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Fehmarnsund, Rader Hochbrücke und Co : SH: Baustellen auf, unter und über dem Wasser

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es gibt neue Sorgen um die marode Fehmarnsundbrücke. Aber auch andere Brücken, Tunnel und Schleusen in SH bereiten Ärger. shz.de mit einem kleinen Überblick.

Rader Hochbrücke

Knapp 1,5 Kilometer ist die 1972 fertiggestellte Rader Hochbrücke lang. Die Lebensdauer gaben die Architekten damals mit 100 Jahren an. Doch statt bis 2072 wird sie wohl nur bis zum Jahr 2026 halten.
Knapp 1,5 Kilometer ist die 1972 fertiggestellte Rader Hochbrücke lang. Foto: Marcus Dewanger
 

Die Nachricht über die sofortige Sperrung der Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal für Lkw über 7,5 Tonnen schlug Ende Juli 2013 ein wie eine Bombe. Der Grund: massive Schäden an den Pfeilerköpfen. Lange standen Autofahrern statt zwei nur noch eine Spur in jede Richtung zur Verfügung. Nach dreieinhalb Monaten Sanierungsarbeiten und regelmäßigen kilometerlangen Staus wurde die Brücke wieder für Autos und Lastwagen freigegeben. Doch im Herbst die nächste Hiobsbotschaft: Die Brücke hält nur noch zwölf Jahre. Statik-Berechnungen ergaben, dass die 1972 eröffnete Brücke die damals prognostizierte Lebensdauer von 100 Jahren bei weitem nicht erreicht, sondern wegen Materialermüdung schon 2026 an die Grenze ihrer Belastbarkeit stößt. Wie geht es nun weiter? Wichtige Vorentscheidungen über einen Ersatz der Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal sollen spätestens im Herbst fallen. „Ich erwarte im September Klarheit darüber, wohin die Reise geht“, sagte Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer vor ein paar Wochen. Der Bund plant als Ersatz eine neue Straßenbrücke, während das Land gern einen kombinierten Tunnel für Straße und Schiene hätte. Denn die Rendsburger Eisenbahnbrücke ist schon über 100 Jahre alt und wird auch nicht mehr unbegrenzt halten.

 

Rendsburger Kanaltunnel

Leuchtend rot:  Die neue Fahrbahnschicht soll den Beton mit  dem Asphalt verbinden.
Der Tunnel soll Anfang 2016 fertig sein. Foto: Matzen
 

Den 50 Jahre alten Kanaltunnel Rendsburg unterqueren bis zu 50.000 Autos täglich. Verschleißerscheinungen machten eine gründliche Kur notwendig. Seit 2011 wird an dem Tunnel gearbeitet. Die Oströhre wurde 2012 gesperrt, der Verkehr wird nur noch durch die Weströhre geleitet. Das hat natürlich erhebliche Einschränkungen zur Folge. Der Zeitplan für die Grundinstandsetzung des Straßentunnels hat sich mehrfach verschoben. Mal war starker Frost der Grund, ein anderes Mal traten unvorhergesehene Schäden auf. Die Situation wurde durch die Teilsperrung der Rader Hochbrücke verschärft. Anfang 2015 soll nach jetziger Planung die Oströhre fertig sein. Danach soll es so schnell wie möglich in der Weströhre weitergehen. Die komplette Fertigstellung des Tunnels ist für Anfang 2016 geplant.

 

Fehmarnsundbrücke

Die Fehmarnsundbrücke wird von den Insulanern liebevoll „Kleiderbügel“ genannt.
Die Fehmarnsundbrücke wird von den Insulanern liebevoll „Kleiderbügel“ genannt. Foto: Grafikfoto
 

