Jahresbericht : Rüstungsindustrie in SH: Mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz in 2017

Ein U-Boot in der Werft.

Ein U-Boot in der Werft.

Einige Unternehmen veröffentlichen keine Zahlen, weshalb der Gesamtumsatz nur geschätzt werden kann.

shz.de von
17. August 2018, 14:11 Uhr

Kiel | Die Rüstungsindustrie in Schleswig-Holstein hat im vergangenen Jahr mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz gemacht. Eine genauere Gesamtzahl lasse sich nicht nennen, da einige Unternehmen ihre Umsätze nicht mitteilten, sagte der Vorsitzende des Arbeitskreises Wehrtechnik Schleswig Holstein, Dieter Hanel, am Freitag in Kiel. Er stellte den Jahresbericht 2018 vor mit Zahlen für 2017. 2016 hatte der Gesamtumsatz im Bereich Wehrtechnik in Schleswig-Holstein knapp 2,1 Milliarden Euro betragen.

Laut Hanel waren 2017 rund 6200 Mitarbeiter bei 29 Unternehmen direkt im Rüstungsbereich beschäftigt - etwa genauso viele wie im Jahr 2016. Seit 2001 stieg die Beschäftigtenzahl um 28,4 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten im Rüstungsbereich in Schleswig-Holstein sei in den vergangenen 25 Jahren, in denen der Jahresbericht erhoben werde, nie höher gewesen, betonte Hanel. Besonders in Kiel habe die Branche eine große Bedeutung. Dort seien die Industriearbeitsplätze drastisch zurückgegangen auf rund 11.000, während im Bereich Wehrtechnik seit dem Jahr 2000 die Zahl der Arbeitsplätze um 42 Prozent auf 4833 gestiegen sei.

Die wirtschaftliche Lage bewerten die Wehrtechnik-Unternehmen „sehr unterschiedlich“, wie eine Konjunkturumfrage des Arbeitskreises bei den Mitgliedsunternehmen ergab. Während die mittleren und kleineren Unternehmen positive Umsatzerwartungen haben, herrscht bei größeren eher Skepsis – sie rechnen mit stagnierenden und teils rückläufigen Umsätzen. Mittlere und kleiner Unternehmen planen Neueinstellungen, drei größere erwägen einen leichten Personalabbau. „Bei den Investitionsplanungen hingegen stehen Zeichen auf Durchstarten“, sagte Hanel. „Das Investitionsniveau steigt.“ Politischen Handlungsbedarf sieht die Rüstungsbranche auf mehreren Feldern. Zunehmend Probleme gebe es bei Ausfuhrgenehmigungen vor allem in den Mittleren Osten, aber auch in Nicht-Embargoländer wie Pakistan und Thailand oder in das Nato-Land Türkei. Mit im Schnitt sieben Monaten – in Einzelfällen sogar bis zu zwei Jahre – seien die Bearbeitungszeiten von Ausfuhranträgen zu lang.

Zur Sicherung der Chancengleichheit im internationalen Wettbewerb seien außerdem harmonisierte europäische Exportrichtlinien notwendig, sagte Hanel. Ein Nachteil für deutsche Unternehmen seien die Offset-Gesetze, die außer Deutschland fast alle anderen Staaten hätten. So müssten im Gegenzug für Rüstungsaufträge in dem Auftragsgeberland Gegenschäfte in gleicher Höhe getätigt werden.

Berlin solle darauf dringen, dass solche Gesetze abgeschafft werden. Deutschland sollte, so eine weitere Forderung Hanels, auf europaweite Ausschreibungen verzichten, wo dies zum Erhalt der Schlüsseltechnologien erforderlich sei. Dies müsse auch gelten für schnelle Reparaturen etwa von für die nationale Sicherheit wichtigen Marineschiffen.

Hanel unterstrich die große Bedeutung der Kieler Werften im Marineschiffbau. Sie seien international wettbewerbsfähig und in einigen Bereichen wie dem konventionellen U-Bootbau-Marktführer. Dies sollte die Bundesregierung bei der Vergabe des größten Marineauftrags – das Mehrzweckkampfschiff 180 – berücksichtigen. Im Rennen sind noch ein niederländischer Konkurrent und die Kieler Werft German Naval Yards, die mit der Kieler Werft TKMS als Unterauftragnehmer kooperieren will. Mit einer Entscheidung über den bis zu vier Milliarden Euro großen Rüstungsauftrag wird im Frühjahr gerechnet.

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