Kommentar : Rader Hochbrücke: Das Drama über dem Kanal

Die 1498 Meter lange Rader Hochbrücke überquert den Nord-Ostsee-Kanal.
Die 1498 Meter lange Rader Hochbrücke überquert den Nord-Ostsee-Kanal.

Die Rader A7-Hochbrücke verfällt schneller als befürchtet – und gefährdet andere Großprojekte im Land. Ein Kommentar von Henning Baethge.

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22. März 2014, 13:27 Uhr

Was zu befürchten war, bewahrheitet sich jetzt: Die Teilsperrung der Rader Hochbrücke im letzten Jahr und die Reparatur ihrer bröselnden Betonpfeiler waren nur Vorboten eines viel größeren Dramas: Die Autobahnbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal ist in den 42 Jahren seit ihrer Eröffnung so schnell verfallen, dass sie fast am Ende ist. Noch zwölf Jahre, dann muss ein neues Bauwerk für die A7 her. Das klingt nach viel Zeit – doch in Wirklichkeit ist das bedrohlich wenig: Angesichts des langen Planungsvorlaufs bei Großprojekten kann in so kurzer Spanne kaum eine neue Brücke oder ein neuer Tunnel entstehen.

Auf jeden Fall darf Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt keine Zeit mehr verlieren. Will er nicht riskieren, dass sich der gesamte Verkehr zwischen Hamburg und Flensburg bald durch den Kanaltunnel in Rendsburg zwängen muss, sollte er mit der Planung für einen Ersatzbau sofort beginnen. Und er sollte dabei einen weitsichtigen Vorschlag seines Kieler Kollegen Reinhard Meyer bedenken: Der will statt einer neuen Brücke einen Tunnel bauen, und nicht nur Autos, sondern auch Züge hindurchrollen lassen. Das wäre zwar teuer für den Bund, wohl mehr als eine Milliarde Euro – aber immer noch billiger, als in 30 Jahren auch noch den fälligen Ersatzbau für die hundert Jahre alte Rendsburger Eisenbahnhochbrücke zu bezahlen. Zudem würde der Bahnverkehr auf der Jütlandlinie beschleunigt.

Der Preis für das Land könnte allerdings hoch sein: Falls Schleswig-Holstein in den nächsten Jahren tatsächlich den milliardenschweren Nord-Ostsee-Kanal-Tunnel für die A7 und für den Bahnverkehr erhält, dürfte sowohl das Geld für den ebenfalls milliardenschweren Tunnel auf der Küstenautobahn A20 fehlen als auch für eine neue Schienentrasse zum Fehmarnbelt, mit der die dort bald rollenden Güterzüge um Ostholsteins Seebäder herumgeführt würden. Das wären dann noch schlechtere Nachrichten für Minister Meyer als der üble Zustand der Rader Hochbrücke. 

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