Zählung der Flugsicherung : 88 Mal Drohnen in der Nähe von Flugzeugen gesichtet

Nur scheinbar zu nah: Eine private Drohne fliegt in knapp 10 Metern Höhe über einem Garten.
Seit Oktober gelten verschärfte Regeln für den Drohnenflug. Dennoch kommen immer wieder Drohnen Flugzeugen zu nahe.

Für Flugzeuge sind Drohnen aber eine ernste Gefahr. Helfen neue Regeln, die Zahl der Zwischenfälle zu senken?

shz.de von
10. Januar 2018, 06:58 Uhr

Frankfurt/Main | Immer wieder kommen Drohnen dem Luftverkehr bedrohlich nahe: Im vergangenen Jahr sind die kleinen Flugobjekte laut Flugsicherung allein 70 Mal in der Nähe von deutschen Flughäfen gesichtet worden. Weitere 18 Mal entdeckten Piloten die Flugkameras auf der Strecke. Damit hat sich die Zahl der gefährlichen Begegnungen im Luftraum zwar erhöht, aber nicht ganz so stark wie befürchtet. 2016 hatte die Flugsicherung 58 Drohnen bei einem An- oder Abflug gezählt, plus sechs auf freier Strecke.

Die unbemannten Flugobjekte mit vier Rotoren und Kamera sind eine Gefahr für den Flugverkehr. Im Oktober stieß in Kanada erstmals eine Drohne mit einem Passagierflugzeug zusammen. Nach Angaben der Behörden gab es nur kleinere Schäden, der Zusammenstoß hätte aber auch katastrophale Folgen haben können, wenn die Drohne Cockpit oder Triebwerke getroffen hätte. 2016 war ein Lufthansa-Airbus bei der Landung in München beinahe mit einem Quadrocopter zusammengestoßen.

Meiste Drohnensichtungen in der Nähe von Flughäfen 2017 laut aktueller Zählung der Flugsicherung:

Frankfurt/Main 15
Berlin-Tegel 11
Düsseldorf 8
München 7
Berlin-Schönefeld 5
Köln/Bonn 4
Hamburg 4

„Wir haben schon lange erkannt, dass offensichtlich viele Menschen überhaupt keine Vorstellung haben, wie gefährlich ein Drohnenflug am falschen Ort sein kann“, sagte Ute Otterbein, Sprecherin der Deutschen Flugsicherung in Langen bei Frankfurt. Prognosen, dass es 2017 erstmals mehr als 100 Vorfälle werden würden, seien zwar nicht eingetroffen, dennoch seien es „immer noch zu viele“, sagte die Sprecherin.

Um über die Gefahren aufzuklären, hat die Flugsicherung im Sommer eine Drohnen-App (Android, iOS) entwickelt. Sie werde inzwischen von 20.000 Menschen genutzt, hieß es. Auch Bücher informieren, wo Drohnen unterwegs sein dürfen und wo nicht. Die Flugsicherung schätzt, dass es rund eine Million Drohnen in Privathaushalten gibt, kleinere Modelle gibt es schon für weniger als 100 Euro. Fotografen nutzen größere Modelle zum Beispiel für Luftaufnahmen, Versandunternehmen testen Paketlieferungen per Drohne.

Seit Oktober gelten verschärfte Regeln für den Drohnenflug: Große Geräte müssen gekennzeichnet sein, manche brauchen eine Aufstiegserlaubnis. Ist die Drohne schwerer als zwei Kilogramm, braucht der Pilot seit 1. Oktober zudem einen Kenntnisnachweis. Maximale Flughöhe ist 100 Meter. Über „sensiblen Zonen“ sind Drohnenflüge ganz verboten – zum Beispiel über Flughäfen. Besondere Regelungen gibt es beispielsweise in Hamburg.

Führerscheinpflicht

Wer ein Fluggerät von mehr als zwei Kilo Gewicht steuert, muss seit 1. Oktober per Kenntnisnachweis („Drohnenführerschein“) belegen, dass er die Regeln des Luftverkehrs beherrscht. Mindestalter: 16 Jahre bei größeren, 14 Jahre bei kleineren Geräten. Den Nachweis stellen Institutionen aus, die vom Luftfahrtbundesamt lizenziert werden, wie Carsten Brandt von der Hamburger Luftaufsicht sagte. So bietet der TÜV Nord einen Online-Kurs für knapp 370 Euro an.

Kennzeichnung

Seit 1. Oktober müssen Drohnen mit mehr als 250 Gramm Gewicht eine „dauerhafte und feuerfeste Beschriftung“ mit Namen und Anschrift des Besitzers tragen.

Starterlaubnis

Für Drohnen mit einem Startgewicht ab fünf Kilogramm müssen die Besitzer eine Flugerlaubnis bei der Luftaufsicht der Wirtschaftsbehörde einholen. Das gilt auch für Geräte mit Verbrennungsmotor und dann, wenn in einer Entfernung von weniger als 1,5 Kilometern zum Flughafen, zu Krankenhäusern, Polizei- und Feuerwehrgebäuden sowie Segelflugplätzen geflogen werden soll. Eine Ausnahmeerlaubnis ist darüber hinaus für Flüge in einer Höhe von mehr als 100 Metern notwendig.

Flugverbote

Verboten sind Drohnenflüge grundsätzlich außer Sichtweite und in unmittelbarer Nähe einer ganzen Reihe besonderer Örtlichkeiten. Ein Mindestabstand von 100 Metern gilt zu Bundes- und Landesbehörden, Verfassungsorganen (zum Beispiel Rathaus), Militäranlagen, Flugplätzen, Industrieanlagen, Gefängnissen, Bundesfern- und -wasserstraßen. Dasselbe gilt für Menschenansammlungen, Einsatzorte von Rettungskräften und Bahnanlagen. Direkt über Wohngrundstücken und Naturschutzgebieten ist der Drohneneinsatz ebenfalls verboten.

Besondere Hamburger Regelungen

Ein Großteil des Stadtgebiets und Teile des Umlandes gehören zur Flugkontrollzone des Helmut-Schmidt-Flughafens, in der eine Genehmigung der Deutschen Flugsicherung (DFS) benötigt wird. Ausnahme: Für Flüge bis 50 Meter Höhe gilt eine Allgemeinfreigabe bei ausreichenden Sichtverhältnissen (fünf Kilometer Sicht, untere Wolkengrenze 1500 Meter).

Fliegen über der Elbe

Das Überfliegen der Bundeswasserstraße Elbe ist erlaubt, wenn ein seitlicher Abstand von 50 Metern sowie 200 Metern in der Höhe zu Schiffen eingehalten wird.

 
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