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Unfallgefahr : Wenn sich die Autotür plötzlich öffnet

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Radler kollidieren häufiger mit parkenden Pkw als angenommen. Ein Tüftler hat jetzt eine Patentlösung präsentiert, doch die Bürokratie schießt quer.

shz.de von
erstellt am 28.Jul.2014 | 19:07 Uhr

Kiel | Die Glücksburger Fahrradfahrerin, die durch einen plötzlich geöffnete Autotür zu Fall kam, hat Rechtsgeschichte geschrieben: Sie trägt keine Mitschuld an dem Unfall, obwohl sie keinen Helm trug, und sie muss nicht für die Unfallfolgen haften, entschied der Bundesgerichtshof. Nach diesem Urteil im Juni atmeten viele Bundesbürger auf. Ein Helm ist nicht Pflicht, wer keinen trägt und unverschuldet in einen Unfall verwickelt wird, riskiert nicht den Verlust von Schadenersatzansprüchen.

Trotzdem: Gefühlt tragen seit dem Urteilsspruch mehr Radler einen Helm als vorher. „Der Fall aus Glückburg hat mir erst klar gemacht, wie schnell ich durch die Dummheit Dritter schwer zu Schaden kommen kann, auch wenn ich vorsichtig fahre“, erklärt eine Kielerin, die neuerdings mit einer pinken aerodynamischen Plastik-Kopfbedeckung unterwegs ist.

In der Tat hat der Unfallhergang viele Bürger aufgeschreckt. Zu Recht: Nach einer Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen machen Türkollisionen 46 Prozent aller Fahrradunfälle auf den Fahrbahnen aus. Beim Vorbeifahren an parkenden Fahrzeugen – so urteilten mehrere Gerichte – müssen Radler eine Türbreit Abstand halten. Das sind etwa 80 Zentimeter bei Kleinwagen und bis zu 1,5 Metern bei Lkw. Sind auf der Straße Begrenzungmarkierungen für den Fahrradweg eingezeichnet, rät der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) sich möglichst weit links zu halten um den Mindestabstand zu parkenden Autos von einem Meter einzuhalten.

Allerdings sind auch Autofahrer und ihrer Mitfahrer in der Pflicht: Sie dürfen die Türen nur öffnen, wenn sie sich vergewissert haben, dass sich keine Radfahrer oder Fußgänger nähern. „Besonders für Mitfahrer auf dem Rücksitz ist das nicht ganz einfach “ weiß Zülfikar Celik. „Sie können ja nicht in den Rückspiegel schauen, ob jemand kommt“. Seine Idee: Wenn sich die Fahrzeugtür öffnet, schaltet sich automatisch die Rückleuchte oder der Blinker beim Auto ein. „Radfahrer sehen das Signal und können reagieren“, erklärt der 48-Jährige aus Wesel am Niederrhein. Schon 2009 meldete der gelernte Schweißer ein Patent an.

Technisch sei sein Vorhaben leicht umzusetzen: „Man muss nur den Bordcomputer entsprechend einstellen“, so Celik. Der Hobby-Erfinder nahm Kontakt zur Autoindustrie auf. „Ich habe viel Zustimmung erhalten“, berichtet er. Das Lichttechnische Institut in Karlsruhe forderte ihn gar auf, einen Prototypen anzufertigen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Dafür braucht man nicht nur Geld , sondern muss auch noch mit der Bürokratie klarkommen. „Berlin und die EU müssen das erst absegnen, vorher reagieren die Autohersteller nicht“, berichtet er unserer Zeitung. Ein mühsames Unterfangen: die Autobauer verweisen auf Berlin und Berlin auf Brüssel“. Dabei hat Celik viele Mitstreiter auch in Fachkreisen. Etwa den ADFC. Der hat sogar dem Verkehrssicherungsrat,der Verkehrswacht und dem Verband der Autoindustrie den Vorschlag vorgelegt. Das Argument, dass es durch so ein System zu viel im Straßenverkehr blinkt, lässt der Club nicht gelten. Wenn jemand sein Auto mit der Fernbedienung schließt oder öffnet, blinkt es auch. Das diene nur dem Komfort. Bei Celiks Vorschlag gehe es um Sicherheit.

Die entscheidende Frage ist jedoch, ob die Warnung per Blinker für schnelle Radler nicht zu spät kommt. Deshalb wird derzeit in Fachkreisen auch die Möglichkeit ausgelotet, durch Abstandssensoren die Gefahr zu entschärfen. Die könnten etwa bewirken, dass sich Autotüren nur schwer öffnen lassen, wenn sich ein anderer Verkehrsteilnehmer nähert. Celik lässt sich trotzdem nicht entmutigen, auch wenn sein Blinker-System keine hundertprozentige Sicherheit bringt. „Aber meine Technik ist einfach und ein erster Schritt in die richtige Richtung“ ist der Tüftler überzeugt.

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