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Brückenbau : Am Fehmarnsund droht drei Jahre lang ein Engpass

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Bund sagt den Bau von zwei neuen Brücken zu – doch die werden erst viel später fertig als der geplante Belttunnel.

Fehmarn/Berlin | Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt plant den Bau von zwei neuen Brücken über den Fehmarnsund. Weil der Auto- und Zugverkehr auf dieser Strecke wegen des geplanten deutsch-dänischen Fehmarnbelttunnels „erheblich zunehmen“ werde, seien die beiden zusätzlichen Bauwerke zwischen dem ostholsteinischen Festland und der Insel Fehmarn notwendig, erklärte gestern in Berlin Dobrindts Staatssekretär Enak Ferlemann: „Wir brauchen zwei neue Brücken, um das prognostizierte Verkehrsaufkommen bewältigen zu können – eine für die Schiene und eine für die Straße.“ Die jetzige Sundbrücke sei dazu auf Dauer zu schwach und zu eng.

Zwar reiche ihre Tragfähigkeit noch für die aktuelle Belastung aus: „Gegenwärtig besteht kein Standsicherheitsdefizit.“ Doch für die vorhergesagten höheren Verkehrslasten nach Eröffnung des Belttunnels zwischen Deutschland und Dänemark könne „aufgrund von Materialermüdung für wichtige Träger und Pfeiler nur eine geringe Restnutzungsdauer nachgewiesen werden“, sagte eine Sprecherin von CSU-Minister Dobrindt. Das habe ein Gutachten ergeben, das die Deutsche Bahn gestern im Verkehrsressort vorgestellt hat.

Mindestens drei Jahre lang wird die einen Kilometer lange und 51 Jahre alte Brücke den wachsenden Verkehr nach Eröffnung der Beltquerung allerdings noch verkraften müssen. Denn während Dänemark den Belttunnel bis Ende 2021, Anfang 2022 fertiggebaut haben will, werden die beiden neuen Sundbrücken erst später fertig: „Ich gehe davon aus, dass die Brücken bis 2025 in Betrieb genommen werden können“, sagte CDU-Politiker Ferlemann. Damit wird die alte Brücke nicht nur einer Belastungsprobe unterzogen, sondern auch zum Nadelöhr: Sie hat nur zwei Autospuren und ein Bahngleis. Dagegen wird die restliche Strecke der Vogelfluglinie zwischen Hamburg und Kopenhagen nach Eröffnung des Belttunnels durchgängig vier Autospuren und zwei Bahngleise haben. Auch die neue Sundquerung mit ihren beiden Brücken wird so angelegt.

So sehr sich Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer daher über „die klare Positionierung des Bundes“ freute, so eindringlich warnte er vor einem Engpass: „Damit der Sund auch nicht nur übergangsweise zu einem Nadelöhr wird, brauchen wir intelligente Zwischenlösungen“, sagte der Sozialdemokrat. Noch deutlicher wurde Ostholsteins Landrat und Ferlemanns Parteifreund Reinhard Sager. Zwar begrüßte auch er „die klare Ansage des Bundes“. Doch sei ein Engpass am Sund „nicht akzeptabel“, kritisierte er: „Dann muss der Bund die neuen Brücken eben schneller bauen.“

Der CDU-Landtagsverkehrsexperte Hans-Jörn Arp forderte Minister Meyer auf, „unverzüglich mit der Planung zu beginnen“. Das sei nicht zuletzt deshalb wichtig, weil sonst das von der Landesregierung geplante neue Denkmalschutzgesetz den Bau der beiden neuen Brücken neben der denkmalgeschützten alten durch zusätzliche Auflagen erschweren könnte: „Der Umgebungsschutz der Denkmäler droht künftig noch aufgewertet zu werden“, warnte Arp.

Dass auch in Zukunft Brücken und kein Tunnel nach Fehmarn führen sollen, liegt daran, dass ein Brückenbau voraussichtlich schneller geht und billiger ist. Gut 300 Millionen Euro würde eine Brücke über den Sund kosten, hatte Meyer im letzten Jahr mal geschätzt. Nun werden es gleich zwei – aber ein Tunnel dürfte wohl noch teurer werden und auf fast eine Milliarde Euro kommen.

Landrat Sager sieht in den Brücken sowohl Vor- als auch Nachteile: „Für Touristen und Autofahrer sind sie attraktiv.“ Andererseits seien sie anfällig für Wind und Glatteis. So muss die jetzige Sundbrücke bei Sturm oft für Last- und Wohnwagen gesperrt werden. Nach Eröffnung der beiden neuen Brücken würde sie für den regulären Autoverkehr allerdings keine Rolle mehr spielen. Statt dessen hat Sager schon eine andere Idee: „Ich kann mir vorstellen“, sagt er, „dass künftig Fahrradfahrer, Trecker und Mähdrescher drüberfahren.“ Und auch Fußgänger könnten sie nutzen.

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erstellt am 03.Sep.2014 | 14:08 Uhr

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