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Passagiere verpassen Züge : Anschlusszüge nach Dänemark: Grenzkontrollen machen Probleme

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Aus der Onlineredaktion

Beim 13. Treffen der deutsch-dänischen Verkehrkommission in Flensburg geht es um die Gestaltung des „Jütlandkorridors“. Die Grenzkontrollen sorgen für Probleme im Zugverkehr. Auch der Fehmarnbelttunnel ist Thema.

Flensburg | Durch die dänischen Grenzkontrollen verpassen Passagiere regelmäßig auf dem Flensburger Bahnhof ihren Anschlusszug nach Norden. Das hat Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer am Montagnachmittag bei der 12. Sitzung der deutsch-dänischen Verkehrskommission in Flensburg kritisiert. Mit seinem dänischen Amtkollegen Hans Christian Schmidt vereinbarte Meyer, dass die Eisenbahnunternehmen von beiden Seiten der Grenze noch in diesem Monat Gespräche aufnehmen, um die Anschlüsse besser aufeinander abzustimmen.

Es gibt viele Baustellen im so genannten Jütlandkorridor – und einige sollen erst noch kommen. Deshalb tagte am Montag die deutsch-dänische Verkehrskommission in Flensburg. Sie berät sich über gleich drei der großen gemeinsamen Verkehrsthemen, die die kimbrische Halbinsel und den umliegenden Inseln betreffen.

Wie aus Teilnehmerkreisen verlautete, fahren die Dänischen Staatsbahnen in Flensburg regelmäßig zehn Minuten früher gen Norden ab, als im Fahrplan vorgesehen. Demnach gibt es dazu sogar eine schriftliche Anweisung ans Zugpersonal. Ziel ist es, auf diese Weise Zeit für die Passkontrollen der dänischen Polizei im Grenzort Pattburg zu schaffen. Durch den verfrühten Start in Deutschland kommt es dann zu langen Wartezeiten.

Auch auf der Vogelfluglinie Rødby-Puttgarden und bei der Eisenbahnverbindung Niebüll-Tondern beobachtet das Kieler Verkehrsministerium eine ähnliche Problematik, wenn auch offenbar in geringerem Umfang.

Schmidt verteidigte die zeitlich befristeten Passkontrollen als „leider notwendig“. Die dänische Regierung versteht die Kontrollen als direkte Reaktion auf die systematischen Kontrollen Schwedens an der Grenze zu Dänemark. Meyer hoffte, dass die Kontrollen in Dänemark und Schweden bald beendet werden. „Sie belasten die grenzüberschreitenden Verkehrsverbindungen.“

In einem Vier-Augen-Gespräch vor der Kommissions-Sitzung tauschten sich Meyer und Schmidt auch über die am Donnerstag aktualisierten Zeitpläne und Finanzanalysen zur Fehmarnbelt-Querung aus. Der Kieler Ressort-Chef bekräftigte seine Ankündigung, dass das deutsche Planfeststellungsverfahren dazu 2017 zum Abschluss kommt. Ebenso aber, dass er wegen der angekündigten Klagen von Naturschutzverbänden Baureife erst 2019 nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts sieht.

Nicht zuletzt mit Blick auf die Verzögerungen auf deutscher Seite sieht Schmidt das Projekt am Fehmarnbelt „weiter vor bedeutenden Herausforderungen“. Zugleich bekundete er seinen „tiefen Respekt“ vor der deutschen Planungskultur. Obwohl das langsame Abarbeiten von mehr als 3000 Einwendungen gegen die Belt-Pläne durch die Landesbehörden in Dänemark stark in der Kritik steht, versuchte Schmidt, die Wogen zu glätten: „Wir haben aus Deutschland all die Unterstützung, die wir uns wünschen.“ Schmidt betonte, dass das Infrastrukturprojekt nicht nur die Wirtschaft in Deutschland und Dänemark beflügeln werde, sondern auch darüber hinaus ökonomische Strahlkraft entfalte.

Die Unsicherheit und die hohen Kosten hatten die politische Zustimmung zu dem Vorhaben in Dänemark zuletzt ins Wanken gebracht. Ein Krisentreffen im Parlament vorige Woche glättete die Wogen. Auch, weil das Mammutprojekt Fehmarnbelttunnel nach neuen Berechnungen etwas günstiger werden könnte als zuletzt erwartet.

Die Umweltorganisation NABU Deutschland forderte die beiden Länder erneut auf, die Pläne für das Mammutprojekt endgültig zu begraben. Das Projekt bleibe angesichts ökologischer Risiken und unverhältnismäßiger Gesamtkosten überflüssig. Stattdessen solle der sogenannte „Jütland-Korridor“ - die Verbindung von Hamburg über Flensburg und die Storebelt-Brücke - ausgebaut werden.

Schmidt und Meyer betonten, dass die Jütlandroute auch nach Fertigstellung des Belttunnels die wichtigste Verkehrsachse zwischen Deutschland und Dänemark bleiben werde. Das gelte für die A7 beziehungsweise die E45 auf dänischer Seite sowie die Eisenbahnverbindung zwischen Hamburg und Norddänemark. Es sei in der Kommission über die Frage diskutiert worden, wie mehr Fernverkehr auf dieser Route gestaltet werden könne, sagte Meyer. Auch über einen Grenzbahnhof in Flensburg-Weiche sei mit Blick auf einen möglichen Ausbau der Fernverbindung Hamburg-Aarhus diskutiert worden. Dieses Thema solle noch in diesem Jahr in der Kommission vertieft werden.

Die seit 2011 bestehende Kommission hat bereits elfmal getagt - und in einem Bericht Ende 2015 den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zwischen beiden Ländern gefordert. Dieses Papier ist hier nachzulesen: Verkehrsinfrastruktur im Jütlandkorridor.

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erstellt am 15.Feb.2016 | 18:16 Uhr

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