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Pflegenotstand : Verdi: Rund 4000 Pflegekräfte fehlen in Schleswig-Holstein

vom
Aus der Onlineredaktion

Auf den Personalmangel und unwürdige Arbeitsbedingungen macht die Gewerkschaft am Tag der Internationalen Pflege aufmerksam. Aktionen in Lübeck und Kiel geplant.

shz.de von
erstellt am 12.Mai.2016 | 07:09 Uhr

Kiel | Der Pflegenotstand ist akut: Rund 4000 Pflegekräfte fehlen nach Angaben der Gewerkschaft Verdi allein in Schleswig-Holstein. Bundesweit bestehe ein Bedarf von mehr als 160.000 Pflegekräften in Krankenhäusern und Pflegeheimen, sagte Steffen Kühhirt, Fachbereichsleiter Gesundheitspolitik von Verdi Nord, der Deutschen Presse-Agentur.

Auch weil es kein Gesetz gibt, das etwa einem Krankenhausbetreiber vorschreiben würde, wie viele Pfleger er pro Station beschäftigen muss, gibt es es zu wenig Personal in Pflegeberufen. Beschäftigte in diesem Sektor sind deshalb oft überlastet. Darunter leiden Patienten.

Verdi hat für Donnerstag, dem Internationalen Tag der Pflege, einen Aktionstag mit Protestkundgebungen in Lübeck, Kiel, Schwerin und Rostock angekündigt. Der landesweite Aktionstag steht unter dem Motto „Der Norden steht auf - für mehr Personal und Entlastung in Krankenhäusern und Altenpflege“. Im Kieler Landeshaus findet am Donnerstag der 7. Landespflegekongress statt. Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) wird zur Eröffnung ein Grußwort sprechen.

„Ziel des Aktionstages ist es, den dramatischen Personalmangel und die unwürdigen Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern und Pflegeheimen sichtbar zu machen“, sagte Kühhirt. In vielen Einrichtungen herrsche für die Beschäftigten eine unerträgliche Arbeitsdichte. Die Gründe hierfür seien die Renditeorientierung privatwirtschaftlicher Pflegeeinrichtungen und Personalmangel. „Die prekäre Situation gefährdet das Patientenwohl“, sagte Kühhirt.

Massive Kritik übte Kühhirt an der Leitung des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH). Es seien hunderte Stellen im Pflegebereich eingespart worden. Und mit den geplanten UKSH-Neubauten sollten dort möglichst große Krankenstationen mit 40 Betten entstehen, betreut lediglich von jeweils zwei Pflegekräften.

Verdi fordert, mit gesetzlichen Vorgaben mehr Personal für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen durchzusetzen. Außerdem sollte die Ausgliederung wichtiger Bereiche in Servicegesellschaften unterbunden werden. Und die Kräfte im Pflegebereich müssten mehr Geld bekommen. „Die Geduld der Pflege ist definitiv am Ende. Die Politik muss handeln, auch in Schleswig-Holstein“, sagte Kühhirt.

Als Drahtseilakt zwischen dem wirtschaftlichen Druck und dem eigenen fachlichen Anspruch bezeichnete die Vorsitzende des Vereins Landesgesundheitsprojekte, Jutta Schümann, die derzeitige Pflegesituation. Im beruflichen Alltag bedeute dies ein ständiges Abwägen und Entscheiden, um den äußeren Rahmenbedingungen gerecht zu werden, sagte sie anlässlich des Landespflegekongresses.

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