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Verkehr : Fernbusse: Vom Gleis auf die Straße

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Land ist im Fernbus-Fieber. Immer neue Linien entstehen und sorgen damit bei Bahn und Mitfahrzentralen zunehmend für Ärger und Kopfzerbrechen.

shz.de von
erstellt am 21.Apr.2014 | 00:00 Uhr

Berlin/Kiel | Vor etwas mehr als einem Jahr wurde der Markt für innerdeutsche Fernbuslinien liberalisiert – und ist seitdem regelrecht explodiert. Innerhalb der letzten sechszehn Monate hat die Zahl der Verbindungen um 250 Prozent zugenommen, rund 5500 Fahrten finden inzwischen in der Woche statt. Der große Verlierer dieser Entwicklung ist die Bahn. Dies geht aus Zahlen des Marktforschungsinstituts IGES in Kooperation mit dem Vergleichsportal fahrtenfuchs.de hervor. 44 Prozent aller Fernbus-Fahrgäste wechselten demnach von den Fern- und Nahverkehrszügen zu den Buslinien. Nach Angaben von IGES ist die Studie die erste anbieterübergreifende zu dem jungen Markt. „Vor allem die günstigen Ticketpreise, die Anbindung auch kleinerer und mittelgroßer Städte sowie die Vielzahl umsteigefreier Verbindungen sind die Gründe, warum Bahnkunden in Fernbusse wechseln“, sagt Christoph Gipp, Bereichsleiter Mobilität am IGES Institut.

Trotz aller Euphorie nimmt sich die Gesamtzahl an Fernbus-Kunden aber noch immer gering allein gegenüber den Bahnreisenden im Fernverkehr aus. Während nach Zahlen des Bundesverbands der Omnibusunternehmer neun Millionen Menschen vergangenes Jahr mit dem Fernbus unterwegs waren, nutzten 130 Millionen Menschen den Eisenbahnfernverkehr. Die Einbußen durch fehlende Fahrkarten-Verkäufe sind aus Sicht der Bahn dennoch bereits merklich und wurden zuletzt mit rund 40 Millionen Euro beziffert.

Neben der Bahn mussten vor allem Mitfahrzentralen Nutzer an die Fernbuslinien abgeben. IGES zufolge haben 19 Prozent aller Fernbus-Reisenden zuvor kostenpflichtige Mitfahrgelegenheiten genutzt. Bei immerhin noch 15 Prozent war es das eigene Auto, das zugunsten der Fernbuslinie stehen gelassen wurde.

Zugleich zeigt die Studie auch, dass der Fernbus-Markt vor allem ein Onlinemarkt ist. 79 Prozent aller Fahrten werden online am PC, direkt beim Anbieter der jeweiligen Fernbus-Linie gebucht. Fernbus-Vergleichsportale schlagen mit gerade einmal fünf Prozent Marktanteil kaum zu Buche. Ticketschalter spielen mit vier Prozent sogar noch eine geringere Rolle. Und so erklärt sich zumindest zum Teil womöglich auch, warum unter jenen Umfrageteilnehmern, die bislang noch nicht mit Fernbus-Linien fahren, immerhin sechs Prozent nicht wussten, wie sie diese überhaupt buchen sollen.

Top Ten - Diese Verbindungen sind stark gefragt

1. Berlin – Hamburg: 272 Fahrten pro Woche und Richtung, Preis: ab 8 Euro

2. Berlin – Dresden: 196 Fahrten, Preis: ab 5 Euro

3. Berlin – Leipzig: 195 Fahrten, Preis: ab 7 Euro

4. Stuttgart – Karlsruhe: 189 Fahrten, Preis: ab 5 Euro

5. München – Nürnberg: 174 Fahrten, Preis: ab 5 Euro

6. Berlin – Hannover: 166 Fahrten, Preis: ab 11 Euro

7. München – Frankfurt: 134 Fahrten, Preis: ab 14 Euro

8. München – Stuttgart: 123 Fahrten, Preis: ab 8 Euro

9. Frankfurt – Köln: 121 Fahrten, Preis: ab 7 Euro

10. Frankfurt – Stuttgart: 120 Fahrten, Preis: ab 9 Euro

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