zur Navigation springen

Unfallstatistik 2014 : Wieder mehr Verkehrstote: 121 Menschen starben auf den Straßen in SH

vom

Die Bilanz von Innenminister Studt ist ernüchternd: Erstmals kommen auf den Straßen im Land wieder mehr Menschen ums Leben.

Kiel | Schleswig-Holsteins Verkehrsunfallentwicklung liegt über dem Bundestrend. Dieses Ergebnis zeigt die Unfallstatistik für das vergangene Jahr. Auf den Straßen sind 2014 erstmals wieder mehr Menschen getötet und verletzt worden als in den Vorjahren. 121 Personen kamen im vergangenen Jahr bei Verkehrsunfällen ums Leben, 18 mehr als 2013, dem Jahr mit den wenigsten Verkehrsunfalltoten seit Einführung der Verkehrsunfallstatistik. Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr insgesamt 79.500 Unfälle im Straßenverkehr, im Vergleich zu 2013 ist das ein Zuwachs von 7,9 Prozent. Dabei wurden 16.030 Menschen verletzt, ein Plus von 6,3 Prozent.

Dass die Zahl der Unfälle um 7,9 Prozent stieg, hat mit der Zunahme der Unfälle zu tun, denen eine geringfügige Ordnungswidrigkeit zu Grunde liegt. Allein in dieser Kategorie gingen die Zahlen um 10,2 Prozent oder 5597 Fälle nach oben. Es handelt sich hierbei beispielsweise um Wildunfälle, Parkrempler oder Auffahrunfälle. Aber auch die Zahl der Leichtverletzten stieg um 5,9 Prozent, die der Schwerverletzten sogar um neun Prozent.

Innenminister Stefan Studt sprach von einer „ernüchternden Bilanz“. Leider habe sich der positive Trend der letzten Jahre nicht fortgesetzt, sagte der Minister bei der Vorstellung des Verkehrssicherheitsberichts 2014 am Montagnachmittag in Kiel. Verkehrsüberwachung und Verkehrsunfallprävention blieben weiterhin vorrangige Aufgaben der Polizei.

„Auch wenn die Zahl der Verkehrsunfälle in Schleswig-Holstein im Jahr 2014 entgegen dem Bundestrend angestiegen ist, ist dies kein Grund in Alarmgeschrei zu verfallen“, sagt Patrick Breyer, Abgeordneter der Piratenfraktion im Landtag. Eine solide Analyse der Gründe und undogmatische Lösungen seien nun gefragt.

Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren (22 Prozent), Vorfahrtsmissachtungen (21 Prozent) und nicht angepasste Geschwindigkeit (18 Prozent) sind nach wie vor die drei häufigsten Unfallursachen. Auf den Bundesautobahnen ist die nicht angepasste Geschwindigkeit mit einem Anteil von 29 Prozent weiterhin die häufigste Unfallursache.

„Ausgerechnet bei den unfallträchtigen Aggressionsdelikten wie der Raserei und riskanten Überholmanövern wird die mobile Verkehrsüberwachung auf unseren Autobahnen und Landstraßen im Personaleinsatz um 50 Prozent gekürzt. Eine aus unserer Sicht unverantwortliche Verkehrsunsicherheitspolitik dieser Landesregierung“, sagt Sylvio Arnoldi, Vorsitzender des CDU-Landesfachausschusses „Innenpolitik“. In der Verkehrsüberwachung sind im Norden 440 Beamte im Einsatz. Im Land sind gut 1,53 Millionen Pkw zugelassen, dazu 138.000 Krafträder und 100.000 Lastwagen.

Die Anzahl der Verkehrsunfälle, an denen Kinder bis unter 15 Jahren beteiligt waren, ist um 124 (10,2 Prozent) auf 1341 gestiegen. Während bei den Altersgruppen der Sechs- bis unter Zehnjährigen ein Anstieg um 15 (5,1 Prozent) und bei Zehn- bis unter Fünfzehnjährigen um 35 (4,6 Prozent) verzeichnet wurde, musste die Polizei bei den Jüngsten (bis unter 6 Jahren) einen Anstieg um 74 (45,1 Prozent) erfassen.

Auffällig ist der enorme Anstieg der bei Verkehrsunfällen verletzten Kinder bis unter 6 Jahren, die mit dem Rad unterwegs waren. Bei 18 Verkehrsunfällen fuhr das Kleinkind selbst mit dem Fahrrad. In sechs Fällen saß es in einem Kindersitz oder einem Fahrradanhänger. Völlig ungesichert saßen Kleinkinder in zwei Fällen auf dem Gepäckträger und kamen in beiden Fällen mit einem Fuß in die Speichen. Unfallverursacher war das Kleinkind in fünf Unfällen.

2014 stiegen die Verkehrsunfälle mit Fahrradfahrern von 531 (14,4 Prozent) auf 4224 an. Eine so hohe Anzahl an Verkehrsunfällen musste die Landespolizei zuletzt 2005 erfassen. Mit 4239 Verletzten (3699 leicht und 540 schwer) - in den meisten Fällen die Fahrradfahrer selbst - ist die höchste Anzahl seit 2003 zu verzeichnen. Wie im Vorjahr wurden wieder elf Fahrradfahrer bei Verkehrsunfällen getötet.