Der Zustand der gut 50 Jahre alten Eisenbahn- und Autobrücke über den Fehmarnsund gibt Anlass zur Sorge. Das Bauwerk aus Beton und Stahl verbindet Fehmarn mit dem deutschen Festland bei Großenbrode (Kreis Ostholstein). Nach dem Bau der geplanten festen Fehmarnbelt-Querung von der Insel bis nach Dänemark wird der Verkehr zwischen Deutschland und seinem Nachbarland über die Fehmarnsundbrücke zunehmen. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) befürchtet aber, dass sie noch mehr Pkw und vor allem Lkw nicht mehr standhalten wird. Wie schlecht es um die Belastungsfähigkeit des Bauwerks - im Volksmund wegen seines markanten Aussehens Kleiderbügel genannt - tatsächlich steht, untersuchen derzeit Experten. „Es gibt natürlich Materialermüdungen bei dieser Brücke“, sagte Meyer am Dienstag. Anfang September wolle die Bahn deren Ergebnisse vorstellen. Den Ergebnissen der Spezialisten wolle er zwar nicht vorgreifen. „Tatsache ist aber: Wir brauchen spätestens mit der Fehmarnbelt-Querung, wenn die Dänen den Tunnel im Jahr 2021 fertiggestellt haben werden, einen Ersatz für die Fehmarnsundbrücke.“ Täglich rollen derzeit gut 5300 Fahrzeuge über die knapp 1000 Meter lange Brücke Fehmarnsundbrücke.

 

Schlei-Brücke von Lindaunis

Die Schleibrücke von Lindaunis
Die Schleibrücke von Lindaunis war vor ein paar Wochen defekt. Das sorgte für Ärger bei Seglern. Sie steckten fest. Foto: grafikfoto.de
 

Die Bahn macht Druck: Ende Juli wurde beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr ein Entwurfsplan für einen Neubau der Brücke Lindaunis eingereicht. Der Zeitpunkt soll purer Zufall gewesen sein. Das Vorgehen soll nichts mit den Problemen an der denkmalgeschützten Klappbrücke aus dem Jahr 1927 zutun haben. Sie versagte ein paar Tage zuvor ihren Dienst, zig Segler saßen für zwei Tage auf der Schlei fest. Wenn alles nach Plan läuft, wird eventuell schon im kommenden Jahr mit den Bauarbeiten begonnen – und 2018 ein neues Bauwerk fertig sein, das Autos, Zügen, Radfahrern und Fußgängern einen Weg über die Schlei bietet. Nach den bisher vorliegenden Plänen wird das neue Bauwerk östlich der alten Brücke liegen. Vorgesehen sind zwei Fahrspuren für den Autoverkehr – dazwischen das Gleis. Getrennt davon sollen künftig Fußgänger und Radfahrer die Schlei überqueren. Auch das neue Bauwerk wird eine Klappbrücke.

 

Schleusen in Kiel-Holtenau und Brunsbüttel

Die Schleusen in Kiel-Holtenau waren beim Streik auch gesperrt.
Die marode Technik der Schleusenanlagen am NOK – hier die Schleusen in Kiel-Holtenau – führte in der Vergangenheit schon öfter zu Behinderungen. Foto: dpa
 

Die Große Südschleuse in Kiel-Holtenau ist derzeit nur tagsüber in der Woche in Betrieb. Grund sind Verzögerungen im Rahmen des Neubaus des Versorgungsdükers. Während der Sperrung steht der Schifffahrt die Nordkammer der Großen Schleuse zur Verfügung. Die beiden kleinen Schleusenkammern in Kiel sind wegen Bauwerksschäden gesperrt. Die große Südkammer der Schleuse in Brunsbüttel ist wegen einer Routineinspektion derzeit ebenfalls zeitweise außer Betrieb. Der rund hundert Kilometer lange Nord-Ostsee-Kanal verkürzt den Weg zwischen Deutscher Bucht und Ostsee im Vergleich zur Route um Dänemark herum um gut 400 Kilometer. Die marode Technik der Schleusenanlagen führte in der Vergangenheit schon öfter zu Behinderungen. Eine fünfte Schleusenkammer soll in Brunsbüttel gebaut werden. Der Haushaltsausschuss des Bundestags genehmigte im April 485 Millionen Euro für den Neubau in Brunsbüttel. Bundesverkehrsminister Dobrindt unterstrich die internationale Bedeutung des Kanals. Der Schleusenbau wird mindestens 110 Millionen Euro teurer als geplant.

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erstellt am 26.Aug.2014 | 13:51 Uhr

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