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Zunehmende Autodichte : Mehr Autos in SH: Die Straßen werden immer voller

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

50 neue Fahrzeuge kommen jeden Tag auf Schleswig-Holsteins Straßen. Ein Experte fordert die Abschaffung der Pendlerpauschale.

Flensburg/Kiel | Deutschland ist Land der Autofahrer. Doch nur in wenigen Regionen wächst die Liebe zum Pkw so stark wie in Schleswig-Holstein. Die Autodichte im Norden steigt – und das kräftig. Nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) in Flensburg nahm sie von 2009 bis 2015 um 9,5 Prozent zu. Einen stärkeren Anstieg hat es in diesem Zeitraum nur im Saarland, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gegeben – also in Regionen, die weitaus mehr als der „echte Norden“ vom Autobau profitieren.

553 Fahrzeuge kommen in Schleswig-Holstein gegenwärtig auf 1000 Einwohner. Nur in sechs von 16 Bundesländern ist dieser Wert größer. 2009 lag das nördlichste Bundesland noch auf Rang acht. Wie es zu der immer weiter steigenden Autodichte kommt, kann im Kieler Verkehrsministerium nicht beantwortet werden. Auch der ADAC tut sich mit Erklärungen schwer. „Einer der Hauptgründe ist die Autoabhängigkeit“, sagt Daniel Moser von Greenpeace in Hamburg. 1,55 Millionen Personenkraftwagen waren in Schleswig-Holstein im Januar dieses Jahres zugelassen – ein Plus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 2009 ist Zahl um 8,4 Prozent oder mehr als 120.000 Pkw gestiegen. Rechnerisch kommen jeden Tag also mehr als 50 neue Autos im Norden hinzu.

„Alternativkonzepte gibt es in Deutschland sehr wenige“, kritisiert Verkehrsexperte Moser. Auch klimapolitisch ist das ein Problem – denn das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine halbe Million E-Autos über die Straßen rollen zu lassen, erscheint äußerst ambitioniert. Zuletzt waren nur 500 Elektroautos in Schleswig-Holstein zugelassen, 19.000 bundesweit. Nach Mosers Einschätzung ist die Verkehrswende genauso vernachlässigt worden wie die Wärmewende. „In beiden Sektoren sind die Lösungen Netzwerktechnologien“, sagt er – im Falle des Verkehrs also Bus- und Bahn, bei der Wärme Gas und Fernwärme.

Die Politik setzt derweil vor allem auf Entlastung. Doch Projekte wie den A7-Ausbau sieht der Greenpeace-Vertreter skeptisch. „Sobald mehr Kapazitäten geschaffen sind, werden sie die Leute auch nutzen.“ Steuerliche Erleichterungen wie die Pendlerpauschale hält Moser für kontraproduktiv. „Die Pendler liegen der ganzen deutschen Gesellschaft auf der Tasche“, sagt er. Die Pauschale gehöre abgeschafft.

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