Infrastruktur : Städte und Kommunen in SH wollen fahrradfreundlicher werden

Urlauber wie auch Pendler sollen sich in Schleswig-Holstein gern mit dem Rad fortbewegen wollen.
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Urlauber wie auch Pendler sollen sich in Schleswig-Holstein gern mit dem Rad fortbewegen wollen.

Fahrradparkhäuser, Velo-Routen und Mietfahrräder: Die Kommunen in SH tun einiges, um fahrradfreundlicher zu werden.

shz.de von
15. April 2018, 11:49 Uhr

Kiel/Norderstedt | Fahrradfahren ist klimafreundlich und gesund. Viele Kommunen in Schleswig-Holstein investieren Geld und Ideen in die Fahrrad-Infrastruktur – damit auch Pendler aufs Rad umsteigen und Radurlauber ins Land kommen. Ob Dienstfahrräder, öffentliche Ladestationen für E-Bikes oder neue Radwege – kleine und große Städte tun einiges, um radlerfreundlicher zu werden, wie eine dpa-Umfrage ergab. Trotz der Bemühungen gebe es aber noch viel zu tun, meint der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Schleswig-Holstein.

Ahrensburg: In der Stadt nordöstlich von Hamburg wurde 2014 ein Radverkehrskonzept entwickelt mit dem Ziel, den Anteil des Fahrradverkehrs am gesamten Verkehr von 17 Prozent (2010) auf 23 Prozent im Jahr 2025 zu erhöhen. Modernisierung und Ausbau von Radwegen werden sukzessive umgesetzt, für 2018 wurden 1,2 Millionen Euro bewilligt. Ahrensburg verfüge über ein umfangreiches Radwegenetz, sagte eine Sprecherin. 2015 wurde zwar der Bau eines Fahrradparkhauses mit Ladestationen für E-Bikes beim Bahnhof beschlossen. Die Pläne seien aber zurückgestellt worden und sollen im Zuge der Innenstadtsanierung weiter verfolgt werden.

Für das „2025“-Ziel radeln die Ahrensburger mit gutem Beispiel voran: Sie beteiligen sich den Angaben zufolge alljährlich an der europaweiten Aktion „Stadtradeln“, bei der Kommunalpolitiker und Bürger in der Zeit vom 1. Mai bis 30. September drei Wochen am Stück Radkilometer für den Klimaschutz sowie für eine Radverkehrsförderung in ihrer Gemeinde sammeln.

Norderstedt: Norderstedt hat sich nach eigenem Bekunden auf den Weg zu einer „fahrradfreundlichen Kommune“ gemacht. „Mobilität der Zukunft“ sei eine der Hauptaufgabenstellungen, teilte die Stadt mit. 2018/2019 fließen bis zu 2,12 Millionen Euro in den Radwege-Ausbau. Für Unterhalt und Sanierung stehen 850.000 Euro zur Verfügung.

Die Pendlerstadt im Nordwesten Hamburgs verfügt am U-Bahnhof Norderstedt-Mitte über ein Fahrradparkhaus mit bis zu 450 Stellplätzen und E-Bike-Ladestationen. Die Anlage am AKN-Haltepunkt Meeschensee wurde jüngst modernisiert und von 15 auf 110 Abstellbügel erweitert. Auf mehreren Routen können Radler Stadt und Umgebung erkunden. Für Familien gibt es eigens den „Rundweg der Spielplätze“.

Ende 2017 wurde die erste „Fahrradstraße“ freigegeben. Die 16 Leihradstationen eines privaten Anbieters mit rund 90 Rädern wurden den Angaben zufolge von mehr als 1000 Nutzern gefahren.

Schleswig: In der Schlei-Stadt ist das Fahrrad ein zentraler Punkt bei der Aufstellung des Verkehrskonzepts von 2015 gewesen. Wie viel Geld genau im Haushalt der Stadt bereitgestellt wird, wird nicht genannt, aber „es ist eine angemessene Summe in den Haushalt eingestellt worden“, versichert ein Stadtsprecher. Auch gebe es zwei E-Bikes, die Mitarbeiter der Stadtverwaltung nutzen können. Bisher gibt es nach Angaben des Sprechers keine überdachten Fahrradständer, aber die Möglichkeit im Parkhaus das Rad abzustellen. An der Tourist Information in der Plessenstraße gibt es vier Fahrradgaragen, zudem einige Ladestationen für E-Bikes am Hafen.

Kiel: Auch im Verkehrskonzept der Landeshauptstadt spielt der Radverkehr eine wichtige Rolle. Es existiert unter anderem ein Veloroutenkonzept, welches seit vielen Jahren kontinuierlich ausgebaut wird. Insgesamt stehen etwa 750 Radwegweiser im Stadtgebiet. Bereits seit 1988 gibt es einen Radverkehrsbeauftragten.

In den Ämtern stehen Diensträder zur Verfügung. Wer ohne Fahrrad nach Kiel kommt, kann sich an der Radstation am Bahnhof eines leihen. Zudem will ein privater Anbieter demnächst bis zu 300 Mieträder im öffentlichen Raum bereitstellen. Städtische Ladestationen für E-Bikes gibt es nicht, aber einige private. Zudem soll jeder Stadtteil mindestens eine öffentliche Luftpumpe erhalten.

Wie viel Geld zum Ausbau der Infrastruktur zur Verfügung steht, kann nach Angaben eines Stadtsprechers von Jahr zu Jahr stark schwanken. Dies hängt mit den geplanten Baumaßnahmen zusammen. Beispielsweise kostet die Veloroute 10, die gerade gebaut wird, etwa fünf Millionen Euro. Die Radstation am Hauptbahnhof mit 620 Plätzen hat zwei Millionen Euro gekostet. Auch in anderen Stadtteilen gibt es diverse Abstellmöglichkeiten, darunter 26 Fahrradgaragen am Blücherplatz.

Insgesamt gibt es im erweiterten Innenstadtbereich etwa 6000 Fahrradbügel an Straßen und Plätzen.

Lübeck: In der Hansestadt gibt es an etlichen Bahn- und Bushaltepunkten sogenannte B+R-Anlagen mit überdachten Fahrradständen oder -Parkgaragen. Weitere sollen dieses Jahr eröffnen. Insgesamt stehen in Lübeck für den Ausbau der Radinfrastruktur jährlich rund eine Million Euro und für den Unterhalt bis zu 400.000 Euro zur Verfügung. Plötzlich endende Radwege sind in Lübeck nach Angaben der Stadt die Ausnahme. Schwierig sei eher die Qualität der Radwege sowie die große Anzahl an Zweirichtungsradwegen.

Öffentliche E-Bike-Ladestationen gibt es bisher noch nicht, es sollen aber an die B+R-Stationen Skandinavienkai und Travemünde Lademöglichkeiten integriert werden. Schlauchautomten und öffentlich zugängliche Luftpumpen werden von Fahrradhändlern angeboten. Dort und am Hauptbahnhof könnten Fahrräder auch ausgeliehen werden. Mitarbeiter der Stadt können auf Dienstfahrräder zurückgreifen.

Flensburg: In Flensburg spielt das Fahrrad eine entscheidende Rolle in den Verkehrskonzepten, die aktuell erarbeitet werden. Hierzu zählt das Konzept „Velorouten“, welches Hauptstrecken und ein Erschließungsnetz für den Radverkehr ausweist, wie ein Stadtsprecher sagte. Im Projekt „Radeln zum Campus“ werden Routen zur Hochschule optimiert und Abstellanlagen geschaffen. Zudem wird den Angaben zufolge bei der Sanierung von Bushaltestellen das Abstellen des Fahrrades immer mit berücksichtigt und – wenn noch nicht vorhanden – ergänzt. Am Bahnhof wird ein Fahrradparkhaus geplant. Jährlich stehen gerundet etwa eine Million Euro an investiven Mitteln im Haushalt zur Verfügung.

Damit mehr Menschen statt mit dem Auto mit dem Fahrrad einkaufen gehen, sollen künftig in den Stadtteilen kostenlos Lastenräder (mit Elektrounterstützung) ausgeliehen werden können. Das Angebot startet im Frühsommer etwa am Schifffahrtsmuseum. Zudem können Fahrräder eines privaten Anbieters geliehen werden. Den Mitarbeitern der Stadt stehen Fahrräder, Pedelecs, Lastenräder und ein Faltrad für die Mitnahme in der Bahn zur Verfügung.

ADFC kritisiert Qualität der Radwege

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums gibt es in keinem anderen Bundesland so viele Radwege entlang der Straßen wie in Schleswig-Holstein. Allerdings lasse die Qualität der Wege oft zu wünschen übrig, moniert ADFC-Landeschef Thomas Möller. Der Fahrradclub hat mit Blick auf die Kommunalwahl am 6. Mai zudem 13 Kernforderungen beschlossen, die den Einflussbereich der Kreispolitik betreffen und zu einem fahrradfreundlichen Norden beitragen sollen. Dazu gehören ein Radverkehrskonzept auf Kreisebene sowie die Förderung der Verknüpfung von Fahrrad und Öffentlichem Verkehr.

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