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Deutsche Bahn : Sylt Shuttle-Vergabe: Das müssen Sie wissen

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Wer wird ab 2015 die Strecke Niebüll-Sylt betreiben dürfen? shz.de hat Fragen und Antworten rund um die Vergabe für die Zugverbindung auf die Insel.

Westerland | Wer mit dem Auto vom Festland auf die Insel Sylt möchte, nutzt meistens den Sylt-Shuttle. Seit den 1920er Jahren rollen Züge von Niebüll nach Westerland über den Hindenburgdamm. Bislang betreibt die Deutsche Bahn die Verbindung. Doch das lukrative Geschäft mit 490.000 Fahrzeugen pro Jahr je Richtung und geschätzten 60 Millionen Euro Gewinn reizt Mitbewerber. Fragen und Antworten rund um den Sylt-Shuttle.

Wie ist der Status Quo?

Im Moment wird die Verbindung Niebüll-Sylt von der DB Fernverkehr, einer Tochterfirma der  Deutschen Bahn, betrieben.

Wer betreibt das Netz?

Die DB Netz AG, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn.

Wer vergibt die Strecke?

Die DB Netz AG. Unternehmen können zur jeweils nächsten Fahrplanänderung bei der Agentur eine Trassenanmeldung einreichen. Dieses Verfahren gilt deutschlandweit. Nach einem Kriterienkatalog wird der geeignete Bewerber für die Strecke ausgewählt. Dann wird ein Rahmenvertrag zwischen Bewerber und DB Netz geschlossen.

Die Bundesnetzagentur als oberste Aufsichtsbehörde muss dem Vertrag zustimmen.

Wer hat sich um die Strecke beworben?

Das amerikanische Unternehmen Railroad Development Corporation Deutschland (RDC), das einen höheren Takt bei den Bahnverbindungen  anbieten will. Der Anbieter hat bisher in Deutschland den Hamburg-Köln-Express betrieben.

Der zweite Bewerber ist das Land Schleswig-Holstein, das die Strecke allerdings nicht selbst betreiben will, sondern den Plan hegt, die Trasse dann selbst gemeinsam mit der Nahverkehrsstrecke zwischen Westerland und Hamburg auszuschreiben. Um durch eine längere Strecke bei der Vergabe höhrere Chancen zu haben, hat das Land in seine Bewerbung geschrieben, dass es den Autozug ab Lindholm, kurz hinter Niebüll, fahren lassen will.  Dies hat die DB Netz AG allerdings als „unplausibel“ eingestuft –  Schleswig-Holstein wäre damit aus dem Rennen. Dagegen will das Land jetzt rechtlich vorgehen.

Der jetzige Betreiber, die DB Fernverkehr, will die Strecke weiter betreiben. Allerdings will RDC pro Kilometer einen viel höheren Tarif als die DB zahlen und pro Jahr 5,5 Millionen Euro in die Strecke investieren.

Wie weit sind die Pläne der RDC?

Die DB Netz hat einen Rahmenvertrag mit RDC vereinbart. Im Moment überprüft die Bundesnetzagentur den Rahmenvertrag. Geplant ist, dass sie am 23. Februar  ihre Entscheidung bekannt gibt.

Könnte der Rahmenvertrag scheitern?

Ja, kann er. Die Bundesnetzagentur kann den Vertrag ablehnen. Ein Grund dafür wären zum Beispiel zu viele Fahrten auf einer Strecke, die zu einer Überlastung führen könnten. Und genau dort könnte momentan der Knackpunkt sein: Die Sylt-Strecke ist teilweise nur eingleisig zu befahren und schon jetzt ausgelastet. RDC will aber noch mehr Verbindungen anbieten. Dazu müsste sich das Unternehmen mit dem Land Schleswig-Holstein abstimmen. Wenn es dort keine Übereinkunft gibt, könnte der Rahmenvertrag abgelehnt werden.

Was bedeutet ein Scheitern des Rahmenvertrags?

RDC hätte keine Planungssicherheit und müsste sich – gemeinsam mit möglichen anderen Interessenten -  jedes Jahr neu für die Strecke bewerben.

Welche Szenarien sind noch denkbar?

Schleswig-Holstein könnte mit RDC über die Taktung verhandeln. Allerdings sind die beiden Parteien dazu nicht verpflichtet. RDC scheint momentan zu befürchten, dass sich das Land weigert, mit ihnen zu verhandeln, um so die Bundesnetzagentur dazu zu bewegen, dem Rahmenvertrag zwischen RDC und DB Netz nicht zuzustimmen.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass die Bundesnetzagentur von RDC Änderungen am Rahmenvertrag verlangt. Dies bedeutet, dass das amerikanische Unternehmen nicht ganz so viele Autozüge fahren lässt wie geplant, dafür aber die Strecke zehn Jahre betreiben darf.

Was bedeutet eine erhöhte Zahl von Autozug-Verbindungen für die Insel?

Mehr Züge über die teilweise eingleisige Strecke fahren zu lassen, könnte sich auf andere Verbindungen auswirken. IC-Verbindungen der Deutschen Bahn, die direkt auf die Insel fahren, könnten eventuell schwer in einen neuen Fahrplan integriert werden. Denkbar wäre es, dass die Deutsche Bahn nach Verlust des Sylt Shuttle gar keine anderen Züge mehr auf die Insel fahren lässt. Dies würde sich auf den Tourismus auswirken. Außerdem könnte die Zahl der Nord-Ostsee-Bahnen, die Sylt anfahren, zurückgehen.

Wie sieht der Zeitplan für die Vergabe aus?

Am 23. Februar will die Bundesnetzagentur bekannt geben, ob sie dem Vertrag zwischen RDC und der DB Netz zustimmt. RDC würde die Strecke dann ab Ende diesen Jahres bedienen. Die einstweilige Verfügung des Landes könnte diesen Zeitplan allerdings ins Wanken bringen – eventuell dauert das Verfahren dadurch länger.

Müssen Reisende Angst haben, dass keine Züge mehr fahren?

Nein. Selbst wenn die Bundesnetzagentur dem Rahmenvertrag zwischen RDC Deutschland und der DB Netz am 23. Februar nicht zustimmt, bedeutet das nicht, dass die Strecke nicht weiter betrieben wird. Sondern nur, dass es zum sogenannten Windhundverfahren kommt: Die Strecke wird dann nicht für zehn Jahre, sondern nur für ein Jahr ausgeschrieben. Die interessierten Unternehmen müssen sich dann immer wieder neu bewerben. Sollte das amerikanische Unternehmen RDC den Zuschlag für die rentable Strecke erhalten, befürchten einige Sylter allerdings eine schlechtere Versorgung der Insel: Zum einen muss das Unternehmen recht schnell passende Waggons für den Syltshuttle produzieren, zum anderen will es häufiger Autozüge fahren lassen als bisher. Dadurch könnte sich die Zahl der Verbindungen für Personenverkehr verringern. RDC betont allerdings, der Aufgabe gewachsen zu sein.

Kann die Strecke automatisch an die Deutsche Bahn fallen?

Nein. Momentan betreibt die DB Fernverkehr AG den Syltshuttle. Seit der Privatisierung der Bahn 1999 ist die DB Fernverkehr eines der Tochterunternehmen der Deutschen Bahn AG. Aufgrund der Privatisierung wird die DB Fernverkehr bei der Vergabe des Autozuges wie jeder andere Bewerber (also beispielsweise RDC oder das Land Schleswig-Holstein) behandelt. Auch wenn die Bahn den Syltshuttle bisher betrieben hat, hat sie also kein „Anrecht“ auf eine dauerhafte Nutzung der Strecke.

Die Bahn AG muss jedoch die vorhandenen Bauten wie Terminals und Rampen einem neuen Betreiber zur Verfügung stellen.

 
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erstellt am 12.Feb.2015 | 17:42 Uhr

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