A20-Weiterbau, A7-Ausbau, Fehmarnbelttunnel : Straßenbau in SH kommt nur schleppend voran

„Wenn es eine Finanzierung für den Elbtunnel bei Glückstadt gäbe, müssten die Argumente gegen einen Weiterbau der A 20 westlich der A 7 neu diskutiert werden“, sagte Grünen-Fraktionschefin Eka von Kalben.
Foto:
Die A20 endet derzeit kurz vor Bad Segeberg.

Schleswig-Holsteins Großprojekte kommen längst nicht alle gut voran. Geld spielt dabei meist eine untergeordnete Rolle.

shz.de von
01. Januar 2018, 09:43 Uhr

Kiel | Geld ist vorhanden, aber Baurecht fehlt oft. Egal ob A20, A21 oder B5: Die meisten großen Verkehrsprojekte in Schleswig-Holstein kommen nur schleppend voran. Mal bremsen Klagen, in anderen Fällen fehlen schlicht Planer. „Dabei ist die Finanzierung von Bundesfernstraßen zurzeit nicht der Engpass“, sagte Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP). „Hinsichtlich der Rekrutierung von Ingenieuren stellt sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt dagegen in der Tat schwierig dar.“

A7-Ausbau

Es rollt: Baustelle für den A7-Ausbau in Hamburg.
Foto: dpa/Daniel Bockwoldt

Baustelle für den A7-Ausbau in Hamburg.

 

Ende 2018 soll Deutschlands aktuell größter Autobahn-Ausbau fertig sein – zumindest die Erweiterung der Nord-Süd-Tangente zwischen Hamburg-Schnelsen und dem Dreieck Bordesholm auf sechs Spuren. Seit Ende 2014 sind Autofahrer wegen Baustellen regelmäßig harten Geduldsproben ausgesetzt. Einige bereits fertige Abschnitte erleichtern den Verkehrsfluss auf der 65 Kilometer langen Strecke. Verengte Fahrspuren auf dem Hamburger A7-Bereich mit maximal Tempo 60 führen immer wieder zu Unfällen und kilometerlangen Staus. Grund ist der Bau von drei Autobahn-„Deckeln“. Die Arbeiten dafür werden noch Jahre dauern. Fast täglich staut es kilometerlang nach Hamburg rein von der A23 aus Richtung Pinneberg und auf der A7 von Quickborn.

Kanaltunnel Rendsburg

Die für die Verkehrslage am Kanaltunnel zuständigen Behörden wollen schneller über ausgelöste Höhenkontrollen informieren.
Foto: dpa
Baustelle am Kanaltunnel.
 

Die Sanierung des Tunnels unter dem Nord-Ostsee-Kanal fordert Pendlern in Rendsburg seit Jahren einiges an Geduld ab. Doch nach jahrelangen Verzögerungen sind die Arbeiten 2017 offenbar gut vorangekommen. Anfang 2020 soll der Tunnel fertig sein – nach dann acht Jahren. Immer wieder festgestellte neue Mängel haben die Arbeiten in die Länge gezogen. Letztlich wird die Sanierung des rund 600 Meter langen Tunnels nach jetzigem Stand 80 Millionen Euro kosten – mehr als drei Mal so viel wie geplant. Die Kosten trägt der Bund. Auch 2018 wird der Verkehr dort nur einspurig je Fahrtrichtung durch die bereits wiederhergestellte Oströhre führen. Seit Januar 2017 wird die Weströhre saniert.

A20-Weiterbau

Bis hierhin und nicht weiter: Kurz vor Bad Segeberg ist die A20 derzeit zu Ende.
Foto: dpa
Bis hierhin und nicht weiter: Kurz vor Bad Segeberg ist die A20 derzeit zu Ende.
 

Sein Wahlversprechen, die Küstenautobahn 20 auf Schleswig-Holsteins Boden bis 2022 fertigzustellen, musste Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) bereits kurz nach der Landtagswahl im Mai kassieren. Als Grund nannte er die von der alten, SPD-geführten Landesregierung wegen einer Zwergschwan-Population gestoppte Planung westlich der A7. Seit Jahren endet die aus dem Raum Stettin kommende Küstenautobahn östlich von Bad Segeberg. Das Bundesverwaltungsgericht bremste den Weiterbau rund um Segeberg aus: Der Fledermausschutz wurde nicht genug beachtet. Die Nachbearbeitung läuft noch. Das betrifft nicht nur Fledermäuse und Haselmäuse, sondern auch die Linienführung im Raum Segeberg. Für den Abschnitt westlich der Stadt bis zur A7 gibt es zwar einen Planfeststellungsbeschluss. Dagegen wird aber geklagt. Verhandelt vor dem Bundesverwaltungsgericht wird frühestens Ende 2018. Ebenso offen ist der Zeitplan für den Weiterbau der Autobahn westlich der A7. „Hinsichtlich einer realistischen Fertigstellung des Lückenschlusses der A20 bis zur A23 kann derzeit keine verbindliche Aussage gegeben werden“, sagt Buchholz. Nun soll der deutsche Autobahnplaner Deges übernehmen.

