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„Kein Kavaliersdelikt“ : Fahrerflucht: In SH wird jeder Zweite erwischt

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Immer mehr wachsame Bürger zeigen Autofahrer an, die nach einem Unfall die Flucht ergreifen. Und die Aufklärungsquote steigt. Einige Täter müssen sogar mit Haftstrafen rechnen.

Kiel/Itzehoe | Einen kurzen Moment nicht aufgepasst und schon ein anderes Auto angefahren – viele Fahrer ergreifen danach die Flucht. In der Hoffnung, dass niemand den Vorfall gesehen hat. Doch Lothar Gahrmann vom Landespolizeiamt in Kiel warnt alle Autofahrer. „Mehr als 50 Prozent der Fälle werden in Schleswig-Holstein aufgeklärt.“ Es sind meistens Augenzeugen, die den Vorfall beobachteten und mit ihrem Foto-Handy dokumentieren. Sie notieren sich das Kennzeichen, informieren den Geschädigten oder rufen die Polizei. Gahrmann: „Die Bereitschaft in der Bevölkerung, flüchtige Unfallfahrer anzuzeigen, wird größer. Die Aufklärungsquote steigt seit Jahren.“

So beobachtete eine Geschäftsfrau in Itzehoe, wie eine Frau mit ihrem Pkw gegen einen anderen Wagen fuhr – und sich aus dem Staub machte. Die Zeugin klemmte einen Zettel mit dem Kennzeichen der Verursacherin hinter den Scheibenwischer des beschädigten Wagens. Schnell konnte die flüchtige Unfallfahrerin ermittelt werden, inzwischen liegt der Fall bei der Staatsanwaltschaft.

Je nach Schadenshöhe kann eine Fahrerflucht teuer werden: Von Geldstrafen um die 500 Euro bis hin zum Führerscheinentzug kann dies gehen. Wiederholungstätern müssen sogar mit einer Haftstrafe rechnen. „Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt“, betont Hermann Schwichtenberg, Sprecher der Polizeidirektion Itzehoe.

Mittlerweile scheint sich die zunehmende Wachsamkeit der Bürger herumgesprochen zu haben. Mit der positiven Folge, dass sich immer mehr Unfallverursacher verantwortlich zeigen und sich um den angerichteten Schaden kümmern.

Entsprechend sind in den ersten neun Monaten 2013 in Schleswig-Holstein deutlich weniger Autofahrer nach Unfällen geflüchtet als im Vorjahreszeitraum. Landesweit wurden von Januar bis Oktober des vergangenen Jahres 11.600 Unfallfluchten bei der Polizei angezeigt. In den ersten neun Monaten 2012 waren es noch 13.000 Fälle. „Für das gesamte Jahr 2013 rechnen wir mit einem Minus von zehn Prozent. Eine erfreuliche Entwicklung, obgleich es insgesamt noch immer viel zu viele Fälle sind“, so Gahrmann.

So vergeht in den Kreisen Steinburg und Dithmarschen kein Tag, an dem nicht mindestens eine Unfallflucht angezeigt wird. Meistens sind es Schäden zwischen 500 und 1000 Euro: Abgefahrener Außenspiegel, Kratzer im Lack, Delle im Blech, verbogene Stoßstange oder ein zertrümmerter Scheinwerfer.

„Ich kann überhaupt nicht verstehen, dass sich Autofahrer vom Unfallort entfernen, sie sind doch versichert und können dafür gerade stehen“, meint Schwichtenberg. Doch vermutlich wollen sie vermeiden, dass ihr Beitrag für die Kfz-Versicherung steigt, wenn sie den Schaden melden. Eine Reihe von Autofahrern flüchten wohl auch deshalb, weil sie unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen.

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erstellt am 06.Jan.2014 | 12:35 Uhr

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