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Reparaturstau : Sanierung von Straßen in SH: 900 Millionen Nachholbedarf

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Große Lastwagen und Schwertransporter setzen Straßen und Brücken im Norden immer mehr zu. Der Reparaturstau ist gewaltig. Bei der Vergabe öffentlicher Aufträge sieht der Baugewerbeverband gefährliche Fehlentwicklungen.

shz.de von
erstellt am 07.Sep.2015 | 17:02 Uhr

Neumünster | Für die Sanierung maroder Landesstraßen in Schleswig-Holstein hat sich nach Angaben des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr ein Nachholbedarf von 900 Millionen Euro aufgestaut. In den vergangenen 10 bis 15 Jahren seien aus Sparzwängen des Landes etwa 300 Millionen Euro weniger ausgegeben worden als eigentlich geplant. Die Folgen seien gravierend, sagte der Direktor der Behörde, Torsten Conradt, am Montag in Neumünster bei der Pressekonferenz zur Messe Nordbau, die am Mittwoch beginnt. Ein Schwerpunktthema sind dabei Brücken und Brückensanierung.

Hauptursache für den Verschleiß von Straßen und Brücken sei der extrem gewachsene Lastwagenverkehr in den vergangenen Jahrzehnten, betonten Conradt und der Vizepräsident der Architekten- und Ingenieurkammer Schleswig-Holstein, Harald Peter Hartmann. Allein die Zahl der Schwertransporte sei von 3000 auf inzwischen 50.000 pro Jahr gestiegen, wobei Windenergieanlagen ein wichtiger Faktor seien.

Für die Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal als Teil der Autobahn A7 ist laut Conradt ein maximale Belastung von 86 Tonnen zugelassen. „Zu wünschen wären aber 130 Tonnen“, sagte Conradt. Die Autobahnbrücke hält nach Ansicht von Experten nur noch elf Jahre, der Bund hat einen Neubau zugesagt.

Viele der in den 1960er und 70er Jahren gebauten Straßen und Brücken seien ursprünglich auf eine Lebensdauer von 80 bis 100 Jahre angelegt gewesen. Wegen des enorm gestiegenen und weiterhin steigenden Verkehrs sei bei Brücken und Straßen auf Nachhaltigkeit zu achten, also eine hohe Lebensdauer.

Negativ könnte sich dabei nach Ansicht von Conradt und Hartmann die neue EU-Vergaberichtlinie für öffentliche Aufträge erweisen, die 2016 in Deutschland in Kraft treten soll. Denn letztlich solle demnach der jeweils billigste Anbieter den Zuschlag erhalten. Es drohe die Gefahr, dass ausländische Unternehmen billig bauten, aber die Belastbarkeit von Straßen und Brücken nicht ausreichen werde.

Massive Kritik übte der Baugewerbeverband Schleswig-Holstein an Plänen der großen Koalition in Berlin, sogenannte Öffentlich-Private-Partnerschaften vom Autobahnbau auch auf Bundesfernstraßen auszuweiten. Es würden Vergabepakte in einer Größenordnung geschnürt, „dass sowohl Bauunternehmen aus dem klassischen Mittelstand als auch Bietergemeinschaften ausgeschlossen würden“, warnte Georg Schareck, Hauptgeschäftsführer des Baugewerbeverbandes Schleswig-Holstein.

„Die Grundvolumina für die Unterhaltungsmaßnahmen werden über 30 Jahre Laufzeit und mehr hochgerechnet und damit so groß, dass unser Mittelstand nicht mithalten kann“, erläuterte Schareck.

Allein wegen der Größe könnten die Maßnahmen nur von wenigen, größtenteils ausländischen Konzernen und nicht von der heimischen Bauwirtschaft umgesetzt werden. Der Mittelstand werde nicht angemessen beteiligt.

Auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Subunternehmer noch zum Zuge komme, sei gering. Trotz wiederholter Nachfragen sei unklar, wie viele Subunternehmer etwa beim Ausbau der A7 beauftragt worden seien.

Mehr Infos zum A7-Ausbau www.shz.de/a7

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