A20-Elbquerung

Naturschützer sehen durch einen A20-Tunnel die Elbe in Gefahr. Der Anwalt des Landesnaturschutzverbandes sagt, die Quecksilberfrage habe das Zeug, das ganze Projekt zu kippen.
Foto: dpa
Naturschützer sehen durch einen A20-Tunnel die Elbe in Gefahr.
 

Wann die A20 bei Glückstadt die Elbe queren und in Niedersachsen an das Autobahnnetz angebunden wird, ist noch völlig unklar. Der Bund hat 600 Millionen Euro für die Jahre ab 2017 bereitgestellt. Lässt sich der Tunnel nicht über eine öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP) bauen, will der Bund die Elbquerung auf konventionellem Weg finanzieren. Für Buchholz ist die Art der Finanzierung zweitrangig: „Aus Sicht der Landesregierung hat dasjenige Finanzierungsmodell eine Präferenz, das zum schnelleren Ziel führt.“

Weiterbau der A21

Das A21-Teilstück zwischen Nettelsee und Löptin kann befahren werden.
Foto: Daniel Friederichs

Das A21-Teilstück zwischen Nettelsee und Löptin kann befahren werden.

 

Zwischen der A1 bei Bargteheide und Stolpe ist die Bundesstraße 404 bereits auf 50 Kilometern zur A21 ausgebaut. Weil andere Projekte aber eine höhere Priorität genießen, fließen die Bundesmittel nur zögerlich. Am 9. Dezember wurde immerhin ein 2,1 Kilometer langer Abschnitt zwischen Depenau und Löptin für den Verkehr freigegeben. Damit fehlen zwischen Kiel und Stolpe noch 14,5 Kilometer. Buchholz hat den 6,2 Kilometer langen Abschnitt zwischen Nettelsee und Klein Barkau zum Pilotprojekt für Planbeschleunigung erklärt. Der Abschnitt wird für 65 Millionen Euro ausgebaut. Wann die A21 bis nach Kiel hineinführen wird, kann er aber nicht vorhersagen.

Nord-Ostsee-Kanal

Wichtige Seestraße: Der Nord-Ostsee-Kanal.
Foto: dpa
Wichtige Seestraße: Der Nord-Ostsee-Kanal.
 

Vertiefung der Fahrrinne, Ausbau der engen Oststrecke und Sanierung der maroden Schleusenanlagen – die Wasserstraße zwischen Kiel und Brunsbüttel bekommt im nächsten Jahrzehnt das volle Programm. Der Bund will den Kanal fit machen für die immer größer werden Feeder-Schiffe, die Container von Hamburg ins Baltikum transportieren. Die Gesamtkosten betragen rund 1,8 Millionen Euro. In Brunsbüttel soll für knapp 500 Millionen Euro eine neue, fünfte Schleusenkammer entstehen. Deren Bau wird aber nicht vor 2021 beginnen und sechs Jahre dauern. In den vergangenen Jahren waren alte Schleusentore immer wieder bei Havarien kaputt gegangen. Im schlimmsten Fall mussten die Schiffe den Umweg über Skagen nehmen.

Ausbau der B5

Der notwendige B5-Ausbau lässt weiter auf sich warten.
Foto: Volkert Bandixen
Der notwendige B5-Ausbau lässt weiter auf sich warten.
 

Die B5 soll zwischen Tönning und Husum auf drei Spuren ausgebaut werden. Die Planung dieser Strecke soll genauso wie der Ausbau der B404 und der B207 nach dem Willen der Landesregierung auf den Bund übergehen. An der Finanzierungsfrage werde der notwendige Ausbau nicht scheitern, ist Buchholz überzeugt. Für Anfang 2019 wird der Planfeststellungsbeschluss für den ersten Bauabschnitt Tönning-Rothenspieker erwartet.

Fehmarnbelt-Querung

Visualisierung des geplanten FehmarnbeltTunnels.
Foto: ICONO A/S für Femern A/S/Archiv
Visualisierung des geplanten FehmarnbeltTunnels.
 

Ab 2028 soll ein 18 Kilometer langer Tunnel Fehmarn mit der dänischen Insel Lolland verbinden. Die Kosten des Milliarden-Projekts Fehmarnbelt-Tunnel tragen die Dänen zwar allein. Deutschland hat sich in einem Staatsvertrag aber verpflichtet, für eine Anbindung zu sorgen. Dafür muss die Bahnstrecke von Lübeck nach Puttgarden ausgebaut und die mehr als 50 Jahre alte Fehmarnsundbrücke für Schiene und Straße zwischen Festland und Ostseeinsel ersetzt werden. Sie ist für die erwartete Zunahme des Schienengüterverkehrs nach Eröffnung des Ostseetunnels nicht ausgelegt. „Wir wollen auf jeden Fall vor den Dänen fertig sein“, sagte Bahn-Projektleiter Bernd Homfeldt Ende November. Frühestens Ende 2018 wird entschieden, ob als Ersatz eine neue Brücke, ein Bohrtunnel oder ein Absenktunnel kommt. Die Gesamtkosten werden derzeit mit 1,5 Milliarden Euro angegeben.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen