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Diskussion um verdeckte Blitzer : Kommentar: Keine freie Bahn für Raser

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Piraten und FDP fordern die Abschaffung verdeckter Blitzer: Ein vernünftiger Vorschlag, aber keine Garantie für mehr Sicherheit, sagt Redakteur Jan Wrege.

Notorische Sammler von Punkten im Flensburger Fahreignungsregister mögen den Vorstoß von FDP und Piraten bejubeln: Vor Geschwindigkeitskontrollen soll künftig gewarnt werden. Aber Vorsicht: Es geht nicht allgemein um freie Bahn für Raser, sondern darum, dass Kommunen keine Radarfallen mehr aufstellen dürfen. Sie sollen die Überwachung mit entsprechender Beschilderung ankündigen.

Das ist ein vernünftiger Vorschlag, aber keine Garantie für mehr Verkehrssicherheit. Immerhin könnte die Akzeptanz der Kontrollen gesteigert werden. Der Vorwurf der Wegelagerei zum Füllen klammer kommunaler Kassen würde sich erledigen. Denn wer neben der vorgeschriebenen Geschwindigkeit auch noch die explizite Warnung vor dem Blitzer ignoriert, hat wirklich selbst schuld. Die meisten Autofahrer werden auf die Bremse steigen, wenn   eine Tempomessung droht. Die Unbelehrbaren werden herausgefischt – wie beim bundesweiten Blitz-Marathon im September. Der wurde unter medialem Getöse angekündigt und trotzdem fanden sich 93.000 flotte Bußgeld-Spender.

Die Polizei soll laut FDP und Piraten weiterhin mit  Überraschungsblitzern aufwarten – und dann unmittelbar auf den gestellten Temposünder erzieherisch einwirken. Richtig: Der Überwachungsdruck durch unkalkulierbare Kontrollen muss bleiben. Ob aber die personalintensive „Erziehung“ funktioniert, ist fraglich. Die prinzipiell Vernünftigen, die einmal aus Schusseligkeit in die Falle rauschen, brauchen den mahnenden Zeigefinger nicht, die anderen  werden sich maßlos ärgern und vielleicht auf dem nächsten freien Stück erst recht auf die Tube  drücken.

Schließlich ist noch festzustellen, dass „schnelles“ Fahren allein noch kein besonderes Risiko begründet. Geschwindigkeit ist relativ, bei jedem Unfall ist Bewegung im Spiel. 30 oder 40 km/h können in gewissen Situationen zu viel sein und 160 auf freier Autobahn problemlos. Unfallursache ist immer unangepasstes Tempo. Da möge ein jeder seine individuellen Fähigkeiten auf den Prüfstand stellen.

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erstellt am 29.Okt.2014 | 07:22 Uhr

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