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Tunnel nach Deutschland : Neue Zahlen aus Dänemark: Fehrmarnbeltquerung zum Schnäppchenpreis

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Aus der Onlineredaktion

Ein flexiblerer Zeitplan und geringere Kosten: Die dänische Regierung will kritische Stimmen heute verstummen lassen.

Kopenhagen/Kiel | In Dänemark ist die Unterstützung für den milliardenschweren Tunnel-Bau unter dem Fehmarnbelt ins Wackeln geraten. Die neue Kostenrechnung, die am Nachmittag von der Regierung nach der Kabinettssitzung in Kopenhagen präsentiert wird, dürfte die lautstärker werdenden Skeptiker allerdings etwas besänftigen. Laut einem Bericht der „Lübecker Nachrichten“ wird der 17,6 Kilometer lange Tunnel deutlich billiger als noch Ende 2014 veranschlagt. Allerdings wird sich die Bauzeit auch deutlich verlängern – ein kritischer Punkt, der die Lust der dänischen Parlamentarier an dem gigantischen Plan schwinden lässt.

Nachdem die Fertigstellung des Tunnels zwischen Fehmarn und der dänischen Insel Lolland lange für 2021 vorgesehen war, wurde zuletzt 2024 avisiert. Den Bau des rund 19 Kilometer langen Tunnels finanziert Dänemark allein.

Laut den letzten offiziellen Zahlen von Ende 2014 sollte der Tunnel zwischen Puttgarden und Rødby noch knapp 7,4 Milliarden Euro kosten. Nachdem im Herbst schon inoffiziell die Rede von nur noch 6,2 Milliarden war – was von den Planern später als Missverständnis deklariert wurde –, soll die Querung nun für knapp unter 6 Milliarden zu haben sein. Der Zweifel ist trotzdem gewachsen, ob die teuerste Investition der dänischen Staatsgeschichte ökonomisch überhaupt noch vernünftig ist. Kopenhagen muss zudem voraussichtlich nur der Hälfte der eingeplanten EU-Mittel zurechtkommen.

Für die Unterstützer kommen die neuen Zahlen als politischer Joker zur richtigen Zeit. Doch in Kopenhagen geht es heute um weitaus mehr als um die Finanzierung. Knackpunkt ist ein neuer Zeitplan der Regierung, der wohl vorgestellt wird. Dieser beinhaltet laut Medienberichten, dass der Bau des Tunnel frühestens 2026/27 fertig wird. Langsameres Bauen spart zwar Kosten, nährt aber die Bedenken, ob die 2008 zwischen Deutschland und Dänemark per Staatsvertrag abgemachte Querung von Fehmarn nach Lolland überhaupt noch Wirklichkeit werden kann. Eine weitere Verschiebung scheint unumgänglich, wäre politisch aber schwer vermittelbar.

Vor allem die Langsamkeit der Planung in Deutschland erstickt die Euphorie der Dänen. Hierzulande sind mehr als 3000 Einwendungen gegen das Projekt zu berücksichtigen. Der Planfeststellungsbeschluss liegt deshalb wohl erst 2017 vor. Und auch die deutsche Bahnanbindung kommt später als erwartet.

Dänemark und seine Verhandlungspartner brauchen nun Planungssicherheit. Bis zum 1. Mai muss entschieden werden, wie sie mit dem neuen Angebot für das Mammut-Projekt umgehen. Sie könnten ein Zeichen setzen und die Auftrag vergeben, obwohl die Deutschen den Bau noch nicht genehmigt haben. Das würde zwar die Opposition stärken, aber es gäbe in jedem Fall eine politische Mehrheit. Die Alternative wäre, sich das „Schäppchen“ durch die Lappen gehen zu lassen und das Projekt ein paar Jahre nach hinten zu verschieben.

 

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erstellt am 11.Feb.2016 | 12:09 Uhr

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