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Verkehrsüberwachung in SH : Blitzer auf der Rader Hochbrücke: Das müssen Sie wissen

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Wird man bald bei jeder Fahrt über die Brücke fotografiert. Und wie schnell darf man fahren? Fragen und Antworten rund um die geplanten Dauerblitzer.

shz.de von
erstellt am 14.Jun.2015 | 18:22 Uhr

Rendsburg | Aktuelle Verkehrsmeldungen für Schleswig-Holstein finden Sie auf shz.de/verkehr.

Sie ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte in Schleswig-Holstein - die Rader Hochbrücke der A7 bei Rendsburg. Doch ihre Bausubstanz bröckelt. Zu schnelle und schwere Fahrzeuge, die in zu kurzen Abständen über die Brücke fahren, lassen den Beton marode werden. Deswegen gibt es bestimmte Auflagen für Lkw. Blitzer sollen bald Lkw, die gegen diese Auflagen verstoßen, erfassen. Dabei gibt es viele unklare Punkte. shz.de fasst den aktuellen Stand zusammen.

Warum soll stationär geblitzt werden?

Die Rader Hochbrücke ist altersmüde. Laut Statikern soll sie nur noch bis 2026 halten. Erschütterungen, etwa durch schwere Lkw, setzen dem Material zu und davor muss das Bauwerk geschützt werden. Um dies zu gewährleisten, gelten für Lkw strenge Regeln – an die viele Fahrer sich jedoch nicht halten.

Woran müssen sich Fahrer beim Überqueren halten?
  • Es gilt ein Tempolimit von 60 Kilometer pro Stunde für Lkw ab 7,5 Tonnen.
  • Es gilt ein Lkw-Überholverbot auf der Brücke.
  • Es muss ein Mindestabstand von 25 Metern (auch im Stau) von Lkw ab 7,5 Tonnen eingehalten werden.
  • Beide Standstreifen sind gesperrt.
  • Die Gewichts-Höchstgrenze für Schwertransporte liegt bei maximal 84 Tonnen.

Für Pkw gilt je nach elektronischer Vorgabe ein wechselndes Tempolimit von 60 oder auch 80 Kilometern pro Stunde - meist aufgrund der jeweiligen Wind- und Wetterbedingungen.

Ab wann wird regelmäßig geblitzt?

Gerüchte vom 21. Juni 2015 machten die Runde. Dieses Datum ist jedoch falsch. Einen genauen Termin gibt es noch nicht. Fest steht nur, dass ab Sommer mehr geblitzt werden soll.

Wie viele Blitzer werden aufgestellt?

Die genaue Anzahl steht noch nicht fest. Sie richtet sich auch danach, welche Geräte am Ende genutzt werden. „Vielleicht reichen zwei Geräte“, sagte Harald Haase, Pressesprecher vom Wirtschaftsministerium. Dies sei aber noch nicht klar, die Findungsphase laufe.

Wer wird blitzen?

Zunächst sollte der Kreis Rendsburg-Eckernförde auf Bitten des Verkehrsministeriums die Kontrollen durchführen. Allerdings konnten sich Kreis und Land nicht auf die Dauer der Aktion einigen. Nun wird das Land Schleswig-Holstein die Verantwortung tragen. Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH) übernimmt den Aufbau und die Unterhaltung der Anlagen, das Landespolizeiamt die Auswertung der Daten sowie die Ahndung von Verstößen.

Bedeuten die Blitzer Mehrarbeit für die Polizei?

Bei der Landespolizei wird die zentrale „Ordnungswidrigkeitenstelle“ die Verstöße bearbeiten. Dort sind keine Polizeivollzugsbeamte, sondern Tarifangestellte tätig.

Laut Innenministerium werden keine Polizisten im Bereich der Verkehrsbesicherheitsarbeit, Prävention, Kriminalitätsbekämpfung durch die Auswertung belastet.

Was ist „Section Control“?

Mit dieser Technik zur Geschwindigkeitsüberwachung wird gemessen, wie lange Fahrzeuge für eine bestimmte Strecke brauchen. Legen sie die Strecke in kürzerer Zeit zurück als unter Einhaltung des Tempolimits möglich gewesen wäre, wird ein Verfahren eingeleitet. Da dafür aber die Kennzeichen auch ohne Verdacht erfasst werden, müssen vor der Einführung noch rechtliche Fragen geklärt werden.

Bei „Section Control“ werden nicht nur die zu schnell fahrenden Fahrzeuge erfasst, sondern die Kennzeichen aller Fahrzeuge. Bei dem Verfahren, das ab 2016 in Niedersachen in einem Pilotversuch getestet werden soll, wird von sämtlichen Fahrzeugen eine Durchschnittsgeschwindigkeit erfasst und damit eine noch engmaschigere Kontrolle möglich. Meyer: „Hier müssen aber noch rechtliche Fragen geklärt und die Ergebnisse des niedersächsischen Pilotversuchs zunächst gründlich ausgewertet werden.“

Wer möchte „Section Control“?

Verkehrsminister Reinhard Meyer möchte langfristig dieses System nutzen. „Jeder Verstoß geht zu Lasten der Lebensdauer der Brücke und damit zu Lasten unserer gesamten Volkswirtschaft, wenn uns die Statiker möglicherweise weitere Beschränkungen auferlegen." Im September wird die Brücke das nächste Mal durch Statiker überprüft.

Die CDU begrüßt das Aufstellen von Blitzern. Aufgrund der Relevanz der Einhaltung der Tempobeschränkungen für die Befahrbarkeit ist die CDU auch offen für „Section Control". Allerdings müssten die Datenschutzbestimmungen eingehalten werden.

Wer ist gegen „Section Control“?

Piraten und FDP. Da bei „Section Control“ alle Fahrzeuge fotografiert werden, sehen die Parteien das Grundrecht auf informelle Selbstbestimmung verletzt. Sie fordern daher vom Landtag, sich gegen „Section Control“ auszusprechen und herkömmliche Messgeräte zu verwenden, bei denen nur die zu schnell fahrenden Fahrzeuge erfasst werden. Außerdem führen sie an, dass „Section Control“ teurer und fehleranfälliger als herkömmliche Messverfahren sei.

Die Grünen appellieren an die Vernunft der Transportbranche: „Das, was die Brücke belastet, sind sowohl die zu hohen Geschwindigkeiten der Laster, als auch deren oftmals zu kurzen Abstände. Doch gegen Drängeln helfen weder Blitzer noch „Section Control“, so der verkehrspolitische Sprecher Andreas Tietze.

Und wie geht es mit dem Neubau der Rader Hochbrücke weiter?

Der Neubau der Kanalquerung war im Februar der DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und bau GmbH) übertragen worden, die ihre Gesamtplanungen bis 2023 abschließen und dann mit dem Bau des ersten Teils der Brücke beginnen will. Bis 2026 soll dann zunächst eine Richtungsfahrbahn fertiggestellt sein, über die der Verkehr zunächst vierspurig rollen wird. Im selben Jahr soll dann mit dem Abbruch der alten und dem Neubau der zweiten Hälfte der Rader Brücke begonnen werden.

 
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