zur Navigation springen

Haschisch, Speed, Crystal Meth : Steigende Unfallzahlen in SH durch Drogen am Steuer

vom

Unfälle unter Alkoholeinfluss stagnieren. Dafür sind immer häufiger andere Rauschmittel im Spiel.

Kiel | Haschisch, Speed, Crystal Meth: Immer öfter kracht es im Straßenverkehr in Schleswig-Holstein, weil  Autofahrer unter Drogeneinfluss  stehen. Nachdem die Zahl der von ihnen verursachten Unfälle bereits  2014 um 24 Prozent und im vergangenen Jahr um 38 Prozent nach oben geklettert ist, beobachten die Ordnungshüter eine Fortsetzung des Trends. „Im Jahresergebnis 2016 wird es vermutlich wieder einen Anstieg geben“, sagt der Sprecher des Landespolizeiamts, Jürgen Börner.

Denn bereits bis Mitte Dezember des laufenden Jahres betrug die Zahl der Unfälle, bei denen andere Rauschmittel als Alkohol im Spiel waren, 181. Das erreicht bereits nahezu das komplette Vorjahresergebnis. Da waren es inklusive dem ganzen Dezember 196 Fälle.

Zwar geht es bei den Fahrten unter Drogen nur um 0,23 Prozent aller Unfälle. „Wie Unfälle unter Alkoholeinfluss verlaufen jedoch auch solche unter Drogen überdurchschnittlich schwer“, betont Börner. „Das Risiko, in  beiden Unfallkategorien schwer oder tödlich verletzt zu werden, ist fast doppelt so hoch wie bei allen anderen Unfällen.“ Bei den Crashs unter Drogen wurden in diesem Jahr 79 Verkehrsteilnehmer leicht und 25 schwer verletzt. Ums Leben kam dadurch keiner. Im Vorjahr gab es zwei Tote und 130 Verwundete. 

Anders sieht es schon allein wegen der ungleich höheren Gesamtzahl bei Unfällen unter Alkoholeinfluss aus. Fünf Menschen ließen dabei in diesem Jahr ihr Leben. 173 wurden schwer, 474 leicht verletzt. Bis Mitte Dezember hatte bei 1134 Unfällen mindestens einer der Beteiligten zu viel getrunken. „Das Niveau der Vorjahre wird damit 2016 vermutlich erneut erreicht“, heißt es bei der Landespolizei.

Seit 2013 verzeichnet die Statistik eine Stagnation der Alkoholfahrten. Dass sie zumindest nicht gestiegen ist, führt Börner unter anderem darauf zurück, dass auf privaten und betrieblichen Festen tendenziell weniger getrunken werde. Ein Grund könne auch die starke Abhängigkeit in einem Flächenland vom Auto sein. „Viele haben Angst, bei Führerscheinverlust auch noch ihre Arbeit zu verlieren“, meint Börner. Vor zehn Jahren gab es noch gut 20 Prozent mehr Unfälle durch zu viele Promille.

Dass bei Unfällen gehäuft Drogensünder auffallen, erklärt er auch mit einer Qualifizierung der Beamten durch Aus- und Fortbildung: „Dadurch wird die Entdeckungswahrscheinlichkeit größer.“ Aus den Zahlen lasse sich allerdings nicht auf den tatsächlichen Drogenkonsum schließen. „Hier ist weiterhin von einem großen Dunkelfeld auszugehen.“

Während sich die Zusammenstöße mit zuviel Promille im Blut freitags, sonnabends und sonntags ballen, verteilen sich die Vorkommnisse unter Drogeneinfluss breiter innerhalb der Woche. Unglücke in beiden Kategorien werden fast ausschließlich von Männern verursacht. Bei den Alkoholfahrten reicht das Altersspektrum beim Gros der Täter bis Ende 40, bei den Drogenfahrten nur bis Mitte/Ende 20.  

Die Polizei hat wegen des hohen Gefahrpotenzials die Zahl der Kontrollen erhöht, bei denen sie gezielt Jagd auf Alkohol und Drogen am Steuer macht. So zum Beispiel angesichts der Trinkfreudigkeit in der Adventszeit auch in der vergangenen Woche. Eine Auswertung zu dieser europaweit angesetzten Schwerpunkt-Aktion will die Polizei am Dienstag vorstellen.

zur Startseite

von
erstellt am 20.Dez.2016 | 06:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen