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Wildwechsel : Mehr Wildunfälle in SH

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Liebestolle Rehe und durch die Ernte aufgescheuchte Wildschweine kreuzen im Sommer vermehrt die Fahrbahn – auch die Zahl der Wildunfälle in Schleswig-Holstein steigt.

shz.de von
erstellt am 04.Aug.2014 | 12:16 Uhr

Kiel | Schleswig-Holstein schwitzt und denkt an Abkühlung in Nord- und Ostsee – aber doch nicht an Rehe und Wildschweine. „Sollte es aber“, meint Andreas Schober vom Landesjagdverband in Flintbek. „Das Wild ist jetzt sehr aktiv und die Autofahrer müssen noch mehr aufpassen als sonst“, so sein Rat. 

Gleich mehrere Gründe gibt es für die derzeit dramatisch erhöhte Unfallgefahr. Zum einen die Hitze: Duftstoffe, die die Ricke – das weibliche Reh – bei den hohen Temperaturen der vergangenen Tage produziert, locken den Bock auf ihre Fährte. „Er wird unvorsichtig und wechselt auch tagsüber über die Straße“, erklärt Schober. Noch bis Mitte August dauert die sogenannte Blattzeit. Auch Böcke, die ihre Konkurrenten aus dem Revier verjagen wollen, um die eigenen Chancen bei den scheuen „Damen“ zu erhöhen, machen vor Straßen nicht halt. Besonders gefährlich sind Verkehrswege, die zwischen Wald und Wiese verlaufen. Da sind Wohnzimmer und Esszimmer der Rehe praktisch voneinander getrennt.

Zu allem Überfluss sorgt die Erntezeit für Unruhe bei den Tieren. Wenn Mähdrescher die Felder abernten, geht für Rehe aber auch für Wildschweine der natürliche Schutz verloren. Wildschweine wechseln dann ins Unterholz oder in den Wald, Rehe mit Vorliebe auch in Knicks, wo sie derzeit einen reich gedeckten Tisch vorfinden. Vor allem ihrer Lieblingsspeise: Himbeeren.

„Autofahrer sollten deshalb derzeit nicht nur dort erhöhte Wachsamkeit walten lassen, wo Warnhinweise auf Wildwechsel aufgestellt sind, sondern auch dort, wo Knicks die Straßen säumen oder Mähdrescher im Einsatz sind“, mahnt Schober. Die blauen Reflektoren an den Straßenbegrenzungspfählen mindern die Gefahr derzeit kaum, weil sie bauartbedingt nur zur Nacht das Licht der Autoscheinwerfer reflektieren und das Wild vom Straßenwechsel abhalten, erläutert Schober. „Tagsüber funktioniert das nicht.“

Die Zahl der Wildunfälle sei „leicht  angestiegen“, auch weil das Revier der Tiere immer häufiger durch neue Straßen zerschnitten werde, heißt es beim Landesjagdverband. Laut ADAC kollidiert in Deutschland alle 2,5 Minuten ein Auto mit Wild. Das Wichtigste bei einem Wildunfall: Die Unfallstelle sichern und sofort die Polizei benachrichtigen. Erst nach einer Begutachtung durch Polizei oder Jäger wird die Wildunfallbescheinigung ausgestellt und das angefahrene Tier fachgerecht abtransportiert. In diesem Zusammenhang weist Schober darauf hin, dass ein Wildunfall immer meldepflichtig ist: „Das ist eine gesetzliche Verpflichtung und kein Kavaliersdelikt.“ Der ADAC rät Fahrern, die ein Tier am Fahrbahnrand oder auf der Straße sehen, es auf keinen Fall mit Lichtsignalen zu blenden. Stattdessen sollte versucht werden, es durch Hupen zum Rückzug zu bewegen. Gut zu wissen: Ein Tier kommt selten allein – es muss besonders bei Wildschweinen, die aus der Deckung von Maisfeldern vertrieben werden, mit „Nachzüglern“ gerechnet werden. Ist ein Zusammenprall unvermeidbar: Lenkrad festhalten, Spur halten und stark bremsen – Auf keinen Fall ausweichen! Ausweichmanöver sind riskant und gefährden den Gegenverkehr, die Gefahr für Fahrer und Mitfahrer steigt enorm. Zudem kommt die Kfz-Versicherung für Unfälle, die durch Ausweichmanöver wegen eines Wildtieres passieren, in der Regel nicht auf.

Wildunfälle in Zahlen

Bundesweit wurden in der Saison 2012/13 knapp 210.000 Wildunfälle gezählt – sieben Prozent mehr als in der Saison davor. Dabei kamen 20 Menschen ums Leben, etwa 3000 wurden verletzt, den Schaden beziffert der Verband auf rund eine halbe Milliarde Euro. In Schleswig-Holstein registrierte die Landespolizei 2013 mehr als 11.000 Unfälle mit Wild, Tendenz steigend.

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