zur Navigation springen

Überwachungslücke : Blitzer-Offensive: Städte und Kreise in SH rüsten auf

vom

Die Polizei zieht sich immer mehr aus der Verkehrsüberwachung zurück. Städte und Kreise reagieren auf steigende Unfallzahlen.

Kiel | Wegen personeller Engpässe blitzt die Polizei immer seltener. In diese Überwachungslücke springen jetzt Kreise und kreisfreie Städte in Schleswig-Holstein. Genau die Hälfte hat bei der Verkehrsüberwachung bereits im vergangenen Jahr aufgerüstet oder plant zeitnah die Anschaffung von weiteren Messgeräten, wie eine Umfrage des sh:z zeigt.

„Aus Gründen der Verkehrssicherheit hat der Hauptausschuss des Kreises am 2. Juni einstimmig beschlossen, die Geschwindigkeitsüberwachung in Eigenregie zu übernehmen“, sagt Martina Stekkelies, Sprecherin des Kreises Schleswig-Flensburg. Zu diesem Zweck soll für 70.000 Euro ein mobiler Blitzer samt Dienstfahrzeug beschafft werden. Ziel ist es, einen „gewissen Flächendruck“ zu erzeugen – was der Polizei offenbar nicht mehr gelingt. Stekkelies: „Im Kreis ist die Zahl der Verkehrsunfälle um 12,5 Prozent gestiegen, der Landesschnitt liegt bei 6,3 Prozent.“

Als im Frühjahr die Unfallstatistik für 2015 veröffentlicht wurde, erklärte Landespolizeidirektor Ralf Höhs, ein direkter Zusammenhang zwischen den erhöhten Unfallzahlen und der eingeschränkten Verkehrsüberwachung sei nicht nachweisbar. Fakt aber ist: 2015 erwischten seine Beamten 113.120 Temposünder weniger als im Vorjahr, das ist ein Minus von 17,6 Prozent. Weitere Hiobsbotschaften wie die Abschaffung von Videowagen ließen vielerorts die Alarmglocken klingeln.

So wird sich der Kreis Plön im August ein zweites mobiles Gerät für 40.000 Euro zulegen, Flensburg will 23.000 Euro in eine weitere stationäre Radarfalle investieren und bis 2020 seine vorhandene Technik (zwei Rotlicht-Blitzer und einen Radarwagen) erneuern. Kosten dafür: 197.000 Euro. Der Kreis Stormarn hat für seinen Einseitensensor bereits eine neue Kamera für 34.000 Euro angeschafft. Und auch Ostholstein ersetzt gerade zwei betagte Messgeräte für 184.000 Euro.

Warum allein eine Umrüstung viel bringen kann, erklärt Arne Ivers, Sprecher der Stadt Kiel: „Es verbessert die Fotoqualität und somit die Zahl der verwertbaren Fälle.“ Kiel hat deshalb neue Gerätesoftware und Zusatzblitze angeschafft. Aber auch ein zweites ortsfestes Messgerät für 72.000 Euro.

Der Kreis Nordfriesland, der bereits seit 2009 eigens zwei Mitarbeiter für die Verkehrsüberwachung abgestellt hat, steigerte seine Einnahmen seitdem von 249.000 auf stolze 543.000 Euro (2015). Auch andere Kreise verzeichnen durch die Intensivierung der Überwachung ein Plus bei den Bußgeldern. Neumünster etwa hat seit 2011 seine Einnahmen um 87 Prozent auf zuletzt 381.000 Euro gesteigert.

Es wird also durchaus Kasse gemacht. Kritik von Bürgern entgegnet Valessa Glisovic, Sprecherin der Stadt Lübeck: „Wenn wir die Geschwindigkeitsüberwachung optimieren, kann es dafür doch keine Kritik geben. Da die Polizei sich aus der Überwachung des fließenden Verkehrs stark zurückgezogen hat, musste die Stadt diese Aufgabe übernehmen.“

zur Startseite

von
erstellt am 21.Jun.2016 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen