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Westküsten-Strecke : Gegen Stau: SSW fordert „kleine Schwester“ für A7

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Die A7 soll eine kleine Schwester bekommen - das verlangt der SSW. Eine Westküstenmagistrale könnte Probleme auf der staugeplagten Nord-Süd-Autobahn auffangen und die Region besser an die großen Verkehrsnetze anbinden. Aber wie realistisch ist das Ganze? 

shz.de von
erstellt am 20.Apr.2014 | 12:45 Uhr

Kiel | Parallel zur A7 sollte nach dem Willen des SSW in Schleswig-Holstein eine rund 120 Kilometer lange Westküstenmagistrale gebaut werden. „Damit hätten wir eine Notlösung für den Fall, dass die A7 einmal nicht funktioniert, und wir würden die Westküste viel besser anbinden“, sagte SSW-Fraktionschef Lars Harms. Er verwies auf Überlegungen in Dänemark, eine Westküstenautobahn bis Tondern (Tønder) nahe der deutschen Grenze zu bauen. Diese könnte dann in Schleswig-Holstein parallel zu Westküste und A7 bis zur A23 weitergeführt werden, mit Anschluss an die A20 und die geplante Elbquerung westlich von Hamburg.

Die Koalitionspartner von SPD und Grünen zeigten sich nur mäßig begeistert von der Idee - im Gegensatz zur oppositionellen CDU. Der CDU-Landesvorsitzende Reimer Böge begrüßte den SSW-Vorstoß als eine Bewegung hin zu Positionen der Union. Er habe schon im Februar 2013 die Möglichkeiten der EU-Förderung für grenzüberschreitende Verkehrsprojekte einschließlich von Pilotprojekten des privaten und öffentlichen Engagements eingefordert, hieß es in einer Mitteilung des Europaabgeordneten. „Die Reaktion des Verkehrsministeriums war von Überforderung gekennzeichnet.“  In der eigenen Koalition stieß der SSW nicht auf viel Gegenliebe.

Unter Hinweis auf die anstehenden teuren Verkehrsprojekte fiel die Reaktion des SPD-geführten Verkehrsministeriums sehr zurückhaltend aus. Ähnlich reserviert reagierte der Grünen-Koalitionspartner des SSW. „Ich finde auch, dass die Westküste besser erschlossen werden muss“, sagte Fraktionschefin Eka von Kalben. Es bleibe aber beim Prinzip „Erhalt vor Neubau“, weil jeder Euro nur einmal ausgegeben werden könne. „Wir haben das Gefühl, im Moment wird viel über Neubauten gesprochen, zum Teil muss man sich aber fragen, woher das ganze Geld kommen soll.“ Auf diese Frage präsentierte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) über Ostern eine aus seiner Sicht mögliche Antwort: Er forderte die Erhebung einer Sonderabgabe von allen Autofahrern. Diese soll ausschließlich in Reparatur und Wartung von Straßen und Infrastruktur fließen. „Am Ende werden wir in irgendeiner Form alle Nutzer heranziehen müssen“, sagte der SPD-Politiker der Tageszeitung „Die Welt“ (Dienstag).

„Der SSW hat sich immer für eine kreuzungsfreie Strecke zwischen der dänischen Grenze und der A23 ausgesprochen“, erläuterte Harms die SSW-Vorstellungen. Dies müsse nicht notgedrungen eine Autobahn sein, zumal Autobahnen eine sehr lange Planungszeit haben. Es müsse aber eine leistungsfähige Straße samt Kreisverkehren sein, die größere Lastwagen- und Pkw-Verkehre aufnehmen kann. Unter Hinweis auf die wochenlange Sperrung der Rader Hochbrücke für Lastwagen im vergangenen Sommer sagte Harms, derart schwere Probleme an der A7 könnten die Wirtschaft in Deutschland, Dänemark und Norwegen schwer beeinträchtigen.

Kostenschätzungen für eine Westküstenmagistrale gebe es noch nicht, sagte Harms. Es sei ja auch noch nicht klar, wie ein solches Projekt genauer aussehen könnte. Aber: „Auch wenn es eine dreistellige Millionensumme kosten würde, wäre das immer noch ein Discountpreis gegenüber dem Milliardenprojekt Fehmarnbelt-Querung.“ Aus Sicht des SSW käme die Strecke auch wesentlich günstiger, wenn sie bei der EU als gemeinsames deutsch-dänisches Projekt angemeldet würde. Ein solches würde mit einer höheren Förderquote unterstützt.

„Wir meinen, das ist sehr realistisch“, sagte Harms zu den Erfolgschancen. Wenn der Bund keinen Straßen- und Schienentunnel als Ersatz für die Rader Hochbrücke wolle, müsse es eine Ersatzstrecke für die A7 geben. „Die Dänen sind für diese Idee sehr offen und schlagen sie selber vor“, sagte der SSW-Fraktionschef. Vor dem Hintergrund, gemeinsame europäische Netze schaffen zu wollen, sei es etwas anderes, als nur in Deutschland Punkt A und Punkt B miteinander zu verbinden. „Diese Verkehrsverbindung hat internationale Qualität und gute Chancen auf Umsetzung. Man muss es nur wollen.“  Prognosen gingen davon aus, dass sich das Nord-Süd-Verkehrsaufkommen in den nächsten 20 Jahren verdoppeln wird, sagte Harms. Damit drohten noch mehr Staus auf der A7. „Wir werden also ohnehin etwas tun müssen.“

Die A7 soll von diesem Herbst an so ausgebaut werden, dass es zwischen Hamburg und dem Bordesholmer Dreieck in beiden Richtungen drei Spuren geben soll statt zwei. Berechnungen in Dänemark hätten ergeben, dass es dort je Kilometer billiger sei, eine neue Autobahn zu bauen, als die bestehende E45 (Fortsetzung der A7) auszubauen, sagte Harms. „Wir vermuten, dass dies auf deutscher Seite sehr ähnlich ist.“

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