Schleibrücke : Segler atmen auf: Lindaunis wieder frei

Segler können die Schleibrücke bei Lindaunis wieder passieren.
Segler können die Schleibrücke bei Lindaunis wieder passieren.

Hochsommer-Kollateralschaden: „Thermisch verspannt“ war die Brücke über die Schlei - bis der „Brückenpapst“ die Schiffspassage wieder frei gab.

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31. Juli 2014, 08:54 Uhr

Boren | Aufatmen bei allen Beteiligten: Am Mittwoch um 15.15 Uhr hieß es an der Schleibrücke von Lindaunis wieder „Passage frei“. Die Klappbrücke war oben, und etwa 50 Segler, die teilweise zwei Tage darauf gewartet hatten, konnten das Nadelöhr der Schlei endlich passieren. Es gab kaum einen, der nicht dankbar zu den Männern in den orangefarbenen Westen hochwinkte.

Vorangegangen war eine Aktion, die auch durch einen Sonntagabend-Krimi nicht an Spannung übertroffen werden kann. Erst am Dienstagmorgen hatte man die Ursache für die Brückenfehlfunktion definieren können. Das gesamte Bauwerk war thermisch verspannt und der Verschlussbolzen ließ sich selbst mit einer Zugmaschinerie und gewaltigen  Kräften nicht bewegen. „Das auslösende Element war ein Gestänge, das sich durch diese Spannungen verbogen hatte“, erklärte der verantwortliche  Ingenieur Rafael Haase. Es sei am Dienstagabend ausgebaut und in der Nacht in einer Schmiede gerichtet worden.

Am Mittwochmorgen wurde es wieder eingebaut. All dies geschah unter „rollenden Rädern“. Denn sowohl der Straßen- wie der Schienenverkehr flossen weiter – auch wenn die Bahn die Brücke nur  im Schritttempo  passieren durfte.  Jede  Funktion musste manuell geprüft werden,  bis der Verschluss so leicht ging, dass man ihn von Hand hin und her schieben konnte. Doch auch nach diesem Schritt traute sich niemand, die Brücke zu bewegen. Denn erst sollte lieber der „Brückenpapst“ grünes Licht geben. Er heißt Reinhard Weiss,  steht kurz vor Vollendung seines 80. Lebensjahres und hat 50 Jahre lang mit dieser Brücke gelebt. Er kennt wirklich jede Schraube. „Wenn er nicht nickt, tun wir gar nichts“, erklärte dazu Haase. Aber Weiss nickte.

Dann kam das Warten auf den richtigen Moment. Die Nervosität unter den etwa 15 Beteiligten stieg immer weiter an. Nachdem der Zug nach Kiel um 13.45 Uhr die Brücke passiert hatte, wurden noch einmal alle Einzelteile durchgeprüft. Der Test wurde um eine Stunde verschoben. Dann gab es noch eine kleine Verzögerung, als das Behelfsstellwerk im Brückenwärterturm die Sonderbefehle nicht auf Anhieb ausführen konnte.

Doch um 15.15 Uhr ging ein Strahlen über alle Gesichter, als sich die Brücke ohne Schwierigkeiten aus ihrer Halterung löste und in die Höhe schwenkte. Vor allem die Segler waren jetzt glücklich – endlich war der Weg in Richtung Ostsee frei.  Für die  Brückenarbeiter gab es dagegen noch keinen Feierabend, denn es mussten noch Restarbeiten erledigt werden. So hatten sich durch Hitze und Schwerkraft die Schienen um etwa fünf Millimeter  Richtung der Brücke verschoben. Dadurch waren alle Dehnungsfugen blockiert. Mit einer speziellen Maschine trennten die Metallbauer diesen störenden Teil ab.

Währenddessen betrachtete „Brückenpapst“ Weiss mit Argusaugen den vorbeiströmenden Schiffsverkehr. Denn er erinnerte sich an eine Brückenreparatur im  Jahre 2003, nach der sich die Brücke nur ein einziges Mal öffnen ließ. Auch diesmal wurde es eng. Mindestens 50 Schiffe von jeder Seite passierten das Bauwerk. Eine Yacht unter Segeln geriet in die Windböen, die an der Brücke herrschen und rammte einen Pfeiler. Da der Verkehr sehr dicht war, lief ein anderes Schiff auf. Das Chaos war beträchtlich. Doch diesmal ging beim Schiffsverkehr alles gut. Die Bahn musste allerdings ihren Verkehr für eine Stunde einstellen. Und Autofahrer, die nicht von dem Engpass gehört hatten, standen teilweise bis zu zwei Stunden vor der Brücke. Denn im Rundfunk wurde immer noch die Meldung durchgegeben, dass die Brücke für Bahn und Auto frei sei.

Inzwischen funktionieren alle Verkehrswege bei Lindaunis wieder einwandfrei. Und nach ein paar Schlägen auf der Ostsee werden  auch die meisten Segler den Ärger über  den Zwangsaufenthalt  vergessen haben.

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