„Wir sollten alsbald die Verkehrsräume dem veränderten Mobilitätsverhalten anpassen - dabei ist der Bau unfallträchtiger kombinierter Geh- und Radwege zu vermeiden“, sagt Breyer.

Auch die Anzahl der durch Senioren verursachten Verkehrsunfälle stieg im vergangenen Jahr um 209 (7,5 Prozent) auf 2988. Dabei verletzten sich 2439 Verkehrsteilnehmer. Das sind 311 (14,6 Prozent) mehr als im Vorjahr. Die Anzahl der dabei Getöteten erhöhte sich um zehn auf 34 Verkehrsteilnehmer. Darunter waren 14 Personen, die den Unfall selbst verursachten, drei weitere Mitfahrer beim Verursacher und drei Getötete waren Unfallgegner. Insgesamt wurden 20 Senioren bei diesen Unfällen getötet. Senioren verursachten 15,7 Prozent der aufgenommenen Verkehrsunfälle.

„Ein besonderes Augenmerk sollten wir zukünftig auf die Senioren unter den Verkehrsteilnehmern legen.“ Bevor man über verpflichtende ärztliche Untersuchungen oder ähnliches diskutiere, sei bei diesen Verkehrsteilnehmern über eine verstärkte Prävention und Aufklärung nachzudenken, so Breyer.

Die Zahl der Unfälle mit Beteiligung von Fußgängern nahm von 1093 auf 1137 weiter leicht zu. Dabei wurden 1241 verletzt und 20 getötet. Der Anteil der Unfälle mit Fußgängern gemessen an der Gesamtzahl der aufgenommenen Unfälle beträgt sechs Prozent, bei den Verletzten 7,7 Prozent und bei den Getöteten 16,5 Prozent.

Auch die Anzahl der Verkehrsunfälle unter der Beteiligung motorisierter Zweiradfahrer veränderte sich gegenüber dem Vorjahr deutlich. Betrachtet man die monatliche Verteilung, ist festzustellen, dass die ersten Unfälle schon vergleichsweise früh im Jahr passierten. Das milde Frühjahr und der milde Herbst haben die Zweiradsaison gewissermaßen verlängert. Die Zahl der Verkehrsunfälle stieg um 117 (7,3 Prozent) auf 1.720. Der Anteil dieser Unfälle an der Gesamtzahl stieg geringfügig auf neun Prozent. Während die Zahl der Getöteten (20) gleich blieb und die der Schwerverletzten (389; zwei mehr als 2013) sich kaum veränderte, gab es bei den Leichtverletzten eine Zunahme von 155 (2013: 1.244; 2014:1.399)

Erneut verringerte sich die Anzahl der durch die „jungen Fahrer“ (18 bis unter 25 Jahre) verursachten Verkehrsunfälle. Sie sank erneut um 182 (-5,4 Prozent) auf 3159. Dabei wurden 3056 Personen verletzt, 77 weniger als 2013, und 21 kamen ums Leben, eine Person mehr als im Vorjahr. „Junge Fahrer“ verursachten 16,6 Prozent der Verkehrsunfälle; ein geringfügiger Rückgang um 1,1 Prozent.

„Verkehrssicherheitsarbeit bleibt eine unverzichtbare Kernaufgabe der Polizei“, betonte Studt. Zusammen mit anderen Behörden und Verbänden, die in der Verkehrssicherheit tätig seien, werde die Polizei alle Kräfte bündeln, damit sich die Entwicklung zu mehr Verletzten und Toten im Straßenverkehr nicht fortsetzte. Die Verkehrsaufklärung wird sich nach Aussage des Ministers in diesem Jahr in erster Linie an Kinder, Radfahrer und Senioren richten. Die Präventionsarbeit der Landespolizei werde insbesondere im Bereich frühkindlicher Bildung und in den Schulen fortgeführt. „Dazu gehört auch der Verkehrskasper“, sagte Studt.

Bei der Verkehrsüberwachung habe die Polizei in erster Linie Fahrer im Blick, die unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol stünden, sowie Raser und Drängler, die hauptsächlich Autobahnen unsicher machten. Dazu werde man zukünftig den Einsatz der Videowagen auf Schleswig-Holsteins Autobahnen konzentrieren, um schwerpunktmäßig Raser und Drängler als Verursacher schwerer Verkehrsunfälle aus dem Verkehr zu ziehen. „Die Bündelung der Videoüberwachung an zentralen Standorten schafft schlagkräftige Einheiten im Kampf gegen Aggressionsdelikte“, sagte Studt.

„Warnschilder vor Radarkontrollen könnten die Unfallzahlen wirksamer senken als versteckte Blitzer“, sagt Breyer. Untersuchungen würden belegen, dass Knöllchenempfänger nicht dazu lernen während an erkennbaren Kontrollstandorten tatsächlich langsamer gefahren werde. Die Piratenfraktion fordere deshalb, Geschwindigkeitskontrollen ohne Polizeipräsenz auf Schildern anzukündigen und auf Unfallschwerpunkte zu konzentrieren. Breyer: „Ein entsprechendes Konzept diskutieren wir gerade mit den Kommunen.“

zur Startseite

von
erstellt am 30.Mär.2015 | 15:59 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen