Radikale Islamisten : Verfassungsschützer warnen vor Salafisten – auch in SH

„Die Gefahr für die öffentliche Sicherheit durch fanatisierte Islamisten ist real und muss sehr ernst genommen werden“, sagte Breitner.
„Die Gefahr für die öffentliche Sicherheit durch fanatisierte Islamisten ist real und muss sehr ernst genommen werden“, sagte Breitner.

In Deutschland gibt es immer mehr Salafisten. Auch in Schleswig-Holstein steigt deren Zahl an. Aber weniger als im Bundestrend. Das hat einen bestimmten Grund.

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30. November 2013, 13:43 Uhr

Kiel/Köln | Die Verfassungsschützer schlagen Alarm: In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Salafisten in Deutschland stark erhöht. Laut dem Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz in Köln, Georg Maaßen, sind „die Zahlen nach oben geschnellt“. 2011 gab es noch 3880 Salafisten, 2012 waren es schon 4500, in diesem Jahr seien es 5500. „Wir haben festgestellt, dass diese Leute nicht nur politisch denken, sondern unser System verändern wollen und teilweise auch bereit sind, Gewalt anzuwenden“, sagt Maaßen.

Auch in Schleswig-Holstein halten Verfassungsschützer den Salafismus für „die derzeit deutschlandweit aktivste und dynamischste Strömung im Bereich des Islamismus“. Ein Sprecher des Landesverfassungsschutzes sagt: „Es zeigt sich immer wieder, dass aus Salafisten Djihadisten werden, die auch gewaltbereit sind.“ Davon gebe es auch welche in Schleswig-Holstein –  wie viele, das konnte der Sprecher nicht sagen. Nur so viel: In Schleswig-Holstein ist die Zahl der Salafisten von 200 in den Jahren 2011 und 2012 auf 210 in diesem Jahr gestiegen, die vor allem in den kreisfreien Städten wohnen. „Wenn von ihnen Gefahr ausgeht, dann sind es meist Einzeltäter.“ Die würden dann mit Hilfe der Polizei überwacht.

Dass die Zahl im Gegensatz zum Bundestrend nur geringfügig ansteigt, erklärt man sich beim Verfassungsschutz in Kiel damit, dass „wir das Thema schon sehr früh als Problem für die Sicherheit des Landes auf dem Schirm hatten“, sagt der Sprecher des Innenministeriums, Thomas Giebeler. Erst seit wenigen Jahren werde das Phänomen im Verbund zwischen Ländern und Bund von den Verfassungsschützern beobachtet, deshalb werde die „Erkenntnislage“ auch immer besser.

Innenminister Andreas Breitner (SPD) warnt vor den radikalen Gotteskriegern. „200 können zu viel sein, genau wie einer zu viel sein kann, wenn er ein kriminelles Potenzial hat.“ Im Juli hatte Breitner zwölf Salafisten aus Kiel, Lübeck und Pinneberg, die angeblich in einen heiligen Krieg gegen Syriens Machthaber Assad ziehen wollten, die Ausreise verboten. Breitner fürchtete, dass die Islamisten bei einer Rückkehr nach Deutschland hier zu „Leitfiguren, Ansprechpartnern und Aktivisten im terroristischen Kampf“ werden könnten.

Insgesamt wächst das Spektrum der Islamisten in Schleswig-Holstein an: 2011 waren es noch 150, ein Jahr später schon 760 Aktive. Bundesweit sollen es laut Verfassungsschutz sogar 42.000 sein. Rund 1000 von ihnen hält Präsident Georg Maaßen für gefährlich. 

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