Hotspots auf heutiger NOB-Strecke : Mit WLAN von Hamburg nach Sylt: Land plant Internet im Regionalzug

Verkehrsminister Reinhard Meyer will kostenloses WLAN zum Standard im Regionalverkehr machen. Den Anfang macht die Marschbahn von Hamburg nach Sylt.

shz.de von
22. Januar 2015, 12:07 Uhr

Kiel | Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat es am Mittwoch gefordert – in Schleswig-Holsteins Regionalzügen soll es bald Wirklichkeit werden: Reisende sollen im Nahverkehr gratis schnelles Internet nutzen können. „Wir wollen kostenloses WLAN langfristig zum Standard im Regionalverkehr machen“, kündigte der Kieler Verkehrsminister Reinhard Meyer postwendend gegenüber shz.de an.

Den Anfang will der Sozialdemokrat auf der Marschbahn zwischen Hamburg und Sylt machen: Die Linie ist vom Land letztes Jahr ausgeschrieben worden und soll ab Dezember 2016 neu vergeben werden. Dabei ist vorgesehen, dass der zum Zuge kommende Anbieter den Fahrgästen neben anderen Serviceverbesserungen auch draht- und kostenlosen Netzzugang ermöglicht.

Als Marschbahn wird die Hauptstrecke zwischen Elmshorn und Westerland auf Sylt bezeichnet. Sie ist Teil der 237 Kilometer langen Strecke vom Bahnhof Hamburg-Altona bis auf die Insel. Die Gleise gehören der Deutschen Bahn. Das Passagieraufkommen auf dieser Strecke beläuft sich auf etwa fünf Millionen Reisende jährlich. Seit 2005 hat die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) die Betriebsrechte für den Regionalverkehr zwischen Hamburg-Altona und Sylt. Die Fahrzeit beträgt etwa drei Stunden. Die Züge fahren stündlich. Seit langem ist eine Verkürzung der Fahrzeit auf höchstens zweieinhalb Stunden Diskussionsthema. Für den Sommerfahrplan ab dem 28. März 2015 ist eine Fahrzeit von zwei Stunden und 44 Minuten angepeilt.

Interessierte Verkehrsunternehmen können sich noch bis um 2. März 2015 für den Verkehr auf der Marschbahn bewerben. Die Angebote müssen nach Angaben der LVS (Landesweite Verkehrsservicegesellschaft) bis zum 2. März 2015 eingehen. Der Zuschlag soll bis Mitte 2015 erteilt werden. Betriebsstart ist im Dezember 2016. NOB-Geschäftsführerin Martina Sandow sagte im Juni in Husum: „Die NOB erwartet die Ausschreibung der Marschbahn in diesem Jahr und wird natürlich versuchen, die Strecke zu verteidigen.“

Die technischen Voraussetzungen für WLAN entlang der Strecke hat Meyer laut seinem Sprecher bereits prüfen lassen: Abgesehen von einem Funkloch bei Burg in Dithmarschen würde WLAN in der Marschbahn bei entsprechender Ausrüstung der Züge schon jetzt funktionieren. Unsicher sind allerdings noch die finanziellen Voraussetzungen: Zusatzangebote wie das kostenlose Internet könne das Land nur bezahlen, „wenn der Bund uns weiterhin genug Regionalisierungsmittel für den Nahverkehr zahlt“, sagte Meyer. Derzeit streiten Bund und Länder darüber: Während der Verkehrsausschuss des Bundesrats am Mittwoch einstimmig eine Erhöhung der Mittel auf 8,5 Milliarden Euro in diesem Jahr forderte, will Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sie bei 7,3 Milliarden einfrieren.

Bahnkunden können im überregionalen Verkehr bereits seit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2014 in der ersten Klasse der ICE-Züge der Deutschen Bahn auf WLAN zurückgreifen. Der drahtlose Internetzugang ist eine der wichtigsten Neuerungen und im Fahrpreis inbegriffen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt reicht das nicht: „Es genügt nicht, nur den Fernverkehr auszurüsten, auch Regionalzüge und S-Bahnen müssen einen drahtlosen Internetzugang haben.“ Das schnelle Internet solle der Staatskonzern seinen Kunden kostenlos zur Verfügung stellen. Sowohl die Deutsche Bahn als auch ihre Konkurrenten im Regionalverkehr müssten sich auf die „sich verändernden Lebensrealitäten der Menschen einstellen und deswegen Mobilfunk und schnelles Internet in allen Zügen anbieten“.

Solange die Technik nicht so weit sei, wolle man Ärger vermeiden, meint dahingegen Bahnchef Rüdiger Grube „Die Telekom arbeitet mit Hochdruck an einer Lösung. Das kostenlose WLAN für alle kommt im Laufe des Jahres 2016“. Die Bahn verweist aber auch darauf, dass sie den Regionalverkehr, anders als den Fernverkehr, nicht eigenwirtschaftlich betreibe, sondern von den Ländern damit beauftragt werde. „Wenn WLAN in Regionalzügen gewünscht wird, muss zum einen die entsprechende Bordtechnik in der Ausschreibung der Verkehrsverträge berücksichtigt werden. Zum anderen muss aber auch entlang der Strecken die zwingend notwendige Mobilfunk-Infrastruktur verfügbar sein“, hieß es von der Bahn. „Bei entsprechender Bestellung rüsten wir gerne unsere Züge aus.“

Der Verband der deutschen Internetwirtschaft hat in einer Studie Anfang November veröffentlicht, dass es eine Million öffentlicher WLAN-Zugänge in Deutschland gibt. Von diesen Hotspots sind allerdings nur 15.000 frei und ohne Registrierung verfügbar. Das entspricht zwei freien Zugängen auf 10.000 Einwohner. Deutschland liegt damit noch hinter Südkorea, Großbritannien und den USA. Die digitale Agenda der Bundesregierung betont die Bedeutung von öffentlichem WLAN. Geändert hat sich allerdings noch nicht viel.

Der Grund liegt in der deutschen Rechtsprechung. Die sogenannte Störerhaftung, eine ungewöhnliche Rechtslage, sorgt für die vergleichsweise geringe Zahl freier Hotspots in Deutschland. Sie macht Unternehmer - in diesem Falle der Betreiber des Hotspots - oder Privatpersonen, die ihren WLAN-Hotspot für andere frei zugänglich machen verantwortlich für das, was ihre Nutzer - in diesem Falle die Fahrgäste - online machen. Für etwaige Schäden, die zum Beispiel durch das Herunterladen von Filmen oder Musik entstehen würde der Betreiber zwar nicht haften, jedoch ein teures Unterlassungsschreiben von einem Anwalt riskieren.

Daher ist auch das WLAN in den ICE-Zügen der Deutschen Bahn nicht völlig offen. In der ersten Klasse ist es kostenlos, dennoch wird der Zugang über ein Hotspot-Portal der Telekom erst nach der Eingabe von Benutzerdaten geöffnet. In der zweiten Klasse ist der Zugang noch kostenpflichtig. In Hotspots an Bahnhöfen wird eine Handynummer benötigt, um einen Registrierungscode zu erhalten.

Wie das WLAN in den Regionalzügen in Schleswig-Holstein funktionieren wird, ob es komplett offen ist und welcher Anbieter dahintersteht, ist dahingegen noch völlig ungeklärt, sagt Harald Haase, Pressesprecher im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie in Kiel. „Wir können frühestens zum Fahrplanwechsel 2016 weitere Details nennen.“ Sicher sei, dass das WLAN in den Regionalzügen - zu Beginn auf der Marschroute - kostenfrei nutzbar wird. „Alles weitere wird in der Ausschreibung festgelegt“, sagt Haase.

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