Plakette verweigert : Jedes fünfte Auto fällt in Schleswig-Holstein durch den Tüv

Beim Test der Beleuchtungsanlage fallen immer noch viele Fahrzeuge durch.
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Licht und Elektrik liegen bei den erheblichen Mängeln ganz vorne. Symbolbild.

Sogar jedes dritte Fahrzeug hat Mängel. Die Prüfer sprechen trotzdem von einem „erfreulichen Ergebnis“.

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08. Januar 2018, 06:43 Uhr

Kiel | Jedes dritte Auto in Schleswig-Holstein hat Mängel, jedes fünfte fällt bei der Tüv-Hauptuntersuchung sogar durch. Das geht aus dem neuen Tüv-Report für Norddeutschland hervor. Die Zahlen erschrecken, die Prüfer sprechen trotzdem von einem „erfreulichen Ergebnis“.

Laut Kraftfahrtbundesamt mussten vergangenes Jahr landesweit eine Million Pkw, Lkw und Motorräder zur Hauptuntersuchung. Bei 131.000 Fahrzeugen wurden geringe Mängel gefunden, bei 231.000 waren sie erheblich. Hier wurde die Plakette verweigert, die Halter mussten zur Nachprüfung.

„Licht und Elektrik liegen bei den erheblichen Mängeln ganz vorne“, sagt Rainer Camen vom Tüv-Nord. „Obwohl die Reparatur der Beleuchtung eigentlich ganz einfach ist.“ Auf der Mängelliste folgen die Punkte Umweltbelastung, Achsen, Räder, Reifen und schlechte Bremsen.

Die Rangordnung gilt für alle Altersklassen, wobei die Zahl der Probleme bei älteren Autos deutlich steigt. Besteht von den fünf Jahre alten Autos nur jedes zehnte wegen erheblicher Mängel die Tüv-Prüfung nicht, sind es bei den Elfjährigen mehr als jedes vierte. Für 776 Rostlauben, die in Schleswig-Holstein zum Tüv-Termin vorfuhren, gab es keine Rettung mehr, sie wurden sofort stillgelegt.

Fahrzeuge werden immer älter

Im Bundesschnitt haben 19,9 Prozent aller Autos bei der Hauptuntersuchung erhebliche Mängel, in Schleswig-Holstein sind es laut Tüv-Nord jedoch 25 Prozent. Der ADAC erklärt das mit den höheren Kilometerständen der vielen Berufspendler. Camen sieht auch einen „Sparfuchsfaktor“: „Es kann ja kostengünstiger sein, sich zunächst vom Tüv alle Mängel auflisten zu lassen und damit ausgerüstet dann Werkstatt-Angebote einzuholen.“

Fakt ist: Die Autos in Deutschland werden immer älter. Zur Jahrtausendwende betrug das durchschnittliche Alter noch 6,9 Jahre. Heute sind es 9,3 Jahre. „Fast 40 Prozent aller Pkw sind sogar älter als zehn Jahre und anfälliger für Mängel“, sagt Joachim Bühler vom Tüv-Verband. Trotzdem sehen die Prüfer einen positiven Trend: Die Zahl der erheblichen Mängel ist nun schon zum vierten Mal in Folge leicht zurückgegangen.  

Die Erklärung dafür sei, dass Autofahrer sich in wirtschaftlich guten Zeiten mehr um Wartung und Pflege kümmerten. Und: Die Fahrzeuge seien generell langlebiger geworden, ein Auto halte heute dreimal länger als noch im Jahr 1960. Allerdings fordert der Tüv von den Herstellern, sie müssten auch für die Langlebigkeit bei Klein- und Mittelklassewagen sorgen.

Deutsche Hersteller am zuverlässigsten

Bei der Zuverlässigkeit haben laut Tüv-Report die deutschen Autohersteller die Nase vorn. Der Mercedes SLK siegte in der Altersgruppe der drei Jahre alten Fahrzeuge, die B-Klasse bei den Fünfjährigen und der Porsche 911 in den Altersgruppen sieben bis elf Jahre. Schlusslicht bei den Dreijährigen war der Kia Sportage.

Der Peugeot 206 erhielt die rote Laterne bei den fünf Jahre alten Autos und der Chevrolet Aveo bei den Siebenjährigen. Bei den neun Jahre alten Autos war es der Chevrolet Matiz und bei den Elfjährigen sind es Ford Ka und Ford Galaxy.

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