Neue Vielfalt-Ampel : Schwule Ampelmännchen für Hamburg

So sieht eine der „Vielfaltampeln' aus, die heute im Hamburger Stadtteil St. Georg präsentiert wurde.
So sieht eine der „Vielfaltampeln" aus, die heute im Hamburger Stadtteil St. Georg präsentiert wurde.

Auch ein lesbisches Ampelpärchen steht für Vielfalt in St. Georg. Gibt es die Ampeln bald in Schleswig-Holstein?

shz.de von
13. Juli 2015, 17:00 Uhr

Hamburg | München hatte sie, Hamburg hat sie seit heute und Schleswig-Holstein auf absehbare Zeit gar nicht - Fußgängerampeln mit gleichgeschlechtlichen Pärchen statt dem üblichen Ampelmännchen. Die beiden Senatoren Katharina Fegebank (Grüne), für Gleichstellung zuständig, und Frank Horch (parteilos), für den Verkehr verantwortlich, haben in St. Georg in der Langen Reihe/Ecke Kirchenallee die erste sogenannte „Vielfaltampel" präsentiert. Auf der einen Straßenseite ist ein schwules, auf der anderen Seite ein lesbisches Paar zu sehen.

Fegebank sagte dazu: „Sie sind ein Signal für mehr Toleranz, Offenheit und Akzeptanz von gleichgeschlechtlicher Liebe in unserer Stadt.“ Ähnlich äußerte sich Horch.

Weitere Homo-Ampeln sind in Planung. Der Bezirk Wandsbek hat beschlossen, am Wandsbeker Markt eine Fußgängerampel entsprechend nachzurüsten. Die Kosten halten sich in Grenzen. Die so genannten Streulichter kosten 31 Euro pro Stück. Horchs Behörde hat zunächst neun dieser Aufsätze geordert.

Die Präsentation der neuen Bilder war in der Bürgerschaft durchaus umstritten. Ende Mai sagte der AfD-Abgeordnete Detlef Ehlebracht: „Ampeln dürfen nicht zweckentfremdet werden, um andere Inhalte zu vermitteln, schon gar nicht Inhalte einer einzelnen Partei zum Zwecke der Profilierung und vermeintlichen Punktesammlung in der Wählerschaft.“

Auch in der CDU schütteln einige den Kopf. Der Bürgerschaftsabgeordnete Dennis Thering findet jedenfalls, es gebe wichtigere Probleme in der Verkehrspolitik zu lösen: „Hamburg ist Stauhauptstadt Deutschlands, der ÖPNV ist an seiner Kapazitätsgrenze, und die Verkehrswege aus und in den Hafen müssen dringend ausgebaut werden.“

Die Hansestadt gehört zu den ersten Städten Deutschlands, die eine solche Vielfaltampel etabliert hat. Zuletzt wurden anlässlich des Christopher-Street-Days Ampeln in München für sieben Tage mit hetero- und homosexuellen Paaren umgestaltet. Ende Juni erreichte die Vielfaltampel auch Berlin.

imago/Bernd Friedel
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Seit Ende Juni gibt es auch gleichgeschlechtliche Ampelpärchen in Berlin-Lichtenberg.
 

In Schleswig-Holstein gibt es die neuen Sinnbilder auf den Fußgängerampeln aber so schnell nicht. Das bestätigte Harald Haase, Sprecher des Kieler Wirtschafts- und Verkehrsministeriums, auf Nachfrage. „Die Idee der schwulen/lesbischen Ampelpärchen ist bisher weder auf Landes- noch auf Bundesebene ein ernsthaftes Diskussionsthema gewesen“, sagte er. „In Schleswig-Holstein gibt es bislang keine Ambitionen in diese Richtung.“ Wenn jedoch eine Stadt oder Kommune mit diesem Ansinnen liebäugelt, sei das Land dafür durchaus offen, betonte Haase.

Denn solche Abweichungen von den gängigen Sinnbildern an den Ampeln müssen per Ausnahmeregelung genehmigt werden, berichtete Haase. Denn in den Richtlinien für Lichtsignalanlagen seien lediglich die Sinnbilder „Fußgänger“ - also auch das Ost-Ampelmännchen - und „Radverkehr“ vorgesehen. 

In Österreich sind gleichgeschlechtliche Ampel-Sinnbilder bereits etabliert: Dort zeigen in Wien seit Mitte Mai rund 50 Ampel-Pärchen (hetero, schwul und lesbisch) den Passanten an, ob sie die Straße überqueren dürfen.

imago/Eigner Europa
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Seit einigen Wochen gibt es in Wien rund 50 Ampelpärchen.

Anlass dafür waren der Life Ball, die europaweit größte Benefizveranstaltung zu Gunsten HIV-infizierter und AIDS-erkrankter Menschen, der Eurovision Song Contest und die Regenbogenparade, um auf diese Weise für mehr Toleranz zu werben.

Auch in anderen Ländern gab und gibt es teils skurrile Sinnbilder auf den Fußgängerampeln:

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Ästhetisch: Ein Ampelmännchen aus der Mongolei.
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Mit Gehstock sind einige Ampelmännchen in Dänemark ausgestattet.
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Hochhackige Schuhe und Pferdeschwanz haben einige Ampelfrauen in den Niederlanden.
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