werden der Witterung nicht mehr lange standhalten - sie sind akut einsturzgefährdet.

Das Sammelsurium auf Facebook diene aber nicht dazu, einen Massentourismus von Fotografiersüchtigen zu entlegenen Orten loszutreten, sagt der Lübecker. Die Leute würden die Seite natürlich auch als Anregung für Fotolocations, Videospots, zum Entspannen, Spazierengehen oder um mal irgendetwas Neues zu sehen nutzen. Deshalb gebe es auch die Ortsangabe zu jeder der Ruinen. Der Lübecker hat jedoch einen klaren Standpunkt zu seiner Seite. „Ich bin definitiv der Meinung, dass solche Orte nicht zerstört werden sollten. Jeder dieser Orte hat seine ganz eigene Geschichte und ein ganz eigenes Leben.” Je mehr von diesen alten Plätzen zerstört werde, desto mehr werde uns auch ein Teil unserer Geschichte genommen, findet der Student.

Auf Facebook gibt es bereits ähnliche Seiten, die vergessene oder verlassene Orte in Deutschland dokumentieren und Fotos dazu sammeln. Die Frage, ob der 24-Jährige bereits weitere Seiten plant, lässt er offen. „Ideen hat man immer, aber man muss schon voll hinter der Sache stehen um etwas draus werden zu lassen. Mal sehen, was die Zukunft bringt.”

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erstellt am 23.Mai.2014 | 19:30 Uhr

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