Vogelfluglinie : Bahn will neue Fehmarnbelt-Trasse bauen

So soll sie aussehen: die Einfahrt in den geplanten 18 Kilometer langen Straßen- und Eisenbahntunnel unter dem Fehmarnbelt.
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Die Einfahrt zum Fehmarnbelt-Tunnel.

Überraschend nimmt die Bahn den Vorschlag der Landesregierung an: Die Hinterlandanbindung für Fehmarn soll statt auf alten Schienen durch die Badeorte der Lübecker Bucht auf einer neuen Strecke durch Ostholstein führen.

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25. Juli 2014, 11:16 Uhr

Eutin | Die Bahn macht sich überraschend gefügig den Vorschlag der Landesregierung zu Eigen, für die Anbindung der Festen Fehmarnbelt-Querung einen neuen Schienenweg durch Ostholstein zu bauen. Eine entsprechende Vereinbarung hat die DB Netz AG mit dem Verkehrsministerium getroffen.

In dem „Letter of Intent“, der dem sh:z vorliegt, erklären beide Seiten jetzt das Ergebnis des am 6. Mai abgeschlossenen Raumordnungsverfahrens zur Grundlage ihres weiteren Vorgehens. Ziel ist eine zweigleisige und elektrifizierte Gleisstrecke zwischen Lübeck und Puttgarden.

Diese Verbindung hatte die Bahn ursprünglich aus Kostengründen auf der vorhandenen, direkt die Badeorte in der Lübecker Bucht berührenden Trasse schaffen wollen. Dagegen hatte sich in Ostholstein massenhaft Protest erhoben: Befürchtet wird vor allem immenser Lärm durch 80 Güterzüge täglich, die laut Bahnplanung nach Fertigstellung der festen Fehmarnbelt-Querung ab 2021 von und nach Skandinavien rollen sollen.

In dem Raumordnungsverfahren hatte die Landesregierung mit Hinweis auf die Bürgerbedenken dem Neubau einer Trasse weitgehend nahe der A1 den Vorzug gegeben. Demnach sollen die Gleise außerhalb der Badeorte Timmendorfer Strand, Scharbeutz, Haffkrug und Sierksdorf verlaufen; Umgehungen sind auch für die Orte Ratekau, Lensahn und Großenbrode geplant. Experten rechnen mit insgesamt 55 Kilometer frischen Gleisanlagen.

Auf diese neue Trassenführung ist die DB Netz AG jetzt eingeschwenkt, obwohl der Vorschlag des Landes rechtlich für sie nicht bindend war. Im Gegenzug sichert das Land der Bahn zu, dass es den Schienennahverkehr ausschließlich auf der neuen Trasse abwickeln werde. Den Bedarf dafür werde sie im Planfeststellungsverfahren geltend machen. Damit schmettert das Land allerdings den Wunsch des Kreises Ostholstein ab, die alte Trasse mit ihrer guten Infrastruktur für Pendler und Touristen weiter für den Nahverkehr zu nutzen. Für diese Forderung gibt es auf Kreisebene starken Rückhalt.

Das Planfeststellungsverfahren ist noch die eine große Hürde für den Trassenneubau, die andere ist die Finanzierungszusage durch den Bund. Von den Baukosten und dem notwendigen Grundstückserwerb, der bei den Landwirten in Ostholstein angesichts der ohnehin schon knappen und teuren Ackerflächen auf große Vorbehalte stößt, ist offiziell noch keine Rede.

Politisch hingegen trifft die Vereinbarung von Bahn und Regierung selbst bei der Opposition auf Wohlwollen. Der ostholsteinische CDU-Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens sprach am Donnerstag von einer „richtig guten Botschaft“. Und weiter: „Unter Abwägung aller Kriterien kann man sagen, dass bei 55 Kilometer Neubaustrecke schon mal der modernste und effektivste Lärmschutz installiert werden muss. Darüber hinaus besteht die große Chance, mehrere schrankenfreie Bahnübergänge zu schaffen.“

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