Sexueller Missbrauch : Urteil ist rechtskräftig: Vier Jahre Haft für Plöner Reitlehrer

Jetzt muss der Angeklagte mit der Ladung zum Haftantritt rechnen.

Jetzt muss der Angeklagte mit der Ladung zum Haftantritt rechnen.

Gegen das Urteil des Berufungsgerichts legte der Angeklagte Revision ein, die hat das Gericht jedoch abgelehnt.

shz.de von
08. Juni 2018, 10:52 Uhr

Kiel | Das Kieler Landgericht hat 2017 einen Reitlehrer aus dem Kreis Plön zu vier Jahren Haft verurteilt. Er hatte eine junge Reitschülerin zwölffach sexuell Missbraucht und eine andere junge Frau sexuell genötigt. Dazu kommen gefährliche Körperverletzung, Stalking, zweifacher Betrug und falsche eidesstattliche Versicherungen. Die eingelegte Revision des 52-Jährigen hat das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht (OLG) jetzt als unbegründet verworfen.

Was zuvor geschah:

2009

Eine damals 16-Jährige kaufte von dem Angeklagten ein Pferd und nahm auf dem Hof des Mannes aus dem Kreis Plön Reitstunden. Das Mädchen verbrachte einen Großteil ihrer Freizeit auf dem Hof, schließlich zog sie ganz dort hin. Der Angeklagte soll das Mädchen zunächst mit sanftem Druck, später auch durch Erpressung zu sexuellen Handlungen gedrängt haben. So drohte er beispielsweise, Videoaufnahmen des Mädchens zu veröffentlichen oder mit dem Verkauf ihres Pferdes. 

Herbst 2011

In einer Kieler Wohnung soll der Mann 2011 die Jugendliche zusammen mit einer Freundin zu einem Treffen überredet haben, bei dem er die Mädchen „mit Druck und Gewalt“, wie es vor Gericht hieß, zu Sexspielen nötigte. Beide betroffenen Frauen treten in dem Prozess als Nebenklägerinnen auf.

August 2012

Erst im Herbst 2012 konnte sich die Geschädigte aus dem Abhängigkeitsverhältnis befreien. Doch auch nachdem die junge Frau den Hof verlassen hatte, endete ihr Martyrium nicht. Der Angeklagte soll sie mit Anrufen und Drohungen per E-Mail drangsaliert haben, zugleich wurde eine Detektei damit beauftragt, die bei Verwandten untergekommene Jugendliche ausfindig zu machen. Die Anklage wirft dem Mann zudem vor, in einschlägigen Hells-Angels-Kreisen versucht zu haben, einen Mord in Auftrag zu geben. Die alarmierten Behörden brachten das Opfer schließlich in einem Zeugenschutzprogramm unter.

19. Juni 2014

Der Prozess wegen sexueller Nötigung Schutzbefohlener beginnt vor dem Plöner Schöffengericht. Der damals 49-jährige Angeklagte zeigte sich vor Gericht gelassen. 

23. März 2016

Fast zwei Jahre nach Prozessauftakt und 68 Verhandlungstage später fällt ein Urteil: Dreieinhalb Jahre lang soll der Reitlehrer ins Gefängnis. Verurteilt wurde er wegen sexuellen Missbrauchs, gefährlicher Körperverletzung, Stalkings und Betrugs. Den beiden Opfern muss der Angeklagte 20.000 und 5000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Zudem verhängte das Gericht ein dreijähriges Berufsverbot gegen den Reitlehrer.

Angeklagter und Staatsanwaltschaft legten gegen das Urteil Berufung ein.

4. November 2016

Entgegen der Auflagen soll der Verurteilte weiterhin versucht haben, sich als Reitlehrer zu betätigen. Im November 2016 muss er deshalb in Untersuchungshaft. Der Mann war auch nach der Urteilssprechung noch auf freiem Fuß, da es aufgrund der Berufung noch nicht rechtskräftig war.

11. Januar 2017

Knapp ein Jahr nach der Verurteilung startet das Berufungsverfahren vor dem Kieler Landgericht. Insgesamt 46 Verhandlungstage werden festgesetzt.

14. September 2017

Die Staatsanwaltschaft fordert eine noch höhere Haftstrafe für den heute 52-Jährigen. Insgesamt vier Jahre soll er demnach ins Gefängnis. Die Verteidigerin des Angeklagten fordert in ihrem Plädoyer hingegen einen Freispruch von den Hauptvorwürfen des sexuellen Missbrauchs und der sexuellen Nötigung. Für die weiteren Anklagepunkte wird eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten gefordert.

28. September 2017

Der Mann wird zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden. Außerdem muss sich der Mann nach der Entscheidung des Kieler Landgerichts vom Donnerstag fünf Jahre von Mädchen und jungen Frauen fernhalten.

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