Mangelnde Pünktlichkeit der Marschbahn : Buchholz brummt Bahn neue Strafe auf

Die Geldstrafen für die Verspätungen trifft die DB empfindlich.
Die Geldstrafen für die Verspätungen trifft die DB empfindlich.

Pünktlichkeitsquote der Marschbahn bei 70,5 Prozent – vereinbart sind 93 Prozent.

Kay Müller von
20. April 2018, 06:40 Uhr

Kiel | Die Deutsche Bahn (DB) Regio akzeptiert die Strafzahlungen nicht, die das Land wegen der vielen Verspätungen auf der Marschbahnstrecke verhängt hat. 350.000 Euro behält Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) auch für den Monat März ein, in dem die DB eine Pünktlichkeit von unter 70 Prozent auf der Strecke erreicht hat. Vertraglich vereinbart sind 93 Prozent. Schon im Februar hatte Buchholz den Betrag einbehalten, das hatte die DB noch akzeptiert.

Jetzt verweisen sowohl der Konzern als auch das Land auf die Verträge. Will die DB das Geld dennoch, muss sie das Land verklagen. „Wir erwarten, dass die Verträge erfüllt werden“, sagt Buchholz. Das sei erkennbar in den vergangenen beiden Monaten nicht der Fall gewesen. „Die Pünktlichkeit der Marschbahn ist nach wie vor ungenügend“, betont Buchholz, der die Strafgelder den Pendlern geben will. Vertraglich sind Strafzahlungen erst dann möglich, wenn die Bahn im Schnitt eines Jahres unpünktlicher ist als vereinbart. Bislang kommt die DB auf der Strecke in diesem Jahr auf eine Pünktlichkeitsquote von 70,5 Prozent. Das belegen neueste Zahlen aus dem Verkehrsministerium.

 

„Selbstverständlich setzen wir alles daran, die vertraglichen Vereinbarungen einzuhalten“, sagt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. „Wir sind uns bewusst, dass die aktuellen Leistungen nicht unseren Qualitätsansprüchen und denen unserer Kunden auf der Strecke entsprechen.“ Die DB will alle Loks auf der Bahnverbindung bis Ende des Jahres generalüberholen. Um Zugausfälle zu vermeiden, werden weitere Loks angemietet. Dazu habe man zwei weitere Ersatzwagenparks und mehr Lokführer im Einsatz, so Meyer-Lovis. Ob die Marschbahn dadurch pünktlicher werde, das könne er in vier Wochen sagen.

Buchholz hofft jedenfalls darauf. Auf die Frage, ob er auch im kommenden Monat Strafzahlungen erheben wird, sagt der Minister: „Wir gehen immer noch davon aus, dass die Pünktlichkeit besser wird.“

März-Woche: Zwei Drittel der Züge verspätet

In der Woche zwischen dem 12. und dem 18. März waren zwei Drittel der Marschbahn-Züge verspätet (siehe Grafik). Im gesamten Jahr 2018 hat es die Deutsche Bahn (DB) Regio nicht in einer einzigen Woche geschafft, die vertraglich mit dem Land vereinbarte Pünktlichkeitsquote von 93 Prozent auch nur annähernd einzuhalten. In der besten Woche lag die Pünktlichkeit zwischen Hamburg und Westerland noch zehn Prozentpunkte darunter.

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shz-Grafik: Can Yalim
 

Dazu sind auf dieser Strecke in jeder Woche ungeplant Züge ausgefallen – immer zwischen ein und fünf Prozent. Dazu kommen noch wegen Baustellen geplante Zugausfälle, das waren etwa in der vergangenen Woche zehn Prozent. Verkehrsminister Buchholz ist daher überzeugt, dass er mit seinen monatlichen Strafzahlungen auch juristisch am Ende richtig liegt: „Wir bestellen eine Dienstleistung, die wir im Wettbewerb ausgeschrieben haben, wir erwarten, dass die Verträge erfüllt werden.“

Buchholz will Pendler, die eine Monatskarte im Abo für die Marschbahn besitzen, mit dem Geld aus den Strafzahlungen entschädigen. Die Bahn hat den Zahlungen für den Februar zugestimmt und dafür ein Online-Portal freigeschaltet, auf dem Reisende die Entschädigung beantragen können. Wer in der 2. Klasse regelmäßig zwischen Itzehoe und Westerland unterwegs ist, bekommt einmalig 50 Euro. Pendler in der 1. Klasse erhalten 75 Euro. Wer kein Abo hat, muss mindestens fünf Monatskarten vorlegen, auch Inhaber von Schülerfahrkarten und Schwerbehinderte mit Wertmarken können Anträge stellen. Die Bahn will sie innerhalb von 30 Tagen bearbeiten.

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