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Gutachten zu Kupplungs-Problemen : Erste Marschbahn-Waggons ab Freitag wieder im Einsatz

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Alle Waggons der Marschbahnlinie Hamburg-Westerland sollen bald wieder fahren – doch sie alle müssen repariert werden.

shz.de von
erstellt am 06.Apr.2017 | 13:33 Uhr

Westerland | Marschbahn-Waggons mit geprüften Kupplungen, die keine Risse haben, können vorübergehend wieder eingesetzt werden. Verkehrsminister Reinhard Meyer präsentierte am Donnerstag auf Sylt erste Ergebnisse des Gutachtens zur Zukunft der stillgelegten Waggons auf der Strecke Hamburg-Westerland. Drei Marschbahnzüge mit insgesamt 16 Reisezugwagen sollen demnach am Freitag den Betrieb wieder aufnehmen. Sie lösen die ersten Altfahrzeuge des Ersatzkonzeptes ab. Mittelfristig werden in einem Austauschverfahren weitere Wagen eingesetzt.

Die Reparatur dieser Personenwaggons hätte eigentlich bis Ende März erledigt sein sollen, wird nun allerdings zu einem Problem, das noch „über den Sommer“ dauert. Diese Hiobsbotschaft hatte Reinhard Meyer Anfang Februar auf Sylt überbracht. Dabei ließ sich Schleswig-Holsteins Verkehrsminister zu den Worten hinreißen, dass der zurzeit eingesetzte Ersatz-Fuhrpark der Deutschen Bahn „leider kein Orient-Express ist“.

„Ich freue mich, dass es endlich eine Perspektive für den Wiedereinsatz der Marschbahnwagen gibt und sich der Betrieb an der Westküste weiter stabilisiert. Wir wissen, dass die letzten Monate für die Fahrgäste eine sehr große Belastungsprobe waren. Leider wird es noch etwas dauern, bis der Betrieb wieder ganz wie geplant laufen kann“, sagte Reinhard Meyer.

Ein weitere vorläufige Einschätzung des Gutachters: Die Kupplungen können wahrscheinlich für den dauerhaften Betrieb repariert werden. Eine endgültige Einschätzung wird im zweiten Teil des Gutachtens stehen, für das noch ausführliche Testfahrten nötig sind. Die Reparatur ist allerdings bei allen Kupplungen erforderlich – unabhängig davon, ob sie Risse haben oder nicht. Andernfalls halten sie den Belastungen im Betrieb nicht dauerhaft stand. Knapp 25 Prozent der untersuchten Kupplungen wiesen kleine, nur mit einem speziellen Untersuchungsverfahren erkennbare Risse auf.

Gutachter „TÜV Süd Rail“ geht nach derzeitigem Stand davon aus, dass erhöhte Korrosionen an einzelnen Bestandteilen der Kupplung und ein fehlender sogenannter „Inbetriebnahme-Hub“ bei der letzten Hauptuntersuchung in den Jahren 2012/13 verantwortlich für die Schäden sind. Durch den Hub werden die erneuerten Kunststoff-Federelemente der Kupplung durch Krafteinwirkung aktiviert. Warum das nicht geschehen ist und wer dafür die Verantwortung zu tragen hat, ist noch unklar. Beide Faktoren zusammen haben nach Erkenntnis des Gutachters die Materialermüdung in den Kupplungen sehr stark beschleunigt.

Ein Neubau der Kupplungen zählt im Gutachten zu den Alternativen. Allerdings würde diese Maßnahme den Wiedereinsatz der kompletten Wagenparks nach aktueller Einschätzung noch stärker verzögern. Die Reparatur-Lösung verfolgen Land, Nah.SH, Paribus, DB Regio, Nord-Ostsee-Bahn und der Kupplungshersteller Faively nun vordringlich. Schon vor der Präsentation des Gutachtens äußerte ein Sprecher von Nah.SH die Hoffnung, dass die ersten Waggons auf der Marschbahn schon bald wieder rollen.

Insgesamt fehlen der Bahn bis zu 90 der aus Sicherheitsgründen noch von der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) stillgelegten Waggons. Die Bahn hatte den Betrieb auf die Insel im Dezember von der NOB übernommen. Die veralteten Ersatz-Waggons ärgern die Bahnfahrer und führen teils zu Ausfällen und Verspätungen. Seither versucht Meyer, zwischen Bahn sowie Pendlern und Unternehmern zu schlichten. Die Sylter Bürgermeister hatten bereits Brandbriefe veröffentlicht.

Bis Ende des Jahres könnte die gesamte Fahrzeugflotte wieder zur Verfügung stehen. Bis dahin sollen schrittweise weitere Wagen eingesetzt werden, sobald sie verfügbar sind. Vorläufig eingesetzte Marschbahnwagen sollen dabei nach und nach durch Wagen mit bereits reparierten Kupplungen ersetzt werden.

Ein abschließender Bericht vom TÜV Süd soll in einigen Wochen vorliegen.

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