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Vorfall in Klanxbüll : Defekte Bahnübergänge, die tödliche Gefahr

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Klanxbüll rauschen die Züge an einer offenen Schranke vorbei. Kein Einzelfall in SH, behaupten Zeugen.

von
erstellt am 12.Okt.2014 | 15:31 Uhr

Klanxbüll | Es geschah am vergangenen Montag Mittag – am Bahnübergang in Klanxbüll (Kreis Nordfriesland) ließ sich die Schranke nicht mehr schließen. „Mehrere Züge sind in der Stunde danach ungebremst vorbeigerauscht“, sagt Anwohnerin Angelika Fritz, die in Sicht- und Hörweite des Bahnübergangs lebt. Die Anlage sichert die Bahnanbindung der Insel Sylt, mehr als 100 Züge pro Tag fahren hier vorbei. Angelika Fritz spricht von mindestens zehn Zügen, die während des Betriebsausfalls der Schranke den Übergang passiert haben sollen. „Einige haben bei der Durchfahrt laut gehupt, drei Züge aus Richtung Niebüll sind immerhin langsam gefahren.“

Angelika Fritz hat mit dem Handy mehrere Fotos und Videos aufgenommen. Eine Sequenz, die unserer Zeitung vorliegt, zeigt den Sylt Shuttle, während er mit mittlerer Geschwindigkeit an den geöffneten Schranken vorbei fährt. „Ich wohne seit bald sechs Jahren hier, es hat immer wieder Probleme mit der Anlage gegeben“, sagt Angelika Fritz. Gerade in den letzten Monaten hätten sich die Ausfälle gehäuft. „Entweder geht sie nicht hoch oder sie geht nicht runter, jeder hier im Ort weiß das. Und jedes Mal dauert es eine ganze Weile, bis Bahnbedienstete kommen und den Fehler beheben“, erzählt sie. Auch ihr Nachbar Helge Boysen kennt das Schauspiel. „Da muss was passieren – besonders wegen der vielen Schulkinder“, sagt er.

Scheinbar ist Klanxbüll kein Einzelfall. Ähnliches soll sich laut Aussagen von Zeugen auch anderorts zugetragen haben. Stephan Koth ist Bürgermeister der Gemeinde Stedesand (Nordfriesland). Er berichtet von zwei Vorfällen in den vergangenen Jahren am örtlichen Bahnübergang an der Kreisstraße. „Ein Anwohner ist hier über den Übergang gefahren und hat dann im Rückspiegel direkt hinter sich einen Zug mit hoher Geschwindigkeit passieren sehen, der war natürlich total geschockt“, erinnert sich Koth. In einem zweiten Fall konnte demnach ein Fahrzeug gerade noch vor dem wiederum nicht geschlossenen Bahnübergang stoppen, bevor ein Zug vorbei fuhr. „Es wurde von den betroffenen Personen leider versäumt, die Vorfälle der Polizei zu melden“, bedauert Koth. In der Gemeindevertretung habe man das Thema behandelt, es sei dort gefordert worden, neue Schranken zu installieren. Im vergangenen Jahr sei ein Schreiben an die Bahn verfasst worden. „Es blieb bis heute unbeantwortet“, so Koth.

Einen großen Schreck erlitt die Sylterin Britta Rehm nach eigener Aussage am 3. Oktober. Als sie abends mit ihrem erwachsenen Sohn als Beifahrer auf den Bahnübergang in Keitum zufuhr, habe der auf einmal gestottert, sie möge sofort anhalten. „Da kam von rechts die Bahn, obwohl kein Signal an und die Schranke geöffnet war“, erinnert sich Rehm. Sowohl sie als auch der Zug hätten knapp vor dem Übergang gestoppt. „Dann erst ging das Signal an und die Schranke runter, der Zug fuhr durch.“ Auc h Britta Rehm hat den Vorfall nicht der Polizei gemeldet. „Ich bin danach nach Hause, musste mich erst einmal von dem Schreck in der Abendstunde erholen.“

Den Schrankenausfall in Klanxbüll am vergangenen Montag bestätigt die Bahn: „Aufgrund eines Drahtseilbruchs konnten die Schranken nicht wie üblich vom Fahrdienstleiter in Klanxbüll geschlossen werden“, sagte Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst. Der Defekt sei durch Bahntechniker schnellstmöglich behoben worden.

Dass der Bahnübergang Klanxbüll in den vergangenen Monaten häufiger von Ausfällen betroffen gewesen sei, kann sie nicht bestätigen. Und eine ungebremste Durchfahrt von Zügen bei offenen Schranken hält sie grundsätzlich für ausgeschlossen. „Wenn die Schranken am Bahnübergang nicht geschlossen werden können, bekommt der Lokführer vorab Bescheid. Er muss dann vor dem Bahnübergang stoppen und diesen Stopp bestätigen.“ Durch das Andreaskreuz sei die Vorfahrt für Schienenfahrzeuge klar geregelt. „Der Lokführer gibt dann ein Hupsignal und fährt langsam im Schritttempo auf den Übergang. Wenn die Lok auf dem Überweg steht, ist dieser gesichert. Der Zug fährt dann normal weiter.“

Es gebe bislang keinen einzigen Beweis dafür, dass Züge mit hoher Geschwindigkeit durchgefahren seien, so Brunkhorst. Auf den vorliegenden Aufnahmen von Angelika Fritz sei nur der hintere Teil eines Zuges zu sehen. „Züge sind 600 Meter lang, wenn der Lokführer den Übergang passiert hat, darf er wieder beschleunigen.“ Trotzdem werde man den Vorfall genau untersuchen. Jeder Mensch, der derartige Ereignisse beobachte, solle dies sofort bei der Polizei melden, so Brunkhorst.

Angelika Fritz sagt, dass es ihr nicht darum gehe, die Deutsche Bahn „anzuschwärzen“,vielmehr wolle sie auf ein Sicherheitsproblem hinweisen: „Gerade gegen Mittag kommen hier viele Schulkinder mit dem Bus an und müssen über die Gleise. Mein sechsjähriger Enkel besucht mich oft mit dem Fahrrad, ich mache mir jedes Mal Sorgen“, sagt sie. „ Es darf nicht erst etwas passieren.“